Die künstlich erschaffene, trocken gelegte Region ringt um seine Identität. Dabei geht es um Familiengeschichten, Anpassung, Veränderungen, um den Umgang mit Wasser, Wind, Sonne und Erde. Was macht die Region aus? Ist es die stete Veränderbarkeit an sich? Ein Versuch des Verstehens.
Marathon auf vier Hufen: Erste Oderländer Wettbewerbe im Distanzreiten
Vom 12. Juni bis 14. Juni findet das erste Mal Distanzreiten als Wettbewerb in Märkisch-Oderland statt. Die Pferde bringen Höchstleistungen, die jahrelanges Training voraussetzen. Von Steffen Blunk
Märkisch-Oderland ist ohne Pferdesport eigentlich kaum denkbar. Eine Vielzahl größerer und kleinerer Reitanlagen, Stallungen und Vereine macht das Reiten weithin sichtbar; zu einer ganzen Reihe von Turnieren mit Spring- wie Dressurprüfungen kommen aus Kreis und Land Besucherinnen und Besucher und begleiten die sportlichen Leistungen. Dank Hoppegarten sind auch Pferderennen tief in der Region verwurzelt. Was bisher wenig bis gar nicht in Erscheinung tritt ist Distanzreiten. Um so spannender, dass zwei passionierte Reiterinnen mit der „Blick-ins-Oderland-Distanz“ nun den ersten Marathonwettbewerb in Märkisch-Oderland für Pferde und Reiter ins Leben rufen.
„Welche Landschaft würde sich für diesen Sport besser anbieten als unser schönes Märkisch-Oderland?“, fragen Romina Stolze und Ina Drewes, die beide selbst erfahrene Langstreckenreiterinnen sind. Zu der ersten Veranstaltung dieser Art in Märkisch-Oderland laden sie am 12. bis 14. Juni auf den Hof von Landwirt Timo Scheib, der sich im Wriezener Ortsteil Biesdorf befindet. Von hier aus starten insgesamt acht Wettbewerbe für Reiter und Fahrer mit Streckenlängen zwischen 36 und 90 Kilometern. „Die sorgfältig ausgesuchten Reitstrecken versprechen für Brandenburger Verhältnisse nicht nur viele anspruchsvolle Höhenmeter, sondern auch einen fantastischen Blick in die Weite und eine unvergesslich schöne Landschaft“, heißt es von Seiten der beiden Veranstalterinnen.
Dabei darf nicht aus den Augen geraten, dass Distanzreiten ein hoch anspruchsvoller Wettbewerb ist. Pferde müssen jahrelang auf diese Distanzen vorbereitet werden, kein Freizeitpferd, selbst gut trainierte Turnierpferde würden so lange Strecken gesund überstehen. Bei der 90 Kilometer-Distanz etwa sind neben der Gesamtstrecke auch 2140 Höhenmeter (in der Summe aus Auf- und Abstiegen) zu überwinden. Selbst in den Einführungswettbewerben sind es schon 800 Höhenmeter beim Reiten beziehungsweise 1000 Höhenmeter beim Fahren. Deswegen sei der Weg das Ziel, sagt Ina Drewes, die selbst nicht an den Wettbewerben teilnimmt, sondern als eine von mehreren Tierärztinnen das Wohl der Pferde im Blick behält. Pferde und Reiter verbringen Höchstleistungen, gerade deshalb habe Pferdewohl und Tierschutz oberste Priorität. „Genau darum geht es beim Distanzreiten“, erklären die Veranstalterinnen, „eine weite und anspruchsvolle Geländestrecke möglichst schnell aber auch gesund zu überwinden. Denn nicht nur das reiterliche Vermögen, die Fitness und Geschicklichkeit des Pferdes, eine kluge Einteilung des Rittes und das gegenseitige Vertrauen im Mensch-Pferd-Team sind Teil des Wettbewerbs, sondern auch tierärztliche Kontrollen.“
Und die Kontrollen sind streng: Bereits am Tag vor dem Start, am 12. Juni, werden die Pferde durchgecheckt, Puls, Verdauung, Gliedmaßen und Schleimhäute untersucht. Auf der Strecke selbst gibt es unangekündigte Kontrollen, bei denen Pferde keine Überlastungsanzeichen haben dürfen. Und schließlich werden auch im Ziel alle Pferde noch einmal tierärztlich kontrolliert.
Distanzreiten sei kein sportliches Event mit Moderation, großen Anzeigentafeln und Entertainment wie der klassische Turniersport, sagt Ina Drewes, interessierte Zuschauer aber können sowohl den Start auf dem Hof von Tino Scheib als auch den Zieleinlauf verfolgen. Die Wettbewerbe starten am 13. Juni im Abstand von 30 Minuten ab 6 Uhr morgens. Auf die Strecken selbst dürfen Zuschauerinnen und Zuschauer nicht. Zum einen sei da oft über Stunden kein Pferd zu sehen, zum anderen verlaufen die Strecken teils über Privatbesitz, teils durch Naturschutzgebiete, für deren Durchreiten Romina Stolze und Ina Drewes die Genehmigungen von Besitzern, Forstämtern und Naturschutzbehörde eingeholt haben. Unterstützung für das neue Sporthighlight haben die Veranstalterinnen schon im Vorfeld von vielen Seiten erfahren. Sei es mit der Übernahme der Schirmherrschaft durch Wriezens Bürgermeister Karsten Ilm, sei es durch das Bereitstellen einer großen Campingfläche durch Landwirt Timo Scheib, bis hin zur Bewirtung der Reiterinnen und Reiter durch die Freiwillige Feuerwehr Lüdersdorf.
Zwar ist die Meldefrist zur Teilnahme schon am 30. Mai abgelaufen, Reiterinnen und Reiter, die an den Wettbewerben noch teilnehmen wollen, können sich aber nachmelden. Da die Gesamtteilnehmeranzahl auf 60 Pferd-Reiterpaare begrenzt ist, sollten sie sich jedoch vorab informieren, entweder auf www.vdd-aktuell.de oder per Mail über blickinsoderlanddistanz@gmail.com
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