Fliegenplage in Trebnitz – Schwalben könnten helfen

Seit Jahren scheint Trebnitz besonders anziehend für die Musca domestica, die gemeine Stubenfliege. Sie tritt in Massen auf, beendet Feiern und Seminare und nervt selbst den Mechaniker unter dem Auto. Ein Gastbeitrag von Susanne Petersen

Eine Fliege macht noch keine Plage. Schwärme von ihnen verderben einem jedes Essen. In Trebnitz versuchen die Menschen gegenzusteuern. Foto: Lenka (Pixabay)

Es sollte eine große Feier zum Siebzigsten meines Mannes werden. Das Wetter spielte auch mit: am 27. Oktober 2024 war es sonnig und fast zwanzig Grad warm. Alles konnte also draußen stattfinden. Eine der Töchter kam aus Leipzig angereist, um ihre wunderbare Profession der edlen kleinen Kuchenbäckerei zu demonstrieren. Drinnen in der Küche wurde bei offener Tür und offenen Fenstern der süße Stoff aber leider zum Anziehungspunkt einer wahren Invasion der Musca domestica – der gemeinen Stubenfliege. So etwas hatten wir noch nicht erlebt!

Vom benachbarten Schloss Trebnitz hörten wir dann ähnliches. Keiner der Gäste konnte dort mehr draußen essen, sofort wäre eine Wolke von Fliegen um sie herum und eben auch auf dem Essen. Immer mehr Stimmen drangen aus Trebnitz: Fliegeninvasion.

Dann kam der Winter 2024/2025 und wir vergaßen die Fliegen. Doch mit den ersten Sonnenstrahlen waren sie wieder da. Schlimmer denn je. Was tun? Morgens vor dem Frühstück erst einmal eine gute Hundertschaft Fliegen erschlagen, bevor der Küchentisch gedeckt werden konnte. Fliegenschutznetze vor allen Hausöffnungen. Alles Essbare nur noch in geschlossenen Schränken aufbewahren, penibel Ordnung und Sauberkeit halten. Gute Nerven waren erforderlich.

Doch es wurde nicht besser. Die Mechaniker der Autowerkstatt wurden schier verrückt, wenn sie unter dem Auto schrauben wollten, aber immer von einer nervenden Wolke Fliegen umschwirrt waren. Die Seminargäste im Schloss Trebnitz reisten vorzeitig ab, weil kein konzentriertes Arbeiten möglich war.

Keine Trebnitzerin und kein Trebnitzer konnte mehr draußen essen, geschweige denn grillen. Immer zum Monatsende, um den 20. herum, wurde es schubweise besonders schlimm. Bei jeder Ortsbeiratssitzung war die Fliegen-Thematik ein wesentlicher Tagesordnungspunkt. Bürgermeister Streichert wollte Kontakt zum Entomologischen Institut vor Ort aufnehmen.

In den umliegenden Dörfern waren natürlich auch Fliegen. Aber eben viel, viel weniger.

Was können Ursachen
für derartige Fliegenplagen sein?

In dem Buch „Stumme Erde“ beschreibt der Insektenkundler Dave Goulson, dass das Insektensterben ja nicht bedeuten würde, dass alle Insekten gleichzeitig sterben würden, sondern einzelne Arten invasiv auftreten werden. Nun, wir alle mähen unsere Rasen schon im April und Mai, so dass alle frühen Insekten, die sich auf Gänseblümchen und Löwenzahnblüten stürzen würden, durchgeschreddert und ihres Futters gleich mit beraubt werden. Alles haben wir gerne jetzt ordentlicher – die Schuppen und alten Ställe hinter den Häusern wurden komplett dichtgemacht, weil keine Rauchschwalben mehr dort einziehen sollen und alles vollkoten. Erst recht nicht die schönen Hauswände durch die Mehlschwalben. Ein Schwalbenpaar verfüttert aber laut NABU so etwa 250.000 Fliegen an den Nachwuchs in einer Saison.

Der Trebnitzer Schlosspark wird durch engagierte ehrenamtliche Einsätze gepflegt: Unterholz wird entfernt, Wege und Grünflächen ordentlich gehalten, was nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Verkehrssicherheit für alle Gäste und Anwohner verbessert. Diese aufgeräumte und gepflegte Parkanlage ist sehr geschätzt – gleichzeitig reduziert sich dadurch allerdings der Lebensraum für manche Insekten und Singvögel, die sonst in dichterem Unterholz brüten würden.

Und im Sommer 2021 wurde im südlichen Teil von Trebnitz der erste Stall mit 12.000 Legehennen des Landwirtschaftsbetriebs Dirk Steinhoff eröffnet. Im Sommer 2022 zogen dann noch weitere 12.000 Legehennen in den nördlichen Bau des Sohnes Carl Steinhoff ein.

Im November 2025 hat sich dann spontan eine Arbeitsgruppe „Fliegen“ nach einer Ortsbeiratssitzung gegründet. Diese trifft sich nun bis jetzt alle zwei Wochen montags in der Remise vom Schloß um 17 Uhr.

Dirk Steinhoff war einmal bei einem Treffen dabei und erklärt, er habe 2025 angefangen, begleitet durch eine Fachfirma, regelmäßig Schlupfwespen in beiden Lege-Anlagen auszubringen. Dieses Jahr wollte er schon Anfang März damit beginnen. Er sponsert überdies jeden Trebnitzer Haushalt bei der Anschaffung von Schwalbennestern mit 20 Euro (gedeckelt bis 2000 Euro). Steinhoffs werden auch an den Stallungen Schwalbennester anbringen. Wobei die Familie Steinhoff immer wieder betont, sich für die Fliegenplage nicht verantwortlich zu fühlen.

Wir als Fliegengruppe intensivieren derweil den Kontakt zum Entomologischen Institut in Müncheberg, um weiter Ursachenforschung zu betreiben. Wir haben mit dem Umweltamt Verbindung. Außerdem sind wir deutschlandweit am Erkunden, wie es um die Fliegenpopulation in anderen Dörfern und Gemeinden mit großen Freiland-Hühnerhaltungsbetrieben steht. Auch schauen wir nach weiteren möglichen Ursachen. Parallel zur Ursachenforschung geht es uns darum, wie wir Fliegen wirkungsvoll vergrämen können. Was lockt sie besonders an? Frostschutzmittel, weiß der Automechaniker. Was mögen sie gar nicht?

Wir bleiben im Austausch und bündeln unser Fliegen-Wissen. Durch den NABU haben wir schon viel über die Ansiedlung von Schwalben gehört und haben für alle Interessierten Informationsmaterial. Öffnen wir wieder unsere Nebengelasse für die Glücksboten!

(Zuerst veröffentlicht in „Kleine Müncheberger Zeitung“ Ausgabe 10, April/Mai 2026)

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