Die künstlich erschaffene, trocken gelegte Region ringt um seine Identität. Dabei geht es um Familiengeschichten, Anpassung, Veränderungen, um den Umgang mit Wasser, Wind, Sonne und Erde. Was macht die Region aus? Ist es die stete Veränderbarkeit an sich? Ein Versuch des Verstehens.
Außergewöhnlicher Einsatz für die Dorfkirche Harnekop
Manchmal entstehen aus kleinen Ideen große Projekte. In Harnekop, einem Ortsteil der Gemeinde Prötzel in Märkisch-Oderland, engagieren sich seit vielen Jahren Bürgerinnen und Bürger mit außergewöhnlichem Einsatz für ihre Dorfkirche. Dabei geht es nicht nur um die Rettung eines historischen Gebäudes, sondern auch um Gemeinschaft, Heimatgefühl und die Bewahrung regionaler Geschichte. Von Simona Koß
Die evangelische Dorfkirche Harnekop gehört zu den ältesten Bauwerken des Ortes. Erste Hinweise auf Harnekop finden sich bereits im Jahr 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. Die Kirche selbst entstand im Kern bereits im Mittelalter als Feldsteinbau. Besonders der Dreißigjährige Krieg hinterließ schwere Schäden. Über die Jahrhunderte wurde die Kirche immer wieder erneuert und verändert.
Doch mit den Jahrzehnten verfiel das Gebäude zunehmend. 1986 musste die Kirche sogar aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Viele Menschen im Ort wollten diesen Zustand nicht akzeptieren und gründeten im August 2010 den Förderverein Dorfkirche Harnekop e. V., um die Kirche zu retten und wieder zum Mittelpunkt des Dorflebens zu machen.
Heute organisiert der Verein Veranstaltungen, sammelt Spenden und wirbt mit viel persönlichem Einsatz für den Erhalt der Kirche. Ziel ist es, die Dorfkirche dauerhaft als geistigen und kulturellen Treffpunkt des Dorfes zu erhalten.
Besonders bemerkenswert ist eine außergewöhnliche Spendenaktion: der sogenannte „Spendenziegel“. Nach Angaben des Fördervereins entwarf Heiner Wohl aus Harnekop eine besondere Ziegelform mit Bibelmotiv. Die Ziegel wurden anschließend in den Stephanus-Werkstätten hergestellt.
Dabei handelt es sich um echte Raritäten. Insgesamt konnten lediglich 50 Exemplare gefertigt werden, weil die spezielle Form nur für diese geringe Stückzahl ausreichte. Mehr Ziegel konnten daher nicht produziert werden. Gerade dadurch besitzen sie heute einen besonderen ideellen Wert.
Einer der ersten Ziegel wurde am 13. Mai 2017 an Karl Voigt zum Frühlingsfest in Harnekop übergeben. Der Erlös aus dem Verkauf kam direkt der Sanierung der Dorfkirche zugute. Die Aktion zeigt eindrucksvoll, wie kreative Ideen und ehrenamtliche Arbeit helfen können, kulturelles Erbe lebendig zu halten.
Die Kirche selbst besitzt zahlreiche historische Besonderheiten. Dazu gehören ein Kanzelaltar aus dem 18. Jahrhundert sowie eine 1907 erbaute Orgel von Gustav Heinze. Durch fehlende Instandhaltung waren viele Bereiche stark beschädigt, doch dank des Fördervereins konnten bereits wichtige Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden.
Harnekop zeigt damit beispielhaft, wie viel ehrenamtliches Engagement bewegen kann. Menschen investieren Zeit, Ideen und Herzblut – nicht aus Pflicht, sondern aus Verbundenheit mit ihrem Dorf und dessen Geschichte. Die Dorfkirche ist dadurch weit mehr als ein altes Gebäude: Sie ist Symbol für Zusammenhalt und gelebte Gemeinschaft.
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