Der Wriezener Sänger und Songwriter macht sich in letzter Zeit ein bisschen rar. Umso schöner, dass er am 6. September in der Stadtpfarrkirche Müncheberg ein Konzert gibt. Weniger Folk als früher, mehr Blues, aber wie immer aus eigenem Kugelschreiber.
„Ede und Unku“ – Lesung, Gespräche und Sinti-Swing
Ein Kinderbuch, die wahre Geschichte dahinter und die persönlichen Erfahrungen eines Mannes, dessen Familie eng damit verbunden ist: In der Dorfscheune Prädikow erlebten die Gäste am Sonnabend einen Abend, an dem Literatur und Musik ebenso ihren Platz hatten wie sehr persönliche Gespräche um Vorurteile und Ausgrenzung. Von Nils Templin
Eingeladen hatte Simona Koß in Zusammenarbeit mit dem Hof Prädikow e. V. Die Veranstaltung bildete zugleich den Auftakt einer neuen Lesereihe rund um „Ede und Unku“.
Zwei Bücher standen dabei im Zentrum. Simona Koß las ausgewählte Stellen aus Alex Weddings Kinderbuchklassiker „Ede und Unku“, an den sich vor allem viele Ostdeutsche noch aus ihrer Schulzeit erinnern. Dem stellte sie Passagen aus „Ede und Unku – die wahre Geschichte“ von Janko Lauenberger und Juliane von Wedemeyer gegenüber.
Die Lesung war bewusst als Einstieg angelegt. Der Abend in Prädikow bildet den Anfang einer Reihe, in der die Geschichte von Ede und Unku ausführlicher beleuchtet werden soll. Fortsetzung findet die Reihe in Wriezen, Buckow, Müncheberg und Podelzig.
Besondere Bedeutung erhielt die Veranstaltung durch Janko Lauenberger. Der Musiker und Autor ist Sinto und über seine eigene Familie eng mit der tatsächlichen Geschichte hinter „Ede und Unku“ verbunden. Im Gespräch beantwortete er Fragen zu seinem persönlichen Leben und seinen Erfahrungen. Dabei ging es um das Leben als Sinto, um Familie und Identität, aber auch um Vorurteile und Ausgrenzung.
Lauenberger erzählte zudem davon, wie er zur Musik fand. So blieb das historische Thema nicht auf die vorgelesenen Buchseiten beschränkt, sondern wurde durch seine persönlichen Schilderungen unmittelbar und gegenwärtig.
Eine wichtige Rolle spielte an diesem Abend deshalb auch die Musik. Die Sinti Swing Band aus Berlin begleitete nicht lediglich den Anfang oder das Ende der Veranstaltung. Schon während der Buchlesung und des Interviews griffen die Musiker immer wieder zu ihren Instrumenten. Lesung, Gespräch und musikalische Einlagen gingen dadurch ineinander über und schufen trotz der teilweise ernsten Themen eine offene und lebendige Atmosphäre.
Im Anschluss folgte ein Konzert der Sinti Swing Band. Damit verwandelte sich der Literaturabend zum Abschluss noch einmal in einen musikalischen Abend, der beim Publikum für Begeisterung sorgte.
Die Pause nutzen viele Gäste nicht nur, um eine der vom Hof Prädikow e.V. angebotenen Suppen zu essen, sondern auch für Gespräche und den Austausch miteinander. Gerade darin zeigte sich, welche Bedeutung Orte wie die DorfScheune für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum haben können: Menschen kommen nicht nur zu einer Veranstaltung, sondern miteinander ins Gespräch.
Und eine Fortsetzung der Begegnung ist bereits geplant. Simona Koß und Janko Lauenberger haben vereinbart, auch künftig zusammenzuarbeiten. Im kommenden Jahr soll Lauenberger erneut zu Gast sein. Dann ist ein Kaminabend vorgesehen, der noch mehr Zeit für persönliche Erzählungen, Gespräche und Fragen aus dem Publikum bieten soll.
Nach dem gelungenen Auftakt in der DorfScheune dürfte die Vorfreude darauf nicht nur bei den Veranstaltern groß sein. Der Abend in Prädikow hat gezeigt, wie sich Literatur, Erinnerungskultur, persönliche Begegnung und Musik auf besondere Weise miteinander verbinden lassen.
Weitere Termine:
Donnerstag, 15.10., um 18 Uhr | Kirche Wriezen, Markt, 16269 Wriezen
Samstag, 17.10., um 19 Uhr | Wohlbehagen Buckow, Wriezener Str. 5, 15377 Buckow
Freitag, 6.11., um 17 Uhr | Gemeinschaftsbüro Müncheberg, Wasserstr. 1, 15374 Müncheberg
Samstag, 21.11., um 15 Uhr | Gemeinschaftszentrum Podelzig, Am Schmiedeberg 15, 15326 Podelzig
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