Abkühlung ist nötig. Und wie! Aber wie?

Dieses Jahr wurden erneut Temperaturrekorde geknackt. Tagelange Hitze ist für einige unangenehm, für andere eine echte Gefahr. Ursachen, Folgen und Auswirkungen sind hausgemacht. Von Juliane Roschitz 

Ein Eis schafft etwas Abkühlung, aber keine Lösung gegen die zunehmenden Hitzewellen. Hitze setzt nicht nur dem Menschen zu. Foto: cgv

Im Juni gab es eine Hitzewelle, die eine bisher unbekannte Größenordnung erreicht hat. 41,8 Grad Celsius in Mitteldeutschland. Und auch die letzten Julitage waren mit über 30 Grad Celsius erneut belastend heiß. Am 19. Juli meldete das Robert Koch-Institut 9800 hitzebedingte Todesfälle seit Jahresbeginn.
Gleichzeitig wird das Gesundheitssystem und die Krankenhauslandschaft umgebaut, Pflege noch schwieriger und für einen zunehmenden Anteil der Menschen finanziell nicht mehr leistbar. Gleichzeitig gibt es eine Abwehr gegen erneuerbare Energien, niemand will sich in seinem Konsumverhalten einschränken, alles soll so bleiben, wie es ist. Eine andere Ernährung, keine Option. Elektrisch Fahren – alles sinnlos. Wer trägt die Konsequenzen? Kinder, Alte, chronisch kranke Menschen, Menschen ohne eigenen Wohnraum, Menschen, die draußen arbeiten, Menschen, die überhaupt arbeiten müssen und keine Möglichkeit haben sich auf ihre Couch oder ihre eigene Insel zurückzuziehen.
Die Ursache für die Hitzewellen liegt in der Tatsache, dass der Ausstoß von Treibhausgasen über der Aufnahmefähigkeit der Natur und Pflanzenwelt liegt und so dafür sorgen, dass die Sonnenstrahlen nicht mehr wie gehabt überwiegend zurück ins All reflektiert, sondern stärker von der Atmosphäre absorbiert werden.  So wird die Luft und die Atmosphäre, folglich das Wasser, die Erde immer weiter erwärmt. Aktuell ist die Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung um 1,4 Grad Celsius gestiegen.
Die Folgen von Hitzewellen sind vielfältig. Hier eine kleine unvollständige Auswahl: Die Arbeitsproduktivität sinkt, die Gesundheitssysteme werden erhöht beansprucht, die Böden trocknen aus, Infrastruktur geht kaputt, die Ernte fällt geringer aus, die Wasserpegel sinken, Tiere verdursten, Fische verenden, Wälder brennen und Menschen sterben.

Hitzeschutz fängt bei Information an.

Hitzeschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Das Land Brandenburg hat einen Hitzeaktionsplan erstellt, der als Grundlage für die Hitzeschutzpläne genutzt werden kann. Dafür sind die Kommunen zuständig. Es sind aber auch Maßnahmen für andere Akteure der Zivilgesellschaft aufgeführt, welche insgesamt funktional und sinnvoll zusammengefügt werden müssen. Dazu braucht es fachkundiges Personal für die Planung und Umsetzung. Also Geld. Geld haben die Kommunen immer weniger oder gar nicht. Zu viele Aufgaben und zu wenig politischer Rückenwind für soziale Themen.
Hitzeschutzmaßnahmen sind sehr vielseitig. Es gibt kurzfristige und langfristige Maßnahmen, informative, vorsorgende, bauliche oder verbindende. Eine Maßnahme ist es, die Menschen zu informieren. Darüber, dass es heiß wird, darüber, wie Körper sich abkühlen und das Wasser trinken wichtig ist. Es geht aber auch um Informationen darüber, wie wir alle aufeinander Acht geben können, welche Anzeichen darauf hinweisen, dass jemand Hilfe benötigt und wo der nächste öffentliche kühle Ort ist, der zur Verfügung steht. Es gibt auch Informationen dazu, welche nicht baulichen Maßnahmen zuhause durchgeführt werden können, um die Hitze draußen zu halten, das der Einkauf möglichst morgens erfolgt, wie richtig gelüftet wird und körperliche Ruhe hilfreich ist. Diese Maßnahmen kosten den Kommunen wenig, sind schnell umsetzbare Hilfe zur Selbsthilfe.

Bäume, kühle Gebäude, klimaangepasstes Bauen

Darüber hinaus gibt es auch Maßnahmen, die langfristig umzusetzen sind. Hier geht es zum Beispiel um bauliche Maßnahmen an Schulen, Verwaltungsgebäuden und anderen kommunalen Gebäuden, aber auch gestalterische Möglichkeiten in Ortskernen, Innenstädten und Marktplätzen. Maßnahmen, die Schatten spenden, Aufheizen vermeiden, kühlen Durchzug ermöglichen.
Das Multitalent ist hier der Baum. Überhaupt Bäume, Bäume, Bäume und Pflanzen sind hilfreich, um Kühlung zu bewirken. Pflanzen an Fassaden, Pflanzen auf Dächern, Pflanzen statt Steine in Vorgärten, auf Plätzen und Wegen. Auch Wasser spielt eine große Rolle. Es verdunstet und kühlt folglich die Umgebung. Wasserspiele auf dem Marktplatz und Trinkwasserspender sind weitere Möglichkeiten, die helfen, die Temperaturen für die Menschen zu ertragen.
Eine weitere Maßnahme besteht darin kühlende Räume zur Verfügung zu stellen. Dabei müssen diese häufig nicht erst gebaut werden oder mit Klimaanlagen nachgerüstet werden. Kirchen und alte Rathäuser sind durch ihr Mauerwerk bereits kühl. Turnhallen, wenn klimatisiert, erlauben einer großen Anzahl an Menschen sich aufzuhalten. Alles was kühler ist, als ein aufgeheiztes Zuhause, und alles was dem Körper die Chance gibt sich abzukühlen hilft, die Zeit unbeschadet zu überstehen.
Perspektivisch wird klimaangepasstes Bauen und Sanieren eine große Rolle spielen. Andere Länder machen es vor. Kluge festverbaute Beschattungen, clevere Lösungen, um die Luftzirkulation zum Kühlen zu nutzen und Begrünungen werden die Zukunft sein. Helle Oberflächen, gute Dämmung hält zudem die Hitze draußen. Alles was wir baulich dafür tun, Wohnraum wohltemperiert zu bekommen, spart erneuten Energieverbrauch für Klimaanlagen und Heizungen.
Baulich ist viel möglich. Auch der Einsatz von Wärmepumpen, Photovoltaik und Photothermie, sowie der Einsatz von natürlichen Baustoffen würde helfen, den Hitzewellen entgegen zutreten. Allerdings sind diese Maßnahmen sehr kostenintensiv, politisch oft verhindert und bisher noch unpopulär. Gerade aber der öffentliche Bereich könnte hier voran gehen und zeigen, dass erneuerbare Energien statt fossiler Treibstoffe, alternative Baustoffe wie Holz, Stroh oder Lehm – die nicht auf CO2-intensiven Zement basieren – helfen, die Hitzewellen langfristig abzumildern und aus den Gebäuden rauszuhalten. Eine weitere langfristige Maßnahme, Hitze und vor allem ihre Folgen in Zukunft abzumildern oder gar zu verhindern, liegt in der Ernährung. Die Herstellung von pflanzlicher Nahrung verursacht sehr viel weniger CO2 als die Produktion von tierischen Lebensmitteln. Vielleicht geht nicht alles, aber vielleicht geht wenigstens etwas davon.

Die Ursachen sind seit 200 Jahren bekannt.

Weigern wir uns weiterhin gewohnte Bau- und Verhaltensweisen anzupassen, sagen wir weiterhin zu allem nein, wird es folglich immer heißer. Das ist wissenschaftlicher Konsens. Der Treibhauseffekt ist seit 1824 beschrieben. 1942 gab es die ersten Wahrnungen vor der menschengemachten Klimaerwärmung.  1992 wurden die ersten völkerrechtlich verbindlichen  Beschlüsse zum Klimaschutz gefasst. 2021 wurde für die Modellierung des Klimawandels der Nobelpreis für Physik verliehen. Die Folgen sind nur noch stärker als prognostiziert.
Durch Dürrephasen begünstigte Waldbrände werden Natur und Äcker zerstören, Feuerwehren fordern, Menschen in Gefahr bringen, Zuhause zerstören. Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere, Kinder, Senioren, Wohnungslose und Menschen, Landwirte, die draußen arbeiten müssen und ihren Arbeitsort und Arbeitsintensität nicht selbst steuern können, sind besonders betroffen.
Es kann uns egal sein, oder eben nicht. Irgendwann sollten wir anfangen, die Zusammenhänge zu begreifen und Wechselwirkungen zu erkennen und danach handeln.

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