ERNAS Unverpackt-Laden auf dem Weg ins Ungewisse

Seit Mai 2022 gibt es in der Strausberger Altstadt den ERNAS Unverpackt-Laden. Ursprünglich als Wirtschaftsunternehmen gegründet, wird er seit dem vergangenem Jahr durch ERNAS Unverpackt e.V. fortgeführt. Am 6. September 2026 fand die erste Jahreshauptversammlung statt. Wie sieht es ein Jahr nach der Gründung des Vereins aus?  Von Christian Göritz-Vorhof

Gut gegen Verpackungsmüll: Ernas Unverpackt-Laden in Strausberg mit Nadine Prädel, Maria Röhr und Yvonne Kahmann. Foto: cgv

ERNAS Unverpackt-Laden in der Strausberger Altstadt wurde 2022 von Heike Danicke und Maria Röhr als Wirtschaftsunternehmen gegründet. Anfang 2025 stand die Zukunft des Ladens trotz treuer Stammkundschaft aufgrund zu geringer Umsätze in den Sternen. Zum Erhalt des Ladens fanden sich am 20. Juni 2025 rund 30 Menschen zusammen, die den Verein ERNAS Unverpackt e.V. gründeten. Am 6. September 2026 fand nach knapp einjährigem Vereinsbetrieb die erste Jahreshauptversammlung statt. Wir sprachen mit Nadine Prädel, eine der Vorständinnen.
Wer steht hinter ERNAS Unverpackt e.V. und was ist das Ziel des Vereins?
Nadine Prädel: Hinter dem Verein stehen 47 Mitglieder, mehrheitlich Frauen aus Strausberg und umliegenden Orten, die das verpackungsarme Einlaufen weiter ermöglichen wollen. Mit einem Mitgliedsbeitrag von 25 Euro, ermäßigt 10 Euro, unterstützen unsere Mitglieder den Erhalt des Ladens durch Übernahme eines Teils der Fixkosten. Darüber hinaus stellen unsere Mitglieder durch ehrenamtliches Mitwirken in Arbeitsgruppen den Betrieb des Ladens sicher. Dabei bringt jede oder jeder eigene Fähigkeiten mit und unterstützt im Rahmen der jeweiligen Ressourcen und übernimmt Aufgabe wie Buchhaltung, Bestellungen tätigen, Verkauf im Laden, Ware nachfüllen. Unser primäres Ziel ist es, verpackungsfreies Einkaufen zu ermöglichen. Uns sind Müllvermeidung, regionale Allianzen und Umweltbilanz wichtig. Mit diesem Antrieb haben sich damals die Mitglieder zusammengeschlossen.
Welche unverpackten Artikel kann man heute im Laden kaufen und wie wird „unverpackt“ verkauft?
Nadine Prädel: Wir bieten Trockenware wie Zucker, Mehl, Nudeln und diverse Flocken. Weiter haben wir Öle, entweder in Mehrwegpfandflaschen oder zum selber abfüllen, Gewürze, Drogerieartikel, Reinigungsmittel ebenfalls zum Abfüllen sowie Getränke, Nüsse, Tee und Trockenobst. Und wir bieten Obst und Gemüse aus regionalem Anbau und damit saisonal an.
Um unsere Waren ohne zusätzlichen Verpackungsmüll zu verkaufen werden diese zum Beispiel in Gläsern oder andere Gefäße abgefüllt und abgewogen. Wir haben dafür auch immer einen Vorrat an Spendergläsern vor Ort. Getränke verkaufen wir nur in Mehrwegpfandflaschen.

Unser primäres Ziel ist es,
verpackungsfreies Einkaufen zu ermöglichen.

In einer Mitgliederversammlung am 3. August wurde eine vorläufige Bilanz zu Einnahmen und Kosten sowie zum erforderlichen ehrenamtliche Engagement gezogen. Ausgehend davon wurden Möglichkeiten diskutiert und ein Vorschlag zum weiteren Vorgehen verfasst. In der Jahreshauptversammlung wurde darüber abgestimmt. Wie soll es demnach mit dem Laden und ERNAS Unverpackt e.V. weitergehen?
Nadine Prädel: Der Plan, die Fixkosten über Mitgliederbeiträge und Einnahmen reinzubekommen, ist zu sehr auf Kante genäht. Und dem Druck weiter wachsen zu müssen, wollen wir uns nicht weiter aussetzen. Die anwesenden Mitglieder haben daher einstimmig beschlossen, dass wir nach neuen Räumlichkeiten suchen (Anm. d. Red.: Damit soll der derzeit größte Fixkostenanteil, die Mietkosten, reduziert werden). Weiterhin soll der Fokus beim Verkauf auf den eigenen Mitgliedern liegen, dass diese unverpackt einkaufen können. Gleichzeitig soll es weiter offen bleiben für Interessierte und natürlich für neue Mitglieder. Dies aber ohne den Hauptfokus auf ein offenes Landegeschäft zu legen, dass an festen Tagen geöffent haben muss, um sich zu rentieren. Die Ausgestaltung wird sich dabei nach den Begebenheiten der neuen Räumlichkeiten richten, ob eine Verkaufstheke vorhanden ist und ein Vorführverkaufsraum Platz hat.
Auf jeden Fall bleibt, dass wir autonomes Einkaufen für unsere Mitglieder ermöglichen wollen, damit diese nicht auf Öffnungszeiten angewiesen sind. Dies setzt Einweisungen in unser Kassenwesen voraus. Dazu läuft gerade eine Testphase bei uns. Bisher haben wir noch kein neues Objekt gefunden. Dieses muss Platz für unsere Ziele beinhalten, die neben dem Verkauf auch Umweltbildung beinhaltet.
Den Punkt Umwelt und Umweltbildung aufgreifend. Neben der Vermeidung von Verpackungsmüll hat dies weitere Aspekte wie die Regionalität der Lebensmittel. Gibt es bereits regionale Partner mit denen ERNAS zusammenarbeitet?
Nadine Prädel: Ja, für den Betrieb kooperieren wir bewusst und wo es möglich ist mit regionalen Anbieter:innen und Betrieben. Dazu gehören: die Bergschäferei aus Waldsieversdorf, Eggersdorfer Honig, die Imkerei Lahres und der Liebenhof in Garzau, die Oekoloea in Klosterdorf, Obstgut Frank Müller in Wesendahl und die Ölmühle Bio Sunt in Prötzel. Unser Ziel ist es auch bei den Getränken, die wir noch nicht alle aus der Region beziehen, möglichst auf lokale Erzeuger umzusteigen.
Kontakt: https://ernas-laden.de

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