Am Sonntag, den 26. September fand jetzt der erste CSD in Strausberg statt. Unter Polizeischutz, aber ungestört. Rund 250 Teilnehmende pochten auf ihr Recht, als normal betrachtet zu werden.
„Endlich normale Leute“ - Erster CSD in Strausberg
Am Sonntag, den 26. September fand jetzt der erste CSD in Strausberg statt. Unter Polizeischutz, aber ungestört. Rund 250 Teilnehmende pochten auf ihr Recht, als normal betrachtet zu werden. Von Christian Göritz-Vorhof
Rund 250 Menschen folgten dem Aufruf zum ersten Strausberger „Christopher Street Day“ (CSD) am Samstag, den 26. September. Initiiert wurde die Demonstration für mehr Sichtbarkeit und für die Rechte der queeren Gemeinschaft von einem Bündnis aus Grüner Jugend Märkisch Oderland, Die Linke Strausberg und dem Offenen MOL. Die Polizei sicherte die friedliche und bunte Veranstaltung. Der Demonstrationszug startete am Landsberger Tor mit Redebeiträgen und zog mit mehreren Stopps und weiteren Redebeiträgen auf der Großen Straße durch die Altstadt. Menschen aus der queeren Gesellschaft schilderten dabei, wie sie in der Vergangenheit für ihre Identität angefeindet und herabgewürdigt wurden. Ihre Forderungen nach Akzeptanz als „normale Menschen“ fand mit lautem Beifall starken Zuspruch. Wer denn festlege, was „normal“ sei, wurde von einem der jungen Redner angemahnt.
Beim CSD wird weltweit für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transmenschen, queere sowie intergeschlechtliche Menschen (LGBTQI) gekämpft.
Mit der Bezeichnung CSD wird an die ersten Proteste bzw. Aufstand von Homosexuellen und anderen queeren Minderheiten gegen Polizeiwillkür in den USA Bezug genommen und erinnert. Dieser Aufstand fand am 28. Juni 1969 in der Christopher Street in New York statt.
Homosexualität war damals in den USA wie in vielen Ländern, darunter auch in beiden deutschen Staaten, strafbar. Der entsprechende Paragraph im deutschen Strafgesetzbuch (§ 175 StGB) existierte seit dem 1. Januar 1871 und wurde unter den Nationalsozialisten verschärft. Bis 1969 hatte der §175 in der Bundesrepublik in der verschärften Form Bestand. In dieser Zeit wurden 140.000 Männder nach den verschiedenen Fassungen verurteilt. In der DDR wurde 1950 zur alten Fassung zurückgekehrt und Homosexualität unter Erwachsenen nicht mehr bestraft. In der Bundesrepublik wurde erst mit Reformen 1969 und 1973 Homosexualität unter Erwachsenen entkriminalisiert. Gänzlich abgeschafft wurde der § 175 StGB erst 1994 nach der Wiedervereinigung.
Oftmals stellt sich mir die Frage,
Ob ich hier wirklich stehen darf.
Wenn es mir doch niemals dazu kam,
dass man mir Hass entgegen warf.
Ich brauchte nie ein Coming-Out,
Habe mich nie verstecken müssen.
Vor meinen Eltern durfte ich stets,
egal welchen Partner küssen.
Für mich hat sich nichts verändert,
Darin wie ich mich selber sehe.
Das Bild ist nur ein bisschen klarer,
wenn ich vor dem Spiegel stehe.
Doch dann muss ich auch daran denken,
Dass nicht jeder mein Glück hat.
Für manch‘ Familie ist das Queersein,
am Stammbaum ein riesen Verrat.
Zu viele müssen sich verstecken,
weil sonst nur Fluch und Häme kommen.
Zu viele von uns wird die Chance,
Auf Glück, Liebe und Schutz genommen.
Nicht mal im Tod haben wir Frieden,
Und dürfen der Opfer gedenken,
Stattdessen folgt Zerstörungswut,
An Gedenk-Bäumen und -Bänken.
Für all jene unserer Geschwister,
Mit Angst darum, wer sie nun sind,
Für jeden von uns, der Hass erfährt,
Vom ältesten zum jüngsten Kind.
Kämpfen wir heut‘ und für immer,
– und sei’s noch ein Jahrtausend hin –
Damit ein jeder nach uns sein darf,
Wie auch ich sein darf, wer ich bin.
Vorgetragen am 26. September beim CSD von Jonathan Köhler.
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