„Sich über die Bahn aufzuregen, nützt nichts. Wir wollen etwas ändern!“

Verspätungen, Zugausfälle, Fahrtunterbrechungen – wer regelmäßig mit der S5 zwischen Strausberg Nord und Berlin Westkreuz fahren muss, kennt das ganze Drama. Tobias Rohrberg und Rüdiger Haas machen regelmäßig ihre eigenen Erfahrungen auf der Strecke. Sie haben jetzt eine Online-Petition gestartet, die Abhilfe fordert. Von Steffen Blunk

Tobias Rohrberg (links) und Rüdiger Haas kennen das Chaos entlang der S5 und starteten deshalb die Petition "Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S5 sicherstellen".
Tobias Rohrberg (links) und Rüdiger Haas kennen das Chaos entlang der S5 und starteten deshalb die Petition „Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S5 sicherstellen“.

Verspätungen, Zugausfälle, Fahrtunterbrechungen – wer regelmäßig mit der S5 zwischen Strausberg Nord und Berlin Westkreuz fahren muss, kennt das ganze Drama: Diese Linie ist im Berliner Vergleich die unzuverlässigste Strecke überhaupt: 2024 verzeichnete die S-Bahn Berlin GmbH 151 Gesamtausfälle und 178 Teilausfälle – pro Woche! Wer dann von Strausberg Nord gar weiter Richtung Wriezen will, verpasst oft seinen Anschluss und wartet auf den nächsten Bus, der nur stündlich fährt.

Zeit etwas dagegen zu unternehmen. finden Rüdiger Haas und Tobias Rohrberg. Die beiden starteten im Mai die Online-Petition „Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S5 sicherstellen“. Der Handlungsbedarf entstand aus regelmäßigem Austausch über eigene Erfahrungen: „Wir reden immer wieder über die Probleme mit der S-Bahn“, sagt Rohrberg im Gespräch mit dem BLICK. Beide kommen aus Petershagen-Eggersdorf und beide sind auf die Bahn angewiesen. Rohrberg pendelt regelmäßig nach Berlin, Haas nutzt die Bahn mindestens zweimal pro Woche, um nach Spandau zu kommen. „Aber nur auf dem Balkon sitzen und sich über die Bahn aufzuregen, nützt nichts. Wir wollen etwas ändern!“

Um aber etwas zu erreichen, brauchen sie möglichst breite Zustimmung aus der Bevölkerung, so Rohrberg. Eine Online-Petition schien beiden die niedrigschwelligste Möglichkeit zu sein, Menschen zu mobilisieren und so gegenüber der Politik und der Bahn stark auftreten zu können.

Zentrale Lebensader für Märkisch-Oderland
befördert täglich 35.000 Menschen

Tatsächlich ist die Linie S5 eine zentrale Lebensader für Märkisch-Oderland. Rund 35.000 Menschen sind auf der Strecke täglich unterwegs, um zu Arbeit, Terminen oder Schule zu kommen. Die S-Bahnstationen im Landkreis sind stark frequentiert: Im Strausberg Nord steigen jeden Wochentag (außer in den Ferien) 2900 Menschen ein oder aus, in Strausberg Stadt 4300, in Strausberg schon 5300. Der meistfrequentierte Bahnhof ist Hoppegarten mit rund 6400 Zu- und Aussteigern täglich. Und gerade die Pendlerinnen und Pendler aus dem Berliner Umland sind durch die Unzuverlässigkeit der Bahn besonders betroffen: Denn gern und oft unerwartet lässt die Bahn die S5 aus Berlin kommend schon in Mahlsdorf enden. Manchmal können Fahrgäste problemlos in einen Anschlusszug auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig umsteigen, doch wenn die S5 schon mit mehr als drei Minuten Verspätung in Mahlsdorf ankommt, sieht man von der Anschlussbahn nur noch die Rücklichter. Dann heißt es warten.

Der Grund, warum die Züge in Mahlsdorf enden, könnte ein fragwürdiger sein: Bei Nichterfüllen vertraglich vereinbarter Leistungen muss die S-Bahn Strafen zahlen. Diese sind jedoch in Berlin durch das komplexere, längere Netz höher als in Brandenburg. Für die Bahn könnte es sich also finanziell lohnen, die Brandenburger Pendler zu verprellen: Sie nimmt die Strafen in Brandenburg in Kauf, verhindert oder mindert so in Berlin die höheren Strafzahlungen, indem durch das Einsparen der letzten Kilometer außerhalb Berlins die Pünktlichkeit innerhalb der Hauptstadt erhöht werde. Rohrberg betont jedoch, dass das nur eine Vermutung sei, über die man nach Petitionsübergabe gern mit den Verantwortlichen aus Politik, VBB und S-Bahn reden würde. Den Preis für diesen betriebswirtschaftlichen Vorteil zahlen die Pendler in Brandenburg, die keine Alternativen wie Bus, U-Bahn oder Straßenbahn zur S-Bahn haben – sie können lediglich auf das Auto umsteigen. Hier sehen die beiden Petenten ihren vielleicht wichtigsten Ansatzpunkt für Verbesserung, nämlich die Kundenzufriedenheit über den kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Vorteil zu stellen.

Kommunikation in der Kritik – Verbesserungsbedarf
bei Durchsagen und Anzeigen

Ein weiterer Punkt, den die Petenten gern verbessert sehen möchten, ist die mangelnde Kommunikation. „Viel Frust entsteht dadurch, dass Fahrgäste nicht richtig informiert werden“, so Rohrberg, das gehe aus vielen Kommentaren hervor, die Haas und Rohrberg über die eigens eingerichtete Website und über die Onlinepetition erreichen: „Wenn beispielsweise eine S-Bahn auf einem anderen Gleis fährt, als angegeben. Dann erhöht sich der Frust noch viel mehr.“ Und wenn es externe Betriebsstörungen gibt, sei es auch hilfreich, wenn man als Fahrgast erfährt, warum die Weiterfahrt sich verzögere.

Apropos externe Betriebsstörungen: Diese sollten nach Vorstellungen der Petenten minimiert werden, wo es nur geht: „Es gibt immer wieder Betriebsstörungen, die durch vergleichsweise geringen Aufwand abgestellt werden könnten. Wir haben in Hegermühle beispielsweise immer wieder Personen auf dem Gleis, weil diese nicht die Unterführung nutzen – hilft da nicht einfach ein Zaun? Da könnte man vielleicht mehrere Ursachen entlang der Strecke identifizieren, die mit relativ günstigen Maßnahmen abgestellt werden könnten.“

Wie leicht Haas und Rohrberg Politiker aus Brandenburg und Berlin, sowie Vertreter von VBB und S-Bahn an einen Tisch bekommen, um mit ihnen über die S5 zu diskutieren, dürfte nicht unwesentlich davon abhängen, wie erfolgreich die Petition am Ende sein wird. Zum jetzigen Zeitpunkt haben rund 1500 Menschen die Petition unterschrieben, die sowohl bei change.org als auch bei openPetition veröffentlicht ist. Sie kann noch bis 17. November 2026 unterschrieben werden.

Zahlen & Fakten

Die S5 befördert täglich rund 35.000 Menschen aus Märkisch-Oderland nach Berlin und zurück.

Die Ausfallquote der S-Bahnlinie 5 liegt bei 13 Prozent und markiert damit einen negativen Spitzenwert im Berliner S-Bahn-Netz.

7852 Fahrten fielen im Jahr 2024 komplett aus. Das sind wöchentlich 151 Fahrten.

Weitere 9272 Fahrten fielen 2024 teilweise aus. Das sind jede Woche 178 Fahrten.

Die häufigsten Ursachen für Zugausfälle des gesamten S-Bahnnetzes waren 2024 Streiks (24,8 Prozent), sogenannte behördliche Maßnahmen (14 Prozent), Triebfahrzeugstörungen (9,7 Prozent), Leit- und Sicherungstechnik (7,4 Prozent) und Fremdeinwirkung (6,1 Prozent).

Triebfahrzeugstörungen waren aber die häufigste Ursache für Verspätungen (17,1 Prozent).

Zurück zur S5: Auf den ersten Blick fuhr sie 2024 – wenn sie überhaupt fuhr – pünktlicher als andere Linien. Ihre Quote lag bei 94,9 Prozent, zehn der 16 Berliner Strecken hatten einen schlechteren Wert.

Aber Verspätungen werden erst ab der vierten Minute registriert. Alle Verspätungen unter vier Minuten nehmen zwar die Pendlerinnen und Pendler wahr, in die Statistik fließen diese aber nicht ein.

Links zur Petition

Die Petition kann auf zwei verschiedenen Onlineplattformen gezeichnet werden. Wichtig ist es aber, nur einmal zu unterschreiben:

https://www.openpetition.de/petition/online/berlin-brandenburg-zuverlaessigkeit-und-puenktlichkeit-der-s5-sicherstellen

https://www.change.org/p/zuverl%C3%A4ssigkeit-der-s-bahn-linie-s5-sicherstellen

Zudem gibt es eine Website, auf der Tobias Rohrberg und Rüdoger Haas weitere Informationen anbieten:

https://mobil-in-mol.de/

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