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Die Stimme der Dörfer verlangt nach Gehör
Am 6. Juni 2026 traf sich das „Parlament der Dörfer“ am Seddiner See. 130 Menschen und Initiativen, Dorfbewohner und Lokalpolitikerinnen arbeiteten ihre Forderungen aus, fügten sie zusammen und und übergaben sie als Deklaration an die Landesregierung. Von Juliane Roschitz
Alle zwei Jahre bündelt das Parlament der Dörfer Arbeitsergebnisse der Dorfbewegung Brandenburg, finalisiert diese und übergibt eine Forderungsliste an die Landesregierung. 2026 geht es um lebendige Demokratie auf dem Land, Begegnungsorte im Dorf, erneuerbare Energien, engagierte junge Menschen in ländlichen Räumen und Gesund altern.
Für eine lebendige Demokratie auf dem Land fordert das Parlament Orte und Möglichkeiten, die Begegnung möglich machen. Menschen in ländlichen Räumen müssen sichtbarer werden, gehört werden, mitbestimmen. Deshalb fordert die Deklaration offene Treffpunkte, starke Vereine und Mitgestaltungsmöglichkeiten. Die Landesregierung soll sich zu ihren eigenen Vorhaben wie Bürgerdialoge, Stärkung des Ehrenamts, zum Bürokratieabbau und zur Unterstützung sozialer Orte im ländlichen Raum bekennen. Sie soll niedrigschwellige Fördermöglichkeiten zur Verfügung stellen, Vereine und Initiativen unterstützen und damit echte Räume für den Austausch zwischen Politik und Bürger:innen ermöglichen. Erfolge und Gelungenes brauchen mehr Sichtbarkeit und Bekanntheit.
Eine weitere Forderung ist, dass Rechtsgrundlagen in Bezug auf Neutralität und Amtspflicht verbindlich und nachvollziehbar zu (er)klären sind. Es braucht praxisnahe, verständliche Erklärungen und eine Beratungsstelle für Rückfragen für die Ehrenamtlichen. Ortsbeiräte brauchen Befugnisse, Mitbestimmungsrechte und Budget. Ebenfalls wird gefordert, dass sich die verantwortlichen Politiker:innen auf zu jenen bekennen, die sich demokratische engagieren. Dies beinhaltet die Forderung, Förderprogramme wie „Demokratie Leben“ fortzuführen und nicht abzuwickeln.
Ein Appell an die Landesregierung ist: „Gehen Sie stärker in die Dörfer, hören Sie selbstkritisch zu und nehmen Sie die Menschen ernst. Fördern Sie den Pragmatismus und den Zusammenhalt, die das Leben auf dem Land tragen. Demokratie lebt nicht allein in Institutionen – sie lebt dort, wo Menschen sich begegnen, einmischen und gemeinsam Zukunft gestalten.“
Orte, an denen Menschen sich begegnen.
Ländliche Räume, Dörfer, Siedlungen – die Menschen die hier leben, wollen aktiv ihr Umfeld gestalten. Die finanziellen und gestalterischen Möglichkeiten sind begrenzt. Orte, an denen sich Menschen begegnen können sind kaum vorhanden. Es braucht wieder mehr soziale Infrastruktur, Treffpunkte, soziale und kulturelle Ankerpunkte, einen Gegenpol zu einer immer stärkeren digitalen Kommunikation darstellen. Es braucht Vereine, Dorfkirchen, Friedhöfe oder Dorfgemeinschaftshäuser. Und es braucht einen Sozialraumschutz für die Gemeinschaften und die Einbeziehungen der Ortsbeiräte bei Veränderungen oder Schließungen. Es sind Folgen abzuschätzen und Alternativen zu erwägen, Finanzierungsmöglichkeiten sind kreativ zu gestalten. Eine Daseinsvorsorge, die das HIERSEIN sichert, ist Pflichtaufgabe. Engagement und Ehrenamt sollen mehr unterstützt werden. „Das Ehrenamt braucht das Hauptamt, um Begegnungsorte professionell führen zu können. Kommunen, Land und Bund sind aufgerufen, mit dem Menschen vor Ort ländliche Räume gemeinsamen zu gestalten.“
Die Erneuerbaren Energie beschäftigen die ländlichen Räume. Das Land stellt die Flächen, profitieren tun andere. Das muss sich ändern. Die Kommunen brauchen mehr personelle und fachliche Kapazitäten, müssen stärker darin unterstützt werden, die Energiewende umzusetzen, den Wind- und Solareuro transparent zu kontrollieren und sicherzustellen, dass die Einnahmen bei der Kommune landen. Auch die direkte Bürgerbeteiligung muss gestärkt, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sichtbarer gemacht werden. Es braucht Regionalstromtarife, damit die Nachteile der Menschen vor Ort ausgeglichen werden.
Junge Menschen brauchen mehr niedrigschwellige soziale, kulturelle Bildungs- und Beteiligungsangebot, schulisch und außerschulisch und vor allem in den ländlichen Räumen, die zu den regionalen Bedingungen und Herausforderungen passen. Die Finanzierung für Kinder- und Jugendarbeit muss bedarfsorientiert sein und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen muss endlich umgesetzt werden. Auch umgesetzt werden muss der Kinder- und Jugendschutz und ein verfügbarer und nutzbarer ÖPNV auch außerhalb der Schulzeit.
In ländlichen Räumen gesund altern ist möglich, wenn die ärztliche Grund- und Facharztversorgung auf dem Land sichergestellt ist, wenn der Pakt für Pflege, insbesondere die Pflege vor Ort im Landespflegegesetz festgeschrieben und verstetigt wird, wenn eine etablierte Altenhilfe auf Gemeindeebene und ein Pflegenetzwerk vorhanden sind. Es braucht eine inklusive sozialräumliche Gesundheitsförderung und generationsübergreifende soziokulturelle Prävention – dauerhaft finanziert und als kommunale Regelaufgabe. Auch braucht es Präventionsstrukturen für Senior:innen. Diese sind wesentliches Standbein der Gesundheitsversorgung der Kommunen. Gesund und versorgt altern in ländlichen Räumen braucht dezentrale generationsübergreifende und barrierefreie Wohnangebote. Um diese zu erschaffen braucht es bessere Rahmenbedingungen von Land und Bund. Und auch im Alter braucht es Erwachsenenbildung vor allem für ländliche Räume.
Zahlen & Fakten
In Märkisch-Oderland leben knapp 200.000 Menschen in acht Städten und 37 Gemeinden. Diese sind in sechs amtsfreie Städte, sechs amtsfreie Gemeinden und sechs Ämter (mit vier bis sieben Gemeinden) strukturiert. Circa 66.000 Menschen leben in Orten mit weniger als 5000 Einwohnerinnen und Einwohnern – der Großteil davon im Oderbruch.
Zur Dorfbewegung
Der vollständige Deklarationstext an die Landesregierung ist auf der Website der Dorfbewegung veröffentlicht:
Parlament der Dörfer
Artikel aus Ausgabe 3/26:
https://mol-blick.de/parlament-der-doerfer-menschen-beleben-ihre-orte-neu/
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