E-Mobilität in Märkisch-Oderland: Alternative oder Träumerei ?

Vor 127 Jahren erreichte erstmals ein Automobil mehr als 100 Stundenkilometer Geschwindigkeit. Es war ein E-Mobil. Und heute ist sauberes Autofahren immer noch eine Träumerei? Oder doch eine echte Alternative? Von Christian Göritz-Vorhof

Entspannt laden: sieben Ladepunkte hat das STIC zur Zeit, zehn weitere kommen hinzu. Davon sind fünf für die Öffentlichkeit bestimmt. Foto: cgv

Mit dem Thema E-Mobilität beschäftigen sich zunehmend mehr Menschen. Auch die STIC Wirtschaftsfördergemeinschaft des Landkreises Märkisch-Oderland hat sich des Themas angenommen. Mario Hofmann, der den Bereich Energie-Klimaschutz-Innovation verantwortet, gibt einen Überblick über die Entwicklung der E-Flotte des STIC.

Das erste vollelektrisches Fahrzeug wurde 2018 angeschafft. Zuvor gab es einen PlugIn-Hybrid, also ein Fahrzeug mit Elektromotor mit relativ kleinem Akku für begrenzte Fahrstrecken und Verbrennermotor für längere Strecken. Laut Hofmann ist ein Hybrid die schlechteste Option im Sinne der Energieeffizienz, weil das Gewicht beider Antriebsarten im Auto steckt und immer mitfährt.

2018 wurde dann mit einem BMW i3 der Schritt hin zum reinen Elektroantrieb gemacht. Der i3 kam in der Version mit Range-Extender mit einem zusätzlichen kleinen Verbrennungsmotor und Benzintank, um im Falle eines leeren Akkus diesen damit unterwegs laden zu können.

Entgegen allen Bedenken wurde das Notstromaggregat jedoch nie benötigt. Dafür mussten jedoch extra Wartungsfahrten für den Range-Extender eingelegt werden. „Die Bedenken, irgendwo liegenzubleiben, haben sich bei den Kollegen Stück für Stück abgebaut“, so Hofmann.

Dass die Bedenken für Fahrten im Raum des Landkreises unbegründet sind, konnte Hofmann bereits 2023 anhand der Erfahrungen mit einer dann schon drei Fahrzeuge umfassenden kleinen Flotte datengestützt zeigen. In dieser Zeit wurden über mehrere Jahre alle Fahrten und Ladevorgänge in Fahrtenbüchern dokumentiert. Daraus ging hervor, dass über 90 Prozent der täglichen Fahrstrecke deutlich unter den Reichweiten der Fahrzeuge blieben. Damit war die Notwendigkeit unterwegs nachzuladen selbst mit der damals noch geringeren Reichweite eine Ausnahme.

Parallel ging der Ausbau der Ladeinfrastruktur los. 2018 war diese im Landkreis noch relativ dünn und nur wenige Ladestationen vorhanden. Im November 2019 existierten 17 Ladestationen mit insgesamt 32 Ladepunkten. Um den Ausbau voranzutreiben, hat sich der Landkreis ebenfalls eingebracht. Mit dem Projekt „Ladesäulen für das Oderbruch“ wurden 2022 an fünf Orten zehn weitere Ladepunkte errichtet. Nach derzeitigem Stand (Ladesäulenkarte Bundesnetzagentur) sind 131 Ladestationen mit 254 Ladepunkten im Landkreis vorhanden. Darunter an Super- und Baumärkten, Parkplätzen, bei Schnellrestaurants und Tankstellen.

Für die Flotte des STIC sind diese mittlerweile aber weniger relevant, da auf dem Gelände ebenfalls Ladesäulen errichtet wurden. „Dabei ist es immer darum gegangen, auf dem Stand der Technik zu sein, die neueste Technik auch zu kennen, um die Expertise für Beratungen zu erwerben“, so Mario Hofmann. Zu den derzeitigen sieben Ladepunkten auf dem Gelände des STIC sind zehn weitere geplant, fünf davon für die Öffentlichkeit.

„Auch bei den Mitarbeitern haben die elektrischen Antriebe überzeugt. Ein Viertel fährt bereits elektrisch, fast alle wollen beim nächsten Fahrzeugwechsel auf ein Elektrofahrzeug umsteigen“, fasst Hofmann die Entwicklung zusammen.

Der lange Siegeszug
der E-Mobilität

Das erste Elektro-Straßenfahrzeug wurde der Öffentlichkeit 1881 auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris vorgestellt. Das erste elektrische Schienenfahrzeug gab es jedoch schon 1835, entwickelt von dem US-Amerikaner Thomas Davenport – aber zurück zur Straße! 1885 also war es ein dreirädriges Fahrrad zur Erprobung von Elektromotoren, es fuhr 12 km/h und hatte eine Reichweite von bis zu 26 Kilometern. Entwickelt wurde es vom Franzosen Gustave Trouvé.

Nur ein Jahr später folgte der erste elektrisch angetriebene Kutschenwagen von Werner von Siemens – der O-Bus war geboren. 1898 wurde mit 62,78 km/h der erste Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. Am 29. April 1899 durchbrach der E-Rennwagen La Jamais Contente mit einer Spitzengeschwindigkeit von 105,88 km/h erstmals die 100 km/h Marke. Ein Jahr später stellte Ferdinand Porsche in Paris sein Elektroauto mit zwei jeweils 2,5 PS starken Elektromotoren als Radnarbenmotor. Er setzte neue Maßstäbe.

Gleichzeitig erfolgten Fortschritte bei der Batterietechnik. So wurden bereits damals Reichweiten von bis zu 80 km erreicht. Von da an waren die elektrischen Fahrzeuge – vorerst – nicht mehr aufzuhalten. 1912 erreichte der Absatz von Elektrofahrzeugen den Höhepunkt. Im größten Absatzmarkt, den Vereinigten Staaten, fuhren 34.000 Elektrofahrzeuge mit mehr als 100 Kilomtern Reichweite.

Fun fact: 1912 waren 38 Prozent aller Amerikanischen Autos Elektromobile, nur 22 Prozent hatten einen Verbrennungsmotor. Und die anderen 40 Prozent? Fuhren mit Dampfantrieb.

Die Kehrtwende wurde von einer Erfindung des Amerikaners Charles F. Kettering eingeleitet: Er erfand den elektrischen Anlasser für Verbrennungsmoteren und machte so das schwergängige Ankurbeln überflüssig. Zudem sanken die Ölpreise, die Reichweite von Verbrennern wurde größer. Batterietechnik und mangelnde Ladeinfrastruktur führten zu einem rasanten Abschwung, bis 1990 fristeten E-Autos nun ein Nischendasein.

Ausgelöst durch den Golfkrieg, der erneuten Ölkrise in den 1990er Jahren, wuchs der Wunsch nach Unabhängigkeit und Preisstabilität. Auch erwachte ein Bewusstsein dafür, dass das Verbrennen fossiler Brennstoffe die Temperatur auf der Erde erhöht und die Folgen spürbare Konsequenzen für die Menschen hat. Letztlich aber ist die Effizienz der elektrischen Antriebe konkurrenzlos und so rückten sie aus der Nischennutzung wieder in den Fokus und wurden zur echten Alternative zum Verbrenner und anderen Antrieben.

Die Entwicklungen führten zu mehreren Kleinserienproduktionen. 1997 begann Toyota mit dem Prius das erste Großserienmodell, noch mit Hybridantrieb. Der Markeintritt von Tesla 2008 mit dem Roadster und 2012 mit dem Modell S änderte die Situation. Beide wurden durch hohe Fahrleistungen und Reichweiten sowie mit dem durch Tesla eigens ausgebauten und betriebenen Netz an Schnellladestationen langstreckentauglich. In den Jahren ab 2009 brachten weitere Autohersteller nach und nach eigene Elektroautos in Großserien auf den Markt.

Im April 2026 hatte jedes vierte neu zugelassene Auto in Deutschland einen reinen Elektroantrieb: insgesamt 64.350 Fahrzeuge oder 25,8 Prozent. Von Januar bis April 2026 waren es 223.900 Elektroautos, im Vorjahreszeitraum lediglich 158.500 Fahrzeuge (Quelle KBA). Weitere 39,2 Prozent wurden als Hybride und nur noch 33 Prozent als reine Verbrenner (Benzin und Diesel) neu zugelassen. Dies ist gegenüber dem Vorjahreswert eine Zunahme von 41 Prozent.

Der Trend zum E-Auto ist auch weltweit festzustellen. 2025 wurden mehr als 20 Millionen elektrische Fahrzeuge (reine E-Autos und Plug-In-Hybride) verkauft und somit knapp jedes fünfte Auto. 2017 hatte der Anteil noch nur eines von 70 verkauften Autos betragen.

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