Seit 34 Jahren produziert Allresist hochspezialisierte Prozesschemikalien. Seit 1999 ist das Familienunternehmen in Strausberg angesiedelt. Das Unternehmen ist auf Wachstumskurs und wurde für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. Kann Nachhaltigkeit ein Erfolgsrezept sein?
Innenstadthandel: Zeiten werden nicht leichter
Dem Einzelhandel geht es schon lange nicht mehr besonders gut. Eine der wesentlichen Ursachen ist der Online-Handel, fast alles lässt sich schnell und oft billiger online bestellen. Wie geht es einem Einzelhändler, der seit 20 Jahren ein Sportfachgeschäft führt? Ein Interview mit Karsten Jodl. Von Christian Göritz-Vorhof
Welches Warenangebot decken Sie mit Ihrem Sortiment ab?
Jodl: Im Geschäft biete ich ein Vollsortiment im Sport. Das heißt für Laufen, Schwimmen, Ballsportarten, Wandern und Wintersport biete ich Bekleidung, Schuhe und Sportausstattungen an.
Wie hat sich die Lage in den letzten Jahren für sie entwickelt und wie stellt sich diese für Sie aktuell dar?
Jodl: Seit der Corona-Krise hat sich das Geschäft tendenziell nach unten entwickelt.
Worin sehen Sie die Ursachen hinter den schwindenden Verkaufszahlen?
Jodl: Seit Corona haben mehr Menschen online bestellt. Die folgenden Energiekrisen haben die Menschen dann noch dazu veranlasst, nicht zwingend nötige Ausgaben zu reduzieren, um die gestiegenen Energiekosten ausgleichen zu können.
Onlinehandel ist eine der wesentlichen Ursachen, warum der Einzelhandel leidet. Viele Einzelhändler sehen eine Chance darin, selbst in den Onlinehandel einzusteigen. Ist das auch für Sie eine Perspektive?
Jodl: Ich habe einen möglichen Einstieg in das Onlinegeschäft schon durchgespielt und bin zum Entschluss gekommen es nicht zu tun.
Ihr Geschäft liegt bei Kaufland und ist aus Strausberg und über die Garzauer und Hohensteiner Chaussee auch aus dem Umkreis gut erreichbar. Nutzt Ihnen die Lage oder schadet es, weil Kaufland Billigprodukte im Bereich Sport anbietet?
Jodl: Dazu möchte ich mich nicht äußern.
Sie sagten, Sie bieten auch Artikel für Wintersport an. Hat sich der letzte Winter mit einer längeren Frostperiode auf die Geschäftszahlen ausgewirkt?
Jodl: Ja, in der Tat, durch den kalten Januar war das Wintergeschäft besser als in den letzten Jahren. Da der Straussee diesen Winter wieder zugefroren war, wurden u.a. Schlittschuhe nachgefragt. Solche Winter waren in den letzten Jahren selten und damit auch das Wintergeschäft in den letzten Jahren schlecht.
Macht sich der anstehende Sommer bereits auf Verkäufe bemerkbar?
Jodl: Nein. So lange das Strausbad in Strausberg nicht eröffnet, sehe ich da auch keine positive Entwicklung.
Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern, damit der Einzelhandel, Ihr Geschäft wieder bessere Perspektiven hat?
Jodl: Die Energiekosten müssen sinken. Zum einen sind die eigenen Energiekosten für das Geschäft eine finanzielle Belastung, zum anderen wirken sich diese aufs Kaufverhalten mit Kaufzurückhaltung aus.
Wie geht es für Sie weiter? Werde ich auch in drei Jahren noch meine Laufschuhe bei Ihnen kaufen können?
Jodl: Darauf kann ich und möchte daher an dieser Stelle keine Prognose abgeben.
Hintergrund
Entwicklung des Einzelhandels
(jro) Die letzte Einzelhandelserfassung für Berlin-Brandenburg stammt aus dem Jahr 2022, darauf beziehen sich also die folgenden Zahlen. Eine Verbesserung dürfte seitdem kaum eingetreten sein. Hier einige Kernaussagen der Erfassung:
- Der Einzelhandel hat sich seit 2015/16 zunächst positiv entwickelt.
- Dabei hat der Onlinehandel profitiert und der stationäre Einzelhandel verloren.
- 2022 gab es 13.493 Betriebe, das sind 15 Prozent weniger als 2015/16
- Die Corona-Pandemie brachte einen Umsatzschub für den Lebensmittelhandel.
- Die rückläufigen Betriebszahlen sind eine Folgewirkung des anhaltenden Trends nach größeren Ladeneinheiten.
- Der Einzelhandel konzentriert sich räumlich zunehmend in den zentralen Orten.
- In der Fläche ist er kaum noch präsent.
- Auch das Lebensmittelhandwerk ist stark rückläufig.
- Zunehmende Herausforderungen für die Nahversorgung sind der sich fortsetzende Bevölkerungsrückgang in ländlichen Regionen und die unterdurchschnittliche Kaufkraft.
- Vom Strukturwandel am stärksten betroffen ist der inhabergeführte Fachhandel mit zentrenrelevanten Sortimenten wie Bekleidung, Uhren und Schmuck.
- Viele kleinteilige Fachgeschäfte mussten aufgeben. Die Ursachen sind vielfältig.
- So stieg auch hier der Onlineanteil in Branchen wie Mode & Accessoires, Spielwaren oder Consumer Electronics auf mittlerweile 40 bis 50 Prozent.
- Diese Onlineumsätze haben sich seit der Vorerhebung 2015/16 mehr als verdoppelt.
- Gleichzeitig sind enorme Ausgabeverschiebungen zwischen wichtigen innenstadtrelevanten Branchen zu beobachten.
- Sportartikel, insbesondere Fahrräder profitieren, die Modebranche verliert.
- Durchsetzen werden sich Formate, die eine umfassende Vernetzung von stationären und Online-Angeboten erzielen.
- Die Einstellung zum Konsum ändert sich und gestaltet sich unsicher, wegen starker Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln und noch nicht absehbaren Folgen der Konflikte in der Welt.
- Der Ansatz „Innenstadt NEU denken!“ setzt auf eine Neupositionierung, breiten Nutzungsmix, Zielgruppenorientierung, differenzierte Standtorteignung und Digitalisierung.
Mehr aus dem Ressort Wirtschaft
Erstmalig haben der Landkreis Märkisch-Oderland und die Wirtschaftsförderung Marzahn-Hellersdorf einen gemeinsamen Preis für vorbildliche Ausbildung übergeben. Vier von fünf ausgezeichneten Unternehmen sitzen in Märkisch-Oderland.
Seit Mai 2022 gibt es in der Strausberger Altstadt den ERNAS Unverpackt-Laden. Ursprünglich als Wirtschaftsunternehmen gegründet, wird er seit vergangenem Jahr durch ERNAS UNVERPACKT e.V. fortgeführt. Am 9. September 2026 fand die erste Jahreshauptversammlung statt. Wie sieht es ein Jahr nach der Gründung des Vereins aus?
Freigesetztes CO2 führt zu höheren Temperaturen. Um sie zu senken braucht es CO2-Speicher, wie zum Beispiel Torf in intakten nassen Mooren. Wiedervernässungsmaßnahmen treffen auf menschliche Lebensrealitäten.
Hitze schafft Versteppung. Wenn nicht gegensteuert wird, absehbar auch in Märkisch-Oderland. Mehr Wasser in der Landschaft zu halten, ist deshalb eine wesentliche Forderung, der unter anderem auch Moore dienen. Wir sprachen mit Prof. Dr. Vera Luthardt darüber, wie Moore zur Stabilisierung des Wasserhaushalts beitragen.
Die Stadt Strausberg hat ein Interessenbekundungsverfahren zur zukünftigen Nutzung des Stadthauses am Markt 10 gestartet. Ideen gibt es bereits, Einwohnerinnen und Einwohner konnten ihre Vorstellungen einer zukünftigen Nutzung in den vergangenen Monaten einbringen. Nun werden Konzepte gesucht.
Die Getreideernte hätte dieses Jahr in ganz Deutschland eine überdurchschnittlich gute werden können. Im Juni jedoch ging eine erste Hitzewelle über Deutschland hinweg und hat vielerorts für massive Schäden gesorgt ...
Gedöns oder deutsche Ingenieurskunst. Realitätscheck mit einem gebrauchten E-Auto in Märkisch-Oderland.
Vor 127 Jahren erreichte erstmals ein Automobil mehr als 100 Stundenkilometer Geschwindigkeit. Es war ein E-Mobil. Und heute ist sauberes Autofahren immer noch eine Träumerei? Oder doch eine echte Alternative?
Entdecke mehr von Der Blick auf Märkisch-Oderland
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
