Vor 127 Jahren erreichte erstmals ein Automobil mehr als 100 Stundenkilometer Geschwindigkeit. Es war ein E-Mobil. Und heute ist sauberes Autofahren immer noch eine Träumerei? Oder doch eine echte Alternative?
Innenstadthandel: Zeiten werden nicht leichter
Dem Einzelhandel geht es schon lange nicht mehr besonders gut. Eine der wesentlichen Ursachen ist der Online-Handel, fast alles lässt sich schnell und oft billiger online bestellen. Wie geht es einem Einzelhändler, der seit 20 Jahren ein Sportfachgeschäft führt? Ein Interview mit Karsten Jodl. Von Christian Göritz-Vorhof
Welches Warenangebot decken Sie mit Ihrem Sortiment ab?
Jodl: Im Geschäft biete ich ein Vollsortiment im Sport. Das heißt für Laufen, Schwimmen, Ballsportarten, Wandern und Wintersport biete ich Bekleidung, Schuhe und Sportausstattungen an.
Wie hat sich die Lage in den letzten Jahren für sie entwickelt und wie stellt sich diese für Sie aktuell dar?
Jodl: Seit der Corona-Krise hat sich das Geschäft tendenziell nach unten entwickelt.
Worin sehen Sie die Ursachen hinter den schwindenden Verkaufszahlen?
Jodl: Seit Corona haben mehr Menschen online bestellt. Die folgenden Energiekrisen haben die Menschen dann noch dazu veranlasst, nicht zwingend nötige Ausgaben zu reduzieren, um die gestiegenen Energiekosten ausgleichen zu können.
Onlinehandel ist eine der wesentlichen Ursachen, warum der Einzelhandel leidet. Viele Einzelhändler sehen eine Chance darin, selbst in den Onlinehandel einzusteigen. Ist das auch für Sie eine Perspektive?
Jodl: Ich habe einen möglichen Einstieg in das Onlinegeschäft schon durchgespielt und bin zum Entschluss gekommen es nicht zu tun.
Ihr Geschäft liegt bei Kaufland und ist aus Strausberg und über die Garzauer und Hohensteiner Chaussee auch aus dem Umkreis gut erreichbar. Nutzt Ihnen die Lage oder schadet es, weil Kaufland Billigprodukte im Bereich Sport anbietet?
Jodl: Dazu möchte ich mich nicht äußern.
Sie sagten Sie bieten auch Artikel für Wintersport an. Hat sich der letzte Winter mit einer längeren Frostperiode auf die Geschäftszahlen ausgewirkt?
Jodl: Ja, in der Tat, durch den kalten Januar war das Wintergeschäft besser als in den letzten Jahren. Da der Straussee diesen Winter wieder zugefroren war, wurden u.a. Schlittschuhe nachgefragt. Solche Winter waren in den letzten Jahren selten und damit auch das Wintergeschäft in den letzten Jahren schlecht.
Macht sich der anstehende Sommer bereits auf Verkäufe bemerkbar?
Jodl: Nein. So lange das Strausbad in Strausberg nicht eröffnet, sehe ich da auch keine positive Entwicklung.
Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern, damit der Einzelhandel, Ihr Geschäft wieder bessere Perspektiven hat?
Jodl: Die Energiekosten müssen sinken. Zum einen sind die eigenen Energiekosten für das Geschäft eine finanzielle Belastung, zum anderen wirken sich diese aufs Kaufverhalten mit Kaufzurückhaltung aus.
Wie geht es für Sie weiter? Werde ich auch in drei Jahren noch meine Laufschuhe bei Ihnen kaufen können?
Jodl: Darauf kann ich und möchte daher an dieser Stelle keine Prognose abgeben.
Hintergrund
Entwicklung des Einzelhandels
(jro) Die letzte Einzelhandelserfassung für Berlin-Brandenburg stammt aus dem Jahr 2022, darauf beziehen sich also die folgenden Zahlen. Eine Verbesserung dürfte seitdem kaum eingetreten sein. Hier einige Kernaussagen der Erfassung:
- Der Einzelhandel hat sich seit 2015/16 zunächst positiv entwickelt.
- Dabei hat der Onlinehandel profitiert und der stationäre Einzelhandel verloren.
- 2022 gab es 13.493 Betriebe, das sind 15 Prozent weniger als 2015/16
- Die Corona-Pandemie brachte einen Umsatzschub für den Lebensmittelhandel.
- Die rückläufigen Betriebszahlen sind eine Folgewirkung des anhaltenden Trends nach größeren Ladeneinheiten.
- Der Einzelhandel konzentriert sich räumlich zunehmend in den zentralen Orten.
- In der Fläche ist er kaum noch präsent.
- Auch das Lebensmittelhandwerk ist stark rückläufig.
- Zunehmende Herausforderungen für die Nahversorgung sind der sich fortsetzende Bevölkerungsrückgang in ländlichen Regionen und die unterdurchschnittliche Kaufkraft.
- Vom Strukturwandel am stärksten betroffen ist der inhabergeführte Fachhandel mit zentrenrelevanten Sortimenten wie Bekleidung, Uhren und Schmuck.
- Viele kleinteilige Fachgeschäfte mussten aufgeben. Die Ursachen sind vielfältig.
- So stieg auch hier der Onlineanteil in Branchen wie Mode & Accessoires, Spielwaren oder Consumer Electronics auf mittlerweile 40 bis 50 Prozent.
- Diese Onlineumsätze haben sich seit der Vorerhebung 2015/16 mehr als verdoppelt.
- Gleichzeitig sind enorme Ausgabeverschiebungen zwischen wichtigen innenstadtrelevanten Branchen zu beobachten.
- Sportartikel, insbesondere Fahrräder profitieren, die Modebranche verliert.
- Durchsetzen werden sich Formate, die eine umfassende Vernetzung von stationären und Online-Angeboten erzielen.
- Die Einstellung zum Konsum ändert sich und gestaltet sich unsicher, wegen starker Preissteigerungen bei Energie und Lebensmitteln und noch nicht absehbaren Folgen der Konflikte in der Welt.
- Der Ansatz „Innenstadt NEU denken!“ setzt auf eine Neupositionierung, breiten Nutzungsmix, Zielgruppenorientierung, differenzierte Standtorteignung und Digitalisierung.
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