Immer gleiche Faktenleugnung bei AfD-Bürgerdialog

Am 8. Oktober 2026 fand in Bad Freienwalde erneut ein sogenannter „Bürgerdialog“ der AfD statt. Kritische Frage waren zwar offiziell erwünscht, wurden aber inhaltlich nicht beantwortet. Statt dessen wurde der Fragende herabgewürdigt. Fakten spielen nach wie vor keine große Rolle: So wurde deutsche Kriegsrhetorik kritisiert, Russlands Krieg gegen die Ukraine jedoch verteidigt. Gastautor: Wolfram Schwelgin, Redaktion: Steffen Blunk

Leichte Beute? Wer Faktenleugnern und Verschwörungstheoretikern folgt, verfängt sich schnell in deren Netzen.

Am 8. Oktober 2026 lud die AfD zu einem weiteren Bürgerdialog in den „Schülerclub“ in Bad Freienwalde. Gut gelaunt präsentierten sich die „Stargäste“ Lena Kotré und Lars Günther und bedankten sich für das zahlreiche Erscheinen. Von den etwa 70 bereitgestellten Sitzplätzen waren nur etwa 45 Plätze besetzt. Nach Abzug einiger weniger Andersdenkender, der AfD-Fraktion der SVV und Pressevertretern bliebt nicht mehr viel Publikum übrig. Diese Wenigen bestanden überwiegend aus Bürger:innen älteren Semesters. Der „Bürgerdialog“ begann mit einer Schweigeminute für die vier jugendlichen Opfers des Auto- Mopedunfalls vom Vortag, gefolgt von zwei längeren Monologen der Landtagsabgeordneten Kotré und Günther.
Lena Kotré gab Einblicke in ihre Gedankenwelt. Immer wieder kreisen diese Gedanken um ihr eigentiches Thema Remigration, die an so vielen Stellen der Politik die vollumfängliche Lösung darstelle. Weiteres großes Thema war die Herabsetzung der Strafmündigkeit auf 10 Jahre, die die AfD Fraktion beantragen will. Hier gehe es der AfD nicht um Kindergefängnisse, sondern um geschlossene Heime statt „nutzloser Ansagen und Schulverweise“. Welche Ziele – etwa möglich Prävention oder Resozialisierung – damit erreicht werden sollen, wurde nicht ausgeführt. Und Belege für die Wirksamkeit von Heimunterbringungen konnten ebenfalls nicht angeüfhrt werden.
Die Eltern seien vollumfänglich für die Taten ihrer Kinder verantwortlich, hieß es weiter. Daher sei die Streichung des Kindergeldes aus Sicht der AfD Abgeordneten eine „super Idee“, um Eltern an ihren Erziehungsauftrag zu erinnern. Und da es sich bei einem Großteil der übergriffigen Kinder und Jugendlichen ohnehin um Zuwanderer und Ausländer handelt, helfe immer noch die Remigration. 
Laut Kotré bilde auch die Ausweisung der gesamten Familie oder die Inobhutnahme von Geschwisterkindern sinnvolle Maßnahmen. Prävention, Aufklärung, Familienhilfe, Investitionen in Bildung oder in Jugendeinrichtungen, all das helfe nicht mehr, so Lena Kortré, die jegliche pädagogischen Bezüge bzgl. der Wirksamkeit und Zielerreichung oder der Eignung und Verhältnismäßigkeit dieser Maßnahmen vermissen ließ.

Landtagsabgeordneter spricht Ermittlungsbehörden um Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig Kompetenz ab.

Den Rest des Monologes bildete dann das übliche Mischmasch aus „Einbürgerungsmoratorium“, „Missbrauch von Grundsicherung“, Ablehnung jeglicher Integrationsmaßnahmen („die sollen sich nicht integrieren, sondern wieder weg“), und einem Weg zurück nach Russland. Lars Günther zeichnete wie immer ein düsteres Bild der finanziellen Lage des Bundeslandes und unseres Landkreises, „Hauptsache es ist Geld für NGOs da“.
Er berichtete über ihm zugetragene Vorfälle von Jugendgewalt, „so ist es mir erzählt worden“, und Eltern, die Angst hätten Anzeigen zu stellen. Konkrete Vorfälle konnte er nicht nennen.
Dann folgte die Verkündung angeblicher Erfolge, welche die AfD in dieser Region zu verzeichnen habe. 13 Windkraftanlagen in Altgaul habe die AfD verhindert und 300 Hektar PV-Anlage. Dass die Windkraftanlagen von einer Bürgerinitiative verhindert wurden, die keineswegs aus AfD-Mitgliedern oder Anhängern bestand, wurde nicht erwähnt. Und auch dass mit der Verhinderung von PV- und Windkraftanlagen dringend notwendige Einnahmen für Kommunen verhindert werden, fand keine Erwähnung.
Stattdessen wurde eine Rückkehr zu billigem Gas aus Russland und der Bau von Mini- Atomkraftwerken als Lösung dargestellt. Russland sei schließlich ein Freund und wolle uns nicht angreifen. Es werde Kriegsangst durch Kriegsrhetorik erzeugt. Dass Russland hinter dem Drohnenangriff auf den Leipziger Flughafen von Mitte August steckt, wie Ermittlungen zutage gebracht haben, sei „an den Haaren herbeigezogen.“ Mehr noch: es wurde behauptet, die Drohnen hätten gar keinen Sprengstoff tragen können. Damit wurde die Ermittlungsarbeit gänzlich in Zweifel gezogen. Lars Günther, der sich weder vor Ort ein Bild gemacht hat, noch Zugang zu den Ermittlungsunterlagen hat, hat damit die Expertise der deutschen Ermittlungsbehörden offenkundig in Abrede gestellt,  was von den Anwesenden AfD-Anhängern wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde. Statt eine Bedrohung durch Russland zu sehen, solle man mit Russland vernünftig auf Augenhöhe verhandeln. 
Grund zum Feiern gebe es aufgrund des Wahlergebnisses in Sachsen-Anhalt. Und Ziel für Brandenburg seien schließlich auch mindestens 40% für die AfD und ein einstelliges Ergebnis für die CDU.

Seit Aufzeichnung der Wetterdaten gebe es keinen
Anstieg der CO2-Werte, behauptet Günther

Ein weiteres Thema: Der soziale Bereich ufere aus, sodass man sich diesen nicht mehr leisten könne. Hier wurde auch wieder die Unterstützung der Ukraine als Ursache genannt, warum soziale wichtige Dinge nicht finanziert werden könnten. Ein Widerspruch, der offenbar nicht auffiel und zu dem weitere folgten.
Aus dem Kreistag berichtete Lars Günther, dass es die AfD gewesen sei, die per Sperrvermerke den Bau einer Gemeinschaftsunterkunft verhindert hätte und damit 10 Millionen Euro eingespart hätte. Einer Überprüfung hält auch diese Behauptung nicht stand.
Der Neubau der hier erwähnten Gemeinschaftsunterkunft Platkow war gemäß den Planungen des Kreises vom 19. Mai 2026 nur mit 2,8 Millionen Euro veranschlagt. Übertreibung oder Falschdarstellung seitens Lars Günthers? Eine Verwechslung kann angesichts des bewussten Bezugs zum Sperrvermerk ausgeschlossen werden. (Anm. d. Red: https://www.ratsinfo-online.net/landkreis-mol-bi/___tmp/tmp/45081036/uaNwBXRGteixaYJPcTeHcsRDBJ2vnb5M4DDLCsHD/DNuCDNEN/44-Anlagen/02/UebersichtAktuellerStandBauvorhabenHochbau.pdf)
In der sich anschließenden Fragerunde wurde der Klimawandel, bzw. dass ein mehr an CO2 gut für das Klima wäre, da die Pflanzen dann besser wachsen würden, thematisiert, weniger als Frage, mehr als lange Ausführung. Laut Lars Günther gebe es seit Beginn der Aufzeichnung von Wetterdaten keinen Anstieg der CO2-Werte. Wer diese Behauptung auf ihre Richtigkeit überprüfen möchte, findet jedoch unzählige Quellen mit Daten- und Messreihen, exemplarisch sei hier nur eine Quelle beigefügt: https://www.klimafakten.de/klimawissen/fakt-ist/fakt-ist-der-trend-der-erderwaermung-kann-mit-unzaehligen-daten
Angesichts des zweifelsfrei durch die Wissenschaft belegten Anstiegs von CO2 in der Atmosphäre stellt sich die Frage, warum Lars Günther das leugnet und warum angesichts nur einer Internetsuche entfernt die Anhänger der AfD diese Lügen nicht als solche durchschauen.

Kritische Frage blieb unbeantwortet

Eine Frage ging um die Stationierung deutscher Atomwaffen an der Grenze zu Russland und was sich die Bundesregierung dabei denke. Von einem AfD-kritischen Teilnehmenden darauf hingewiesen, dass Deutschland nicht über Atomwaffen verfüge und folglich diese Behauptung nicht den Fakten entspreche, wurden aus deutschen auf einmal französische Atomwaffen. Eine weitere Frage betraf Chemtrails. Diese, so antwortete Lars Günther, habe er auch gesehen und werde ein Auge darauf haben.
Kritische Fragen wurden zwar ausdrücklich erwünscht, jedoch aufgrund der Knappheit an Zeit kaum eingeräumt. Eine kritische Frage wurde zum Ende der Veranstaltung noch zugelassen. Gefragt wurde, wann in den letzten vier Jahren von Putin tatsächlich ein Friedensangebot gemacht wurde. Lars Günther verwies auf zurückliegende Ereignisse und berief sich auf ein ungeschriebenes Gesetz in der Geopolitik. Welches das sei, sagte er nicht, dem Fragenden unterstellte er aber fehlenden Intellekt, fehlendes Verständnis für die dargestellten Zusammenhänge sowie das Versäumnis der Recherche in den richtigen Medien.
Eine Antwort, wann Putin in den letzten vier Jahren ein Friedensangebot gemacht habe, gab er nicht.

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