„Erfahrungen mit der S5 müssen in Verbesserungen umgesetzt werden“

2500 Unterschriften und über 750 Kommentare und Erfahrungsberichte hat die Petition zur Verbesserung der S5 bisher gebracht. Die beiden Initiatoren wollen nun zusammen mit der S-Bahn Berlin und der DB InfraGO konkrete Lösungen entwickeln. Von Steffen Blunk

Kommt er oder kommt er nicht? Die Zustände auf der S-Bahnlinie S5 nach Strausberg und Strausberg Nord sind ähnlich katastrophal, wie die Zustände auf der Ostbahn.

Über 750 Kommentare und Erfahrungsberichte haben die Initiative mobil-in-mol.de zu ihrer Petition für eine zuverlässige S5 erhalten. Das Ergebnis: Ausfälle, vorzeitig endende Züge und fehlende Informationen prägen den Alltag Tausender Pendlerinnen und Pendler im östlichen Berliner Umland. Daraus wurden kurzfristige Stellschrauben identifiziert, wie das Dispositionskonzept und bei der Fahrgastinformation. Die beiden Initiatoren wollen nun zusammen mit der S-Bahn Berlin und der DB InfraGO konkrete Lösungen entwickeln.
Mehr als 2.500 Menschen haben die Petition „Berlin/Brandenburg: Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S5 sicherstellen“ bislang unterzeichnet. 765 von ihnen haben zusätzlich ihre persönlichen Erfahrungen geschildert. Rund 80 Prozent davon kommen aus den Gemeinden entlang der Strecke in Märkisch-Oderland. Die Initiatoren Rüdiger Haas und Tobias Rohrberg haben diese Berichte systematisch ausgewertet und daraus konkrete Forderungen abgeleitet.
„Diese Berichte sind nicht nur ein Stimmungsbild, sie sind ein Lagebild“, sagt Tobias Rohrberg. „Wer sie liest, versteht sofort, wie sehr die S5 den Alltag der Menschen bestimmt und wie wenig sie sich derzeit auf sie verlassen können.“
Vorzeitig endende Züge sind das größte Ärgernis. Mahlsdorf ist mit Abstand der meistgenannte Bahnhof in den Kommentaren, gefolgt von Hoppegarten. Fahrgäste berichten, dass sie dort regelmäßig „stranden“ und 20 bis 40 Minuten auf den nächsten Zug warten. Eine Pendlerin aus Neuenhagen beschreibt, Züge würden in Mahlsdorf gewendet, um Verspätungen im Berliner Netz auszugleichen – zulasten derer, die weiter nach Brandenburg müssen. mobil-in-mol.de fordert ein angepasstes Dispositionskonzept, bei dem die Durchfahrt bis Strausberg Nord Vorrang hat.
Vorzeitiges Wenden werde häufig erst kurz vor Mahlsdorf angesagt, Gleiswechsel erfolgen ohne Ansage, App und Anzeigen widersprechen sich. Besonders irritierend: Züge, die als in Hoppegarten endend angekündigt sind, fahren kurzfristig doch weiter ohne dass die wartenden Fahrgäste davon erfahren. „Die Fahrgäste werden wie Transportgüter behandelt, irgendwo abgeworfen ohne Informationen, wie es weitergeht“, schreibt ein Fahrgast aus Fredersdorf.
Frühzeitige und verlässliche Fahrgastinformation sind daher weitere ganz konkrete Forderungen.
Der kritische Moment ist der Weg nach Hause. Stadtauswärts häufen sich ab dem Nachmittag Ausfälle und frühzeitige Wenden, abends fährt nur jeder zweite Zug bis Strausberg Nord. Ein Pendler aus Petershagen hat ein „Verspätungstagebuch“ geführt: An 37 Tagen im Jahr war er auf dem Weg zur oder von der Arbeit mehr als 30 Minuten verspätet.
Hinter Hoppegarten gibt es für viele keine Alternative im öffentlichen Nahverkehr. Verpasste Anschlüsse in Mahlsdorf, an die U5 in Wuhletal oder an Tram und Bus in Strausberg verlängern jede Störung erheblich. Eine Fahrgästin aus Strausberg berichtet, sie habe bei Minusgraden über zwei Stunden in Hoppegarten auf den Zug nach Strausberg Nord gewartet.
Mehr als die Hälfte der Kommentierenden beschreibt Ausfälle und Verspätungen als Normalzustand. mobil-in-mol.de fordert verbindliche Ziele für Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auf dem Abschnitt Mahlsdorf–Strausberg Nord, deren Erreichung regelmäßig und für Fahrgäste nachvollziehbar veröffentlicht wird.
Die Berichte zeigen, wie weit die Auswirkungen reichen. Ein Pendler rechnet vor, dass er bei rund 200 Arbeitstagen im Jahr allein durch Puffer etwa 80 Stunden Lebenszeit verliert. Eltern verpassen Kita- und Hort-Abholzeiten, Beschäftigte in Pflege und Schichtdienst kommen zu spät. Ein Fahrgast aus Eggersdorf hat seine Stelle in Berlin aufgegeben, weil die Unzuverlässigkeit der S5 für ihn nicht mehr zu bewältigen war. Rund ein Dutzend Kommentierende berichten, dass sie bereits wieder aufs Auto umgestiegen sind.
„Wer die Verkehrswende will, muss den Menschen eine Bahn bieten, auf die sie sich verlassen können“, sagt Rüdiger Haas, Mitinitiator von mobil-in-mol.de. „Jeder, der wegen der S5 wieder ins Auto steigt, ist ein Verlust – für das Klima, für die Straßen und für das Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr.“
Die beiden Initiatoren der Initiative wollen nun Gespräche mit der S-Bahn Berlin und der DB InfraGO führen und die Umsetzung möglicher kurzfristiger Maßnahmen eng begleiten. Ziel ist es, die Wirkung anhand nachvollziehbarer Kennzahlen zu überprüfen und die Ergebnisse öffentlich zu machen. Neben den kurzfristigen Maßnahmen will die Initiative auch die langfristigen Themen auf der Tagesordnung halten, darunter den Ausbau der Infrastruktur auf dem Außenast und den Takt. Fragen zu Angebot und Tarif wollen Haas und Rohrberg zudem an den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg und die Länder Berlin und Brandenburg richten.
„Erste Schritte sind gemacht, aber wir sind noch lange nicht am Ziel“, so Tobias Rohrberg. „Wir werden genau hinschauen, ob sich etwas ändert – und dafür brauchen wir weiterhin die Erfahrungen der Fahrgäste.“
Die Petition kann weiterhin unterzeichnet werden, Erfahrungsberichte sind ausdrücklich erwünscht. Die vollständige Auswertung aller Kommentare ist auf Website mobil-in-mol.de in der Rubrik „Aktuelles“ abrufbar.

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