„Strausberg 1945 – ein schwerer Start“

Zu dem Vortrag des Akanthus-Vereins war das Stadtmuseum bis auf den letzten Platz gefüllt. Und mit 103 Lebensjahren dürfte einer der letzten lebenden Weltkriegsveteranen anwesend gewesen sein. Von Christian Göritz-Vorhof

Dank Gerd-Ulrich Herrmann konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer tief in die Stadtgeschichte Strausbergs eintauchen. Foto: Akanthus e.V.

90 Minuten lang nahm Gerd-Ulrich Herrmann sein Publikum mit zu den wesentlichen militärischen und kommunalpolitischen Entwicklungen und Ereignissen während des zweiten Weltkriegs und der ersten Nachkriegsjahre. Kurt Schornsheim, Jahrgang 1924 und zum Kriegsende 21 Jahre jung konnte nach über 80 Jahren noch mit Zeitzeugenwissen aufwarten. Eingesetzt bei der Kriegsmarine, kämpfte er zwar später im Landdienst, war aber nicht in Strausberg eingesetzt. Erwähnung fand der Tod seines engen Freundes Ernst-Ludwig Mendelssohn, der 1942 nach nur wenigen Wochen an der Ostfront verwundet und im Lazarett verstorben war. Ohne ihn nach Strausberg überführen zu können, fand am Wohnort seiner Familie in Strausberg eine Beisetzung statt.

Gerd-Ulrich Herrmann ging auf die während der Kriegszeit entstehenden militärischen Einrichtungen der Garnison und der Rüstungsindustrie ein. Deren Produktionsumfänge waren nur durch den Einsatz von Zwangsarbeitern – Männern und Frauen – möglich. Herrmann stellte auch einzelne Personen vor, darunter Funktionsträger, Kriegsopfer oder auch spätere Einwohner Strausbergs. Über den damaligen Bürgermeister hat der Akanthus-Verein einen Beitrag auf seiner Website veröffentlicht, in dem dessen Wirken als Nationalsozialist beschrieben wird: Dr. Paul Röhr – Nationalsozialist und Bürgermeister der Stadt Strausberg (1933-1945) – Den Beitrag finden Sie hier!

Auch die Bedeutung der Ostbahn verdeutlichte Herrmann in seinem Vortrag. Über die Bahnlinie lief damals sowohl die Frontversorgung mit Munition und Nachschub, es wurden aber auch Soldaten in Urlaub oder als Verwundete Richtung Heimat transportiert.

Mit der heranrückenden Front wurden die in der Stadt aufgestellten Garnisonstruppen in den letzten Monaten Richtung Oder entsandt. Ein Bataillon wurde in Kämpfen östlich Küstrin vernichtet, weitere Teile wurden im Kampf um Frankfurt an der Oder eingesetzt.

In Strausberg selber fanden keine größeren Kampfhandlungen statt, was der geographischen Lage zu verdanken ist. Hätte er in seiner Taktikausbildung eine Verteidigung in Strausberg, mit dem Rücken zum See geplant, dass die Truppen nicht mehr wegkämen, wäre er durch die Prüfung gefallen, erläuterte Gerd-Ulrich Herrmann die damalige Lage. Die sowjetischen Angriffe gingen im Wesentlichen nördlich und südlich an Strausberg vorbei.

Dennoch gab es in der damals knapp 10.500 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Stadt Opfer und Schäden zu beklagen. Die Schäden waren durch Bombardierungen verursacht worden und teilweise Jahrzehnte später noch nicht wieder behoben. Die Bombardierung eines Lazaretts im Gebäude der heutigen Hegermühlen-Grundschule hatte zu zahlreichen Opfern geführt. Dies wurde damals von vielen als Racheakt der Sowjetischen Streitkräfte verstanden. Aus Sicht eines Historikers unter Berücksichtigung der Nähe zu den Rüstungsfabriken, sieht Gerd-Ulrich Hermann jedoch die Ursache im Bombenabwurf aus 2.000 Metern Höhe im Horizontalflug. Mit dieser Methode würden nicht Punktziele, sondern Flächen bekämpft.

Mit den Entwicklungen an der Front hatte sich die Stimmung in Strausberg deutlich eingetrübt, legte Herrmann seine historischen Forschungen dar. Kurt Schornsheim wusste dazu noch zu berichten, dass neben Opfern aus Kampfhandlungen auch Selbsttötungen im Vorfeld der Evakuierung der Stadt vorgekommen seien.

Für die Zeit der Nachkriegsjahre wurde auf die prekäre Versorgungslage und den prägenden Einfluss der sowjetischer Militärkommandantur eingegangen. Mangelnde Nahrungsmittelversorgung führten in den Jahren nach dem Krieg zu hohen Todeszahlen unter der Bevölkerung und den Vertriebenen, allein 1.500 im Jahr 1945 als Folge schlechter Versorgung und schlechter Lebensbedingungen.

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