Ökospeicher lud zum Ersten Bodenfestival nach Wulkow

Unter dem Motto „Bodenleben. Bodenlos.“ fand im Ökospeicher in Wulkow am 3. Oktober das erste Bodenfestival statt. Mit einem bunten Programm von Fotoausstellung über Mikroskop bis Trenntoilette wurde die Beziehung zum Mikrokosmos unter unseren Füßen den Besucher:innen näher gebracht. Von Christian Göritz-Vorhof

Wertvoller Bodenaufbau mit lokalem Nährstoffkreislauf: Birke Soukop beim Gartenrundgang zum Thema Kompostieren; Foto: cgv

Zum ersten Bodenfestival hatten die Organisatorinnen des Ökospeicher e.V. im Ortsteil Wulkow mit Vorträgen, Ausstellungen, Performanz und Mitmachangeboten sowie eine Podiumsdiskussion geladen. Dem voraus ging im Juni eine Reise der Gruppe aus Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen durch Ostbrandenburg zum Projekt „Bodenleben. Bodenlos.“, um das Thema aus den verschiedenen Perspektiven zu „beackern“. 
Eröffnet wurde das Festival von den beiden Künstlerinnen Sahra Sandring, Foto- und Film und Alison Darby für skulturalre Arbeiten. Mit Fotos von Böden in unterschiedlichen Weltregionen sowie kunstvoll bearbeiteten Stein wurde in das Thema eingeführt und den Teilnehmenden auf eine Art der vielen näher gebracht. In den Programmpunkten wurde auf weitere Weisen und aus verschiedenen Perspektiven die Bedeutung des Bodens als Lebensgrundlage dargelegt.
M
it einer Gartenführung „Holy shit“ – vom Komposteimer auf den Teller – führte Birke Soukop, Gärtnerin, in die Praxis der Kompostierung ein. Sie erklärte wie Haushalts- und Toilettenabfällen mittels Trenntoilette mit den darin gebundene Stoffe wieder in den lokalen Nährstoffkreislauf gebracht werden können, auch die festen Bestandteile. Dazu werde Toilettenabfällen pflanzliche als strukturgebende Abfälle sowie Mikroorganismen zugesetzt. Weiterhin bedarf es der Zugabe von Pflanzenkohle, um den Mikroorganismen die notwendigen Voraussetzungen zur Fermentation zu geben. Die Pflanzenkohle stelle sie dabei selber her und führte erläuterte den Prozess den ca. 25 Teilnehmenden ausführlich. In Fässern unter luftdichtem Abschluss wird damit nach mehreren Monaten aus organischen Abfallstoffen wieder Dünger, für den lokalen Nährstoffkreislauf. So zumindest bei Birke Soukop in Wulkow im Garten.
Beruflich koordiniert sie die Ausbildung für biodynamischen Anbau im Osten. Mehr dazu:
https://biodynamische-ausbildung.de/region-osten/kontakt/
Neben diesem praktischen Anteilen gab es auch theoretische und künstlerische Programmanteile. Um sich der Welt im Boden anzunähern, nahm die Künstlerin Mariana Sonneck die Rolle einer Botschafterin zwischen Menschen und Bodenlebewesen ein. Als Purpurschwefelbakterium trug sie dazu den „Monolog eines Brandenburger Bodenbakteriums“ vor, damit gleichzeitig die Idee einer „Organismusdemokratie“ vertretend. Sie nahm die Zuhörenden mit auf eine Reise in die vergangenen 3,5 Milliarden Jahren Erdgeschichte mit Stationen in der Entwicklung der Erde und der Bodenlebewesen. In der Vorführung wurde damit wissenschaftliche Erkenntnisse zur Bedeutung von Mikroorganismen näher gebracht. So ist in globalen Dimensionen die Schicht Muttererde, die uns alle ernähre und damit das Überleben aller Lebewesen sicherstelle, vergleichsweise hauchdünn. Aktuelle Probleme um diese Thematik wurden eindrücklich und deutlich dargelegt.
Während Biolandwirtschaft die Bedeutung eines gesunden Bodens und der darin lebenden Mikroorganismen „checken“, löse Biolandwirtschaft das Problem fehlender Nährstoffkreisläufe dennoch nicht. Mit Biolebensmittel die aus dem Landkreis nach Berlin oder Frankfurt/Oder geliefert werden, Abwasser und Abfälle jedoch nicht zurückgeführt werden, schließt sich der Kreislauf eben nicht. Das Purpurschwefelbakteriums als Medium nutzend appellierte die Künstlerin damit „aufzuhören Bakterien auszutreten“, und spielte auf die Ausbeutung der Böden sowie deren weitere Versiegelung im Sinne maximaler Profiterreichung an. „Die Welt hat genug für alle Bedürfnisse, aber nicht genug für die Gier“ brachte sie ein Zitat von Mahatma Gandhi ein. Es sei fünf vor zwölf beim Thema Biodiversität, und so gibt es „Wissenschaftlerinnen die warnen schon ein ganzes Leben, die jetzt zusehen müssen wir das eintritt, wovor sie gewarnt haben.“
Nach so viel schonungslosen Fakten schloss die Performanz mit einem Appell, Geschichten zu erzählen, die wiedergeben wo Dinge besser werden, um diese Entwicklungen damit zu verstärken. 

Mehr zur Organismendemokratie: https://organismendemokratie.org/aktuell/

Mit Dr. Stefanie Hawart, Diplom Geoglogin war zum Thema Boden auch eine wissenschaftliche Expertin vor Ort. Ihre Arbeit beschäftig sich damit, landwirtschaftliche Prozesse sichtbar zu machen und damit Böden langfristig lebendig und fruchtbar zu erhalten. Dahingehend berät sie Landwirte zu Anpassung an Klimawandel und Wassermangel und dabei wie man den Böden umbaut, damit dieser mehr Wasser halten können. Das Thema Drainagen stehe hier ganz oben im Landkreis, die vor Jahrzehnten notwendig waren, angesichts der geänderten klimatischen Bedingungen aber gekappt werden müssten. Für Landwirte führt sie Analysen der Böden und deren Mikroorganismen durch, wenn die Ursachen für sinkende Erträge gesucht wird. So helfe bei fehlender Quantität und Diversität an Bodenlebewesen zusätzliche Dünger wenig und verursache im Zweifel nur unnötige Kosten. Vor Ort hatte sie dafür Mikroskop und Anschauungsmaterial dabei.
Analysepakete für Landwirte:
https://kompostino.de/einsteigerpaketfuerfarmer/

Bodenanalyse mit Dr. Stefanie Harwart; Foto: cgv

Kontakt:
Ökospeicher Wulko: https://oekospeicher.de/

Mehr aus dem Ressort Gesellschaft

Unter dem Motto „Bodenleben. Bodenlos.“ fand im Ökospeicher in Wulkow am 3. Oktober das erste Bodenfestival statt. Mit einem bunten Programm von Fotoausstellung über Mikroskop bis Trenntoilette wurde die Beziehung zum Mikrokosmos unter unseren Füßen den Besucher:innen näher gebracht.

In Deutschland steigt die Anzahl der queerfeindlichen Straftaten. Beleidigungen, Gewalttaten, Volksverhetzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen. Mehr Sichtbarkeit und Aufklärung soll das verhindern. Mehr Sichtbarkeit führt jedoch zu mehr Angriffen. Vorbeugende Aufklärung für potentielle Täter fehlt.

Auf Einladung der Prötzeler Bürgermeisterin Simona Koß kam Volker-Gerd Westphal, Staatssekretär im Brandenburger Infrastrukturministerium, am Freitag, den 16. Oktober, nach Harnekop. Hier stellte er sich den Bürgerfragen und nahm eine Petition Prötzeler Schüler:innen entgegen.

Am 15. Oktober beriet der Bundestag in erster Lesung über das Reservestärkungsgesetz. Was die sogenannte „neue Reserve“ bedeutet, darüber informierte der Standortälteste, Brigadegeneral Sascha Zierold in seiner Reihe „Bundeswehr und Gesellschaft in Strausberg“.

Aus 20 Geschenken wurden 186. In diesem Jahr hofft Patty Kramer auf über 200: Ihre regionale Weihnachtsaktion „Schenken macht glücklich“ geht in die achte Runde und erfreut sich steigender Beliebtheit. Auch in diesem November können Familien wieder gemeinsam Kindern zu Weihnachten Freude bereiten.

Am Sonntag, den 26. September fand jetzt der erste CSD in Strausberg statt. Unter Polizeischutz, aber ungestört. Rund 250 Teilnehmende pochten auf ihr Recht, als normal betrachtet zu werden.

Mit der „Motzbude“ hat das Gutshaus der Zukunft Altfriedland beim Festival „Erichs Erben“ in Neuhardenberg ein neues Dialogformat erprobt. Im Mittelpunkt stand eine einfache Frage: Was bewegt die Menschen vor Ort und wie gelingt es, auch bei sehr unterschiedlichen politischen Ansichten miteinander im Gespräch zu bleiben?

Insgesamt 56 Vorschläge erreichten das Strausberger Rathaus für den Bürgerhaushalt 2027 und, so die Stadtverwaltung, „zeigen damit das beeindruckende bürgerschaftliche Engagement in Strausberg. Ab dem dritten Oktober können die Einwohner:innen jetzt abstimmen, was umgesetzt wird.

Die künstlich erschaffene, trocken gelegte Region ringt um seine Identität. Dabei geht es um Familiengeschichten, Anpassung, Veränderungen, um den Umgang mit Wasser, Wind, Sonne und Erde. Was macht die Region aus? Ist es die stete Veränderbarkeit an sich? Ein Versuch des Verstehens.


Entdecke mehr von Der Blick auf Märkisch-Oderland

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.