Wohnungen im Landkreis sind entweder zu teuer, zu klein oder zu weit weg von den Bedarfen des Alltags. Das Suchen und Finden ist eine Herausforderung, vor allem, wenn die Familien groß sind und der Staat die Miete zahlt. Geflüchteten Familien fällt das aktuell auf die Füße.
„Sichtbares Zeichen für Weltoffenheit“
Ein Duft von internationalen Spezialitäten, Live-Musik lokaler Bands und ein Marktplatz als Ort der Begegnung: „Bad Freienwalde ist bunt“ hat sich seit 2021 zu einem festen Termin im Kalender der Stadt entwickelt. Von Hendrik Martens
Wie in jedem Jahr wird es auch am 31. Mai 2026 Livemusik, erstmalig aber auch Kabarett geben. Bad Freienwalde ist bunt lädt alle zum fröhlichen und friedlichen Miteinander von 12 bis 16 Uhr ein. Foto: Archiv
Bad Freienwalde. Am 31. Mai lädt das Bündnis erneut dazu ein, Vielfalt und bürgerschaftliches Engagement in den Mittelpunkt zu rücken. Im Zentrum steht auch in diesem Jahr das internationale Buffet, das von Geflüchteten und Einheimischen gemeinsam auf Spendenbasis gestaltet wird. Ohne kommerzielle Verkaufsabsichten soll der Raum für Dialog und das Kennenlernen verschiedener Kulturen im Vordergrund stehen. Begleitet wird das Angebot von Informationsständen zahlreicher Vereine und einem Kulturprogramm, das lokalen Künstlern eine Bühne bietet.
Getragen wird die Veranstaltung von einem Netzwerk aus Initiativen und engagierten Einzelpersonen. Ziel ist es, ein sichtbares Zeichen für Weltoffenheit zu setzen. Dass dieses Engagement über die Jahre gewachsen ist, zeigt auch die Beteiligung lokaler Institutionen: In diesem Jahr wird die evangelische Kirchengemeinde mit Pfarrer Eichhorn und einem eigenen Stand Präsenz zeigen – ein Signal für den Rückhalt in der Stadtgesellschaft.
Trotz der feierlichen Atmosphäre blickt das Bündnis auf bewegte Zeiten zurück. Die Kundgebung war in der Vergangenheit wiederholt Ziel von politischen Störaktionen. Der schwerste Einschnitt in der Geschichte ereignete sich im Sommer 2025. Während der Aufbauphase kam es auf dem Marktplatz zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung, als eine Gruppe teils maskierter Personen Helfer und Standbetreiber angriff. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt.
Die juristische Aufarbeitung des Vorfalls gestaltete sich jedoch schwierig: Zwar übernahm zunächst der Staatsschutz die Ermittlungen aufgrund des Verdachts auf einen politisch motivierten Hintergrund, doch die Verfahren wurden später von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Ein hinreichender Beweis für eine rechtsextreme Motivation der Täter konnte im Rahmen der Ermittlungen nicht erbracht werden. Für die Betroffenen und das Bündnis bleibt der Vorfall dennoch ein traumatisches Ereignis, das die Diskussion um die Sicherheit und den Schutz zivilgesellschaftlicher Arbeit in Bad Freienwalde nachhaltig geprägt hat.
Bürgermeisterin Ulrike Heidemann betont in diesem Zusammenhang, dass sie bürgerschaftliches Engagement grundsätzlich begrüße, wobei sie gleichzeitig die parteipolitische Neutralität der Stadtverwaltung unterstreicht. Ein zentrales Anliegen ist ihr dabei die Sicherheit am Veranstaltungstag: Heidemann hebt hervor, dass die Unversehrtheit aller Beteiligten oberste Priorität habe. In enger Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden soll gewährleistet werden, dass das Fest am 31. Mai in einem geschützten Rahmen stattfinden kann.
Judith Strom, Sprecherin des Bündnisses, sagt: „Unser Ziel ist es, die gesellschaftliche Vielfalt in Bad Freienwalde sichtbar zu machen und ein respektvolles Miteinander zu ermöglichen. Der Weg dorthin war nicht immer leicht und die Ereignisse des letzten Jahres haben uns tief bewegt. Doch wir haben uns bewusst entschieden, den Blick nach vorne zu richten. Wir laden alle Bürgerinnen und Bürger ein – auch jene, die uns vielleicht skeptisch gegenüberstanden – sich am 31. Mai selbst ein Bild zu machen. Es wird viele Mitmachangebote geben und alle sind willkommen: jung und alt, queere Menschen, Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen von hier und anderswo.“
Wenn am Sonntag, den 31. Mai das Buffet auf dem Marktplatz eröffnet wird, ist dies auch ein Gradmesser für das gesellschaftliche Miteinander. Es ist die erste große Veranstaltung nach den Ereignissen des Vorjahres und eine Chance für die Stadt, zu zeigen, dass der öffentliche Raum ein Ort des friedlichen Austauschs bleibt.
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