Rechte Gewalt: Märkisch-Oderland trauriger Spitzenreiter

Am 16. Juni stellte die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt in Märkisch-Oderland (BorG) die Chronik für 2025 vor. Diese dokumentiert Vorfälle rechter Gewalt in Märkisch-Oderland. Die Tendenz ist steigend, es gibt einen neuen Höchststand bei Angriffen. Von Christian Göritz-Vorhof

Die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Märkisch-Oderland registrierte für das Jahr 2025 insgesamt 312 rechte Vorfälle im Landkreis. Mit 26 Angriffen sowie weiteren schweren Bedrohungen zählt Märkisch-Oderland die meisten rechten Gewaltvorfälle im Jahr 2025 in ganz Brandenburg. Dabei werden die Angriffe auf politische Gegner:innen, eine queerfeindlich motivierte Angriffsserie im Sommer 2025 aber auch eine engagierte Zivilgesellschaft seitens der BorG als Grund für diese hohen Zahlen gesehen. 

Von den insgesamt 26 Angriffen waren 17 queerfeindlich motiviert. Eine Gruppe junger Männer hatte über Dating-Apps schwule Männer zu einem Treffen gelockt, diese dort überfallen, ausgeraubt und homophob beleidigt. In rechten Kreisen seien diese Art von Angriffen unter dem Begriff „Pedo-Hunting“ bekannt. Fünf weitere Angriffe waren rassistisch motiviert und drei Angriffe richteten sich gegen politische Gegner:innen. Hierunter fällt auch der Angriff auf die Kundgebung „Bad Freienwalde ist bunt“ am 15. Juni vergangenes Jahres mit mehreren Verletzten. Der Angriff in Bad Freienwalde im Juni 2025 stellte dabei eine besondere Eskalationsstufe dar. Der durch mehrere Personen koordinierte und durchgeführte Angriff auf eine angemeldete Veranstaltung zeigt, wie professionell und organisiert die Rechte ist, so Tom Kurz, ehrenamtlich in der Beratungsstelle aktiv.
Die Gesamtzahl der Vorfälle hat eine leicht steigende Tendenz. Im Kontext des Superwahljahres 2024 wurden zwar mehr Vorfälle insgesamt registriert, jedoch stellt die Anzahl der Angriffe einen neuen Höchststand dar. „Die Zahlen geben nicht nur rechte Vorfälle wieder, sondern zeigen auch eine aktive Zivilgesellschaft vor Ort, die dieses Geschehen aufnimmt, meldet und dem etwas entgegensetzt. Dies führt allerdings auch dazu, dass die Zivilgesellschaft und ihre Orte vermehrt in den Fokus rechter Aktivitäten rücken“ ordnete Tom Kurz ein.

„Strausberg bleibt Hotspot rechter Gewalt“

Mit 113 Vorfällen in Strausberg ist die Stadt am See weiterhin Hotspot rechter Gewalt und Propaganda. 14 der 26 Angriffe wurden in Strausberg verübt. Die gesamte S5-Region macht die Hälfte der erfassten Vorfälle aus. Eine hohe Bevölkerungsdichte und Mobilität, aber auch die Anbindung an alte und neue rechte Strukturen in der Region und in Berlin seien der Hintergrund hinter den regional hohen Zahlen.
Ebenso wird die Verstetigung von rechten Schmierereien, vor allem Hakenkreuzen von der Beratungsstelle als alarmierend bewertet. 2025 wurden 40 Hakenkreuzschmierereien dokumentiert. Diese reichen von kleinen Schmierereien an Laternen, bis hinzu 5x5m großen Hakenkreuzen auf Fahrbahnen. Hakenkreuzschmierereien, rechte Parolen und Sticker führen dazu, das rechte Propaganda im ganzen Landkreis präsent sind und alltäglich werden.
Hinter den Entwicklungen wird ein rechter Jugendmainstream gesehen, der sich teils am Stil der Neonazis aus den 90er Jahren anlehnt, diesen erneuert und mit modernen Elementen vor allem aus der Aktions- und Erlebniswelt des Fußballs verbindet. Vor allem Queerfeindlichkeit und die Markierung „der Antifa“ als politischer Feind werden dabei als ein bindendes Element und ideologischer Einstieg für Jugendliche gesehen.
Die ehrenamtliche Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt Märkisch-Oderland (BOrG) wurde 2002 von Mitgliedern des Alternativen Jugendprojektes 1260 e. V. in Strausberg gegründet. Sie dokumentiert rechte Vorfälle im Landkreis, informiert zu extrem rechten Erscheinungsformen und bietet eine Erstberatung für (potenziell) Betroffene rechter Gewalt an.
Die Chronik rechter Vorfälle im Landkreis wird erst möglich durch aktives Melden an die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt in Märkisch-Oderland.  

Mehr Aus dem Ressort Politik

Am 11. September fand in Müncheberg die Fachtagung der LIGA der freien Wohlfahrtspflege Brandenburg zum Thema Wohnungslosigkeit statt. Eigentlich geht es um Menschen. Aber es ging auch um Daten, Zielgruppen, Bedarfe, Schnittstellen und Hürden. Engagement und Ethik stießen auf Rationalität und Moral.

Welche Herausforderungen gibt es durch die Gesundheitsreform für die ärztliche Versorgung und die Pflege im Landkreis? Die SPD Petershagen-Eggersdorf hatte zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, rund 30 Menschen folgten dem Gespräch zwischen Landrat und Landtagsabgeordneten.

Rund 120 Menschen waren der Einladung zum Bier mit Banaszak in das Gasthaus zur Ostbahn in Trebnitz gefolgt. Die Fragen waren kritisch, die ungeschönten Antworten baten nicht immer um Zustimmung.

Nach der geplatzten Bürgermeisterwahl im Frühling hat Strausberg erneut die Wahl. Am 20. September gehen eine Kandidatin und drei Kandidaten ins Rennen um das höchste Amt in der Stadt. Wir haben Annette Binder, Stephan Blumenthal, Robert Krause und Knut Steinkopf zu Themen befragt, die Strausberg in den kommenden Jahren beschäftigen werden.

Seit April 2025 war die Leitung der Katasterbehörde im Landkreis Märkisch-Oderland unbesetzt. Qualifizierte Bewerber:innen wurden nicht gefunden. Zunächst half Frankfurt/Oder im Rahmen der Amsthilfe aus, nun wird daraus ein Dauerzustand.

Wohnungen im Landkreis sind entweder zu teuer, zu klein oder zu weit weg von den Bedarfen des Alltags. Das Suchen und Finden ist eine Herausforderung, vor allem, wenn die Familien groß sind und der Staat die Miete zahlt. Geflüchteten Familien fällt das aktuell auf die Füße.

Die Dorfbewegung Brandenburg – Netzwerk Lebendiger Dörfer e.V. – führte dieses Jahr zum dritten Mal das "Parlament der Dörfer" durch. Bei diesem wurden Forderungen der Dörfer zusammengetragen und an die Landespolitik übergeben. Ein Gespräch mit Dietrich Arndt.

Am 16. Juli 2026 diskutierte der Gemeinderat in Petershagen/Eggersdorf über Mähroboter und Igel. Die einen wollen ein Verbot, andere vertrauen auf den gesunden Menschenverstand. Regeln sind vorhanden, Kontrolle kaum möglich.

Die Geburtshilfe im Krankenhaus Strausberg kann die Anforderungen der Krankenhausreform weder kurz- noch langfristig erfüllen. Sie wurde deshalb zum 29. Juni eingestellt. Die Immanuel Klinik Rüdersdorf übernimmt die Versorgung ...


Entdecke mehr von Der Blick auf Märkisch-Oderland

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.