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Kunst erleben, wo sie entsteht - das waren die Kunst-Loose-Tage 2026
Wenn sich an den Kunst-Loose-Tagen Türen von Ateliers, Werkstätten, Höfen und Kirchen öffnen, verwandelt sich das Oderbruch in eine lebendige Landschaft voller Begegnungen, Kreativität und Inspiration. Von Simona Koß





Kunst begegnet den Besucherinnen und Besuchern hier nicht mit Distanz, sondern ganz nah – im Gespräch mit den Künstlerinnen und Künstlern, zwischen Keramiköfen, Staffeleien und alten Backsteinmauern. Gerade diese Offenheit macht den besonderen Zauber der Kunst-Loose-Tage aus.
Die Kunst-Loose-Tage unserer Autorin begannen im Atelier von René Arnold und Alabaster Becher (Atelier Nr. 12) in Wilhelmsaue. Schon beim Betreten wurde spürbar, mit wie viel Leidenschaft hier gearbeitet wird. Fotografie, Film und Malerei luden dazu ein, genauer hinzusehen und sich auf Stimmungen, Landschaften und kleine Details einzulassen. Viele Werke wirkten ruhig und gleichzeitig tief bewegend – als würden sie Geschichten erzählen, die erst beim längeren Betrachten sichtbar werden.
Von dort aus führte der Weg weiter in die Fachwerkkirche Wilhelmsaue. Die historische Kirche bot einen eindrucksvollen Rahmen für die Ausstellung der Grenzlandfotografen zum Thema „Energie“. Zwischen den alten Balken und dem besonderen Licht der Kirche entstanden Momente der Ruhe und des Nachdenkens. Die Fotografien zeigten eindrucksvoll, wie vielseitig das Thema interpretiert werden kann – kraftvoll, gesellschaftlich, aber auch ganz persönlich.
Der Begriff Kunst-Loose-Tage ist ein Wortspiel: Schon vor vielen Jahrzehnten zog es Künstlerinnen und Künstler in das Oderbruch. Wenn Sie Glück hatten, fanden sie einen der alten Loose-Höfe als Lebens- und Arbeitsort. Diese wiederum waren im Rahmen landwirtschaftlicher Neustrukturierungen im 18. Jahrhundert entstanden, als Bauern im Losverfahren neue Grundstücke zugeteilt wurden.
In Ortwig öffnete das Atelier Nr. 28 seine Türen. Die Keramikarbeiten von Anette von Rohden und Ingeborg Pape beeindruckten durch ihre feinen Formen und die sichtbare Liebe zum Handwerk. Viele Stücke wirkten zugleich schlicht und voller Ausdruckskraft. Ergänzt wurde die Ausstellung durch die Malerei von Victor Baselly. Seine Bilder lebten von starken Farben, Bewegung und intensiven Kontrasten und zogen die Besucherinnen und Besucher unmittelbar in ihren Bann.
Auch die Station Ortwiger Kruschke bei Antje Scholz machte deutlich, wie vielfältig Kunst sein kann. Malerei, Grafik und Collage begegneten sich hier auf spannende Weise. Besonders schön war die offene Atmosphäre: Menschen kamen miteinander ins Gespräch, tauschten Eindrücke aus und nahmen sich Zeit füreinander und für die Kunst.
Ein weiterer besonderer Ort war die Villa Blunk. Schon das historische Gebäude selbst strahlte eine besondere Wärme und Offenheit aus. Die dortigen Ausstellungen verbanden unterschiedliche Stilrichtungen und Handschriften miteinander und machten sichtbar, wie lebendig und vielfältig die Kulturszene im Oderbruch ist. Kunst und Architektur gingen hier eine ganz eigene Verbindung ein und luden dazu ein, innezuhalten und den Moment zu genießen.
Den Abschluss bildete Klein Neuendorf mit Keramik, Malerei, Zeichnung und Plastik. Besonders die Begegnung mit Dorothee Irene Müller blieb in Erinnerung. Ihre Arbeiten wirkten fein, sensibel und gleichzeitig sehr kraftvoll. Im persönlichen Austausch wurde deutlich, wie viel Hingabe, Erfahrung und Gefühl in ihrer Kunst steckt.
Die Kunst-Loose-Tage zeigen Jahr für Jahr, wie wertvoll kulturelle Begegnungen im ländlichen Raum sind. Sie schaffen Nähe, verbinden Menschen und machen sichtbar, wie viel Kreativität und Leidenschaft im Oderbruch zuhause sind. Gerade diese herzliche Offenheit der Künstlerinnen und Künstler macht die Kunst-Loose-Tage zu etwas ganz Besonderem.
Weitere Impressionen der Kunst-Loose-Tage 2026 finden sich hier: https://kunst-im-oderbruch.de/
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