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„Alles geht den Bach runter“
Die AfD lud zum Bürgerdialog nach Letschin. Der Abend lief nicht wie erwartet – die Anwesenden wollten die negativen Darstellungen der Zustände nicht akzeptieren. Von Christian Göritz-Vorhof
Rund 40 Personen kamen am 13. April 2026 zum Bürgerdialog des AfD-Kreisverbandes Märkisch-Oderland in die Alte Schule nach Letschin. Die Veranstaltung wurde vom Kreisvorsitzenden der AfD MOL, Falk Janke eröffnet. Er begann mit einer Einordnung der Situation der Gemeinde Letschin und den aus seiner Sicht existierenden Problemen vor Ort, ergänzt um einen Abriss über die vermeintlichen Einflüsse auf und Ursachen für diese Probleme: Die Haushaltslage sei „dramatisch“, die Klima- und die Migrationspolitik „nicht gut für uns“. Aufgrund seiner Erfahrungen in der Kommunalpolitik wisse er: „In Kommunalpolitik wird so viel Geld verbrannt.“ Außerdem werde man dort „korrumpiert“. Beispiele oder Belege für seine Behauptungen lieferte er nicht. Sich selbst beschrieb er als jemanden „der Medien hinterfragt“ und „einen kritischen Blick“ auf diese wirft. Nach zwölfminütigem Monolog gab er das Wort an Ralf Janetschek, der als Parteiloser auf der Liste der AfD in den Gemeinderat Letschin gewählt worden war.
Janetschek stellte sich als Elektriker und Maschinenbauingenieur vor, der seit 2024 in der Kommunalpolitik aktiv sei. Er habe längere Zeit in der Schweiz und den USA gelebt und daher wisse er, „wie man mit Zuwanderern umgeht“. Eine Sichtweise, die er in einem in Sophienthal verteilten Flugblatt zum Ausdruck gebracht hatte. In diesem hatte er gefordert: „Einwanderer, egal woher sie kommen, aus der Antarktis oder aus Berlin, haben sich unterzuordnen. Wer dazu nicht in der Lage ist, oder bereit ist, dem wünsche ich gute Heimreise.“ Das Flugblatt und die darin gewählten Formulierung wurden im weiteren Verlauf der Veranstaltung durch mehrere Anwesende angesprochen und mit Ablehnung aus dem Kreis der Anwesenden quittiert.
Janetschek führte weiter aus, dass er und die AfD gegen Solar im Oderbruch seien. Die Ablehnung von Photovoltaik begründete er damit, dass Deutschland sich „nicht mit Lebensmitteln selbst versorgen“ könne und bezog sich auf Maßnahmen aus der Zeit des 1. Weltkriegs, in der die Landwirtschaft intensiviert worden war. Außerdem sagte er: „Mit Wind und Solar kann man keine stabile Energieversorgung bekommen“, das müsse irgendwann zum Scheitern führen. Eine Aussage, die zum Widerspruch aus Reihen der Teilnehmenden führte.
Faktencheck: „Deutschland kann sich nicht mit Lebensmitteln selbst versorgen“: Diese Behauptung stimmt in ihrer Absolutheit nicht. Zwar produzieren deutsche Landwirte wesentlich weniger Obst Obst (18% des Bedarfs) und Gemüse (40% des Bedarfs). Bei anderem Lebensmitteln jedoch haben wir eine Überproduktion: Weizen (108%), Kartoffeln (145%) und Fleisch (120%). Quelle: https://www.landwirtschaft.de/wirtschaft/agrarmaerkte/markt-und-versorgung/der-selbstversorgungsgrad-wie-ist-es-in-deutschland-um-die-versorgung-mit-lebensmitteln-bestellt
Wie Janke problematisierte er die „Finanznöte“ der Gemeinde und kritisierte die zurückliegende Entscheidung zum Bau des Rathauses wegen der Kosten. Als störend werde zudem empfunden, dass der Dorfanger nicht regelmäßig gemäht werde, wohl aber für Dorffeste. Die Durchführung von Dorffesten sei keine Pflichtaufgabe, den Rasen regelmäßig zu mähen jedoch schon. Eine Schilderung, die bei einigen Anwesenden zu Kopfschütteln führte.
Die schlechte Finanzlage sei unzutreffend, unterbrach der amtierende parteilose Bürgermeister Michael Böttcher nach über 30 Minuten die Monologe. Er widersprach den Ausführungen Jankes und Janetscheks und wies den ausschließlich negativen Blick und die Rückwärtsgewandtheit zurück. Dabei hob er unter anderem die Wichtigkeit des Erhalts der kommunalen Verwaltung im Ort hervor und stellte Behauptungen zur Finanzlage richtig. Auf Böttchers konkrete Fragen, warum und in welchem Aspekt „das Oderbruch ausblute“, wie zuvor von Janke behauptet, konnte dieser keine Antwort geben.
Nach insgesamt rund 45 Minuten wurde die erste Frage aus der Runde der Teilnehmenden zugelassen. Auf den Hinweis, dass bei angeblich desolater Finanzlage auf der einen Seite und Einnahmemöglichkeiten aus Photovoltaik durch Solarcent und Gewerbesteuern auf der anderen Seite eine Chance für den Ort und die Region bestünde, wurde nicht direkt eingegangen. Dazu führte Janke aus, dass die Gewerbesteuereinnahmen aus Energieerzeugung in der Region stiegen. Dennoch bezeichnete er die Energiepolitik wiederholt als katastrophal, ohne darzulegen welche Aspekte „katastrophal“ seien, wenn diese doch zu steigenden Gewerbesteuereinnahmen in der Region führte.
Letschins Bürgermeister Michael Böttcher sprach Janke auf das Schlechtreden an und fragte, welche Perspektiven er denn sehe. Janke antwortete, es seien große Betriebe (Viehmast, Schlachtbetriebe) erforderlich. Früher habe es diese in der Region gegeben und wenn der Wind aus der einen Richtung kam, roch man Schweinestall, wenn der Wind aus der anderen Richtung kam, Viehzucht. Janke meinte dazu, „Frauen wussten, wann die Wäsche herauszuhängen“ sei. „Ein Lebensgefühl mit freiem Blick, mit dem Fahrrad ins Nachbardorf fahren können – das wollen wir“, ergänzte er seine Vorstellungen und erhielt auch hier Gegenwind: Ein freier Blick und Großmastbetriebe widersprächen sich. Und was ihn daran hindere mit dem Fahrrad ins Nachbardorf zu fahren konnte Janke ebenfalls nicht beantworten.
Überhaupt führte das Ausbleiben von Antworten auf Fragen mehrfach zu deutlicheren Nachfragen und Hinweisen, dass Janke viel sagt, Argumente oder gar Fakten jedoch vermissen lasse. Selbst nach wiederholtem Nachbohren von verschiedenen Teilnehmenden bekamen die Zuhörer häufig lange Monologe ohne faktenbasierte Antworten.
Dies wurde auch von Dirk Drabinksi, einem Vertreter der Initiative Ostbahn, bemängelt. Er fragte gezielt zum Thema Ostbahn: „Was macht die AfD, dass die Ostbahn ausgebaut wird?“ Die EU und das Land Brandenburg seien dafür, nur der Bund (unter CDU Verkehrsminister Schnieder) sei dagegen. Drabinski stellte fest, dass Janke keine Vorschläge mache und keine Antwort auf die Fragen gegeben habe.
Zum Thema ÖPNV stellte Janke klar, dass die AfD gegen den Ausbau oder die Reaktivierung von Bahnstrecken sei und den Individualverkehr als Lösung für das Oderbruch sehe.
„Sorry“ war eine auf Fragen oft gehörte Antwort. Daneben fiel ein wiederholtes Verwenden folgender Äußerungen auf: „Katastrophe“ oder „katastrophale Zustände“, „Alles geht den Bach runter“, „Es gehen alle vor die Hunde“. Diese wurden von vielen Anwesenden in mehreren Wortbeiträgen zurückgewiesen. Auch wurde die für einen Bürgerdialog sehr einseitige Redezeit von über 80% durch Janke und Janetschek angesprochen und auf kürzere Antworten gedrängt. Janke wich dem aus und antwortete einer Teilnehmerin mit „Sie sind ja in Gesellschaft hier, die mir das Wort im Mund umdreht.“
Festzuhalten bleibt, die Lage der Region wird offensichtlich ganz unterschiedlich wahrgenommen. Den negativen Einschätzungen wurde widersprochen, auf konkrete einige Fragen bekamen die Anwesenden meist keine Antwort.
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