Welche Herausforderungen gibt es durch die Gesundheitsreform für die ärztliche Versorgung und die Pflege im Landkreis? Die SPD Petershagen-Eggersdorf hatte zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, rund 30 Menschen folgten dem Gespräch zwischen Landrat und Landtagsabgeordneten.
„Bier mit Banaszak“ - Bündnisgrüner Vorsitzender auf Tuchfühlung in Trebnitz
Rund 120 Menschen waren der Einladung zum Bier mit Banaszak in das Gasthaus zur Ostbahn in Trebnitz gefolgt. Die Fragen waren kritisch, die ungeschönten Antworten baten nicht immer um Zustimmung. Von Christian Göritz-Vorhof
Am 28.09.2026 luden die Bündnisgrünen Märkisch-Oderland zusammen mit ihrem Bundesvorsitzenden Felix Banaszak zu Bier mit Banaszak ins Gasthaus zur Ostbahn in Trebnitz. „Wir das Bier – ihr die Fragen“, so das Format, zu dem über 120 Personen aus der Region kamen. Das waren mehr, als im Gasthaus Platz fanden und so war auch die Terasse voll besetzt mit Interessierten. „Ich freue mich besonders, hier so viele Menschen zu sehe, die ich gar nicht kenne“, begrüßte Faina Dombrowski, Co-Sprecherin des Kreisverbands, die Teilnehmenden.
Bevor der Bundesvorsitzende sich den Fragen der Gäste stellte, ging er auf die aktuellen Entwicklungen und die Ergebnisse der zurückliegenden Landtagswahlen ein. Die schlechten Vorhersagen für 2026 für die Grünen – sie würden aus weiteren Landtagen fliegen – seien alle nicht eingetreten. Gleichzeitig freue er sich nicht über das Scheitern der CDU an der Fünf-Prozenthürde in Mecklenburg-Vorpommern, da es eine konservative Partei im demokratischen Spektrum brauche.
Ihn treibe der Vertrauensverlust der Menschen in die Fähigkeit des Staates um, Probleme zu lösen: „Wie soll Vertrauen entstehen, wenn wir die kleinen Dinge schon nicht hinbekommen“, stellte er dar. Auch sehe er, dass für viele der Aufruf, sich für die Demokratie einzusetzen, zu einer hohlen Phrase verkommen sei. Als eine Ursache dahinter sehe er selbstkritisch, dass die Grünen, neben den anderen demokratischen Parteien, den öffentliche Raum in den letzten Jahren nicht mehr besetzt hätten.
Als Bundespartei würden sie alles tun, um auch in Ostdeutschland in der Fläche zu bleiben. Dazu soll dieses Format und auch die Eröffnung eines Büros in Brandenburg an der Havel beitragen. Dort hatte er im November 2025 ein Regionalbüro eröffnet.
Keine Politik gegen das Auto, sondern für
leichtere Zugangsmöglichkeiten zu Bus und Bahn
Nach einer knappen halben Stunde, stellte sich Felix Banaszak den Fragen der Teilnehmenden. Wie er angereist sei, wurde gefragt, wie das Wasser in der Landschaft gehalten werden könne, wie Bürgernähe bei Bundestagsabgeordneten erhalten werden kann, wie der Plan sei, die Menschen von „den Blauen zurückzugewinnen“. Thematisiert wurde auch die Ostbahn und deren vermeintliche Militarisierung, die Sondierungen zur Regierungsfindung in Berlin, Vorrang von Photovoltaik (PV) auf versiegelten Flächen bis dahin, wie er zu Fracking stehe und wie in der Pflege wieder zufriedene Pflegekräfte gefunden werden könnten. Und zu guter Letzt die nicht ganz ernst gemeinte Frage danach, wann der Abschied von Frau Ministerin Reiche gefeiert werden könne. Banaszak sei mit einem Elektro-Van angereist, sagte er, auch wenn er öffentliche Verkehrsmittel bevorzugt hätte. Zu oft sei dies aber aufgrund fehlender Verbindungen nicht möglich. Bei dem Thema machte er deutlich, dass die Grünen die Verkehrswende nicht als Politik gegen das Auto sähen. Vielmehr sei der Ansatz, die Nutzung von ÖPNV leichter zu ermöglichen. Mit Blick auf Berlin setze man sich für separate Radwege ein, um diese sicherer zu machen, wovon auch Fußgänger wie Autofahrende profitierten.
Der stellvertretende Landesvorsitzende des BSW, Dirk Drabinski, fragte nach einer möglichen Militarisierung der Ostbahn. Felix Banaszak ging mit einer grundsätzlichen Einordnung zur Ukraineunterstützung und Verteidigungsbereitschaft darauf ein. Dabei räumte ein, dass „die Kommunikation über die Bedrohungssituation, nicht gut“ gewesen sei. Er widersprach dabei der Sicht von Sahra Wagenknecht: „Niemand von uns ist kriegslüsternd.“ Er machte seine Sicht hinsichtlich der Bedrohung aus Russland deutlich: „Wenn wir den Frieden bewahren wollen, dann dürfen wir kein Anzeichen geben, dass wir schwach sind.“
Zur Sorge von zu viel Photovoltaik auf Freiflächen und in Naturschutzgebieten und ob diese nicht nur über versiegelten Flächen errichtete werden können, war die Antwort weniger zum Gefallen des Fragenden. Für die Energiewende reiche es eben nicht aus, die Anlagen nur auf versiegelten Flächen zu errichten. Dazu ergänzte Clemens Rostock, der Landesvorsitzende B90/GRÜNE Brandenburg, dass „die Grünen eine PV-Pflicht für gewerblich genutzte Flächen für Brandenburg bereits eingeführt“ hatten. Diese wurde 2025 von der Nachfolgeregierung wieder abgeschafft, was er als ideologisch motiviert kritisierte.
Angesprochen auf Rechenzentren, hatte Felix Banaszak eine klare Vorstellungen zum Umgang mit diesen. Die Wertschöpfung aus Rechenzentren müsse zum Wohle der lokalen Bevölkerung beitragen.
Gefragt zum Fracking war die Antwort des Grünen deutlich. Die Grünen wollen raus aus der Abhängigkeit sowohl von russischen wie auch US-amerikanischen Gas und grundsätzlich von den fossilen Energieträgern. Dabei sei die Entscheidung nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine von russischem Gas unabhängig zu sein, richtig gewesen. Zum einen um sich nicht von Russland erpressen lassen zu können und zum anderen, um nicht den Krieg gegen die Ukraine mitzufinanzieren, ordnete Felix Banaszak die damalige Entscheidung ein, auf Flüssiggas aus den USA umzusteigen. „Mit PV auf Edeka-Parkplätzen allein, davon werden wir nicht leben können“, stellte Felix Banaszak das Dilemma hinter der Frage nach Freiflächen-PV heraus.
Nicht alle Antworten hatten Begeisterung ausgelöst, dennoch gab es bei klaren Statements auch Applaus. Inmitten der Fragen hatte er ergänzend noch klargestellt: „Die Grünen arbeiten nicht an besseren Menschen, sondern an besserer Politik“. Nach eineinhalb Stunden konzentrierten Zuhörens und über einem dutzend Fragen, nahm sich der Bundesvorsitzende noch Zeit für einige direkte Gespräche.
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