Welche Herausforderungen gibt es durch die Gesundheitsreform für die ärztliche Versorgung und die Pflege im Landkreis? Die SPD Petershagen-Eggersdorf hatte zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, rund 30 Menschen folgten dem Gespräch zwischen Landrat und Landtagsabgeordneten.
Medizinische Versorgung im Landkreis bleibt Kraftakt
Welche Herausforderungen gibt es durch die Gesundheitsreform für die ärztliche Versorgung und die Pflege im Landkreis? Die SPD Petershagen-Eggersdorf hatte zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, rund 30 Menschen folgten dem Gespräch zwischen Landrat und Landtagsabgeordneten. Autor: Alexis Demos, Redaktion: Steffen Blunk
Wie steht es um die Gesundheitsversorgung im Landkreis Märkisch-Oderland? Das ist eine der zentralen Fragen, die am Abend des 21.9. in der Giebelseehalle in Petershagen-Eggersdorf diskutiert wurde. Rund 30 Gäste lauschten der Podiumsdiskussion rund um die aktuellen Herausforderungen der Gesundheitsreform. Geladen waren drei Personen aus der Kommunal- und Landespolitik: Gernot Schmidt, Landrat des Landkreises Märkisch-Oderland und die Landtagsabgeordneten der SPD, Sina Schönbrunn, Sprecherin für Pflegepolitik, und Dr. Jouleen Gruhn, Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit und Soziales.
Alle drei waren sich im Grundsatz einig, dass Gesundheit Daseinsvorsorge ist und es weiterhin großer Anstrengungen bedarf, die wohnortnahe medizinische Versorgung im Landkreis sicherzustellen. Dies betrifft sowohl die finanzielle Situation der Krankenhäuser und medizinischen Versorgungszentren als auch die Pflegeangebote und Ärzteversorgung. Mit Blick auf die Gesetzgebungskompetenz des Bundes seien aber bei diesen Themen noch einige dicke Bretter zu bohren. Die Veranstaltung bot eine gute Orientierung, wo der Landkreis derzeit steht.
Der Landkreis Märkisch-Oderland bewegt sich mit seinen urbanen und ländlichen Regionen in einem Spannungsfeld. Ländliche Regionen mit älterer Bevölkerung haben einen anderen medizinischen Bedarf als Metropolregionen. Dr. Jouleen Gruhn hob in diesem Zusammenhang hervor, dass die Krankenhaussituation im Landkreis grundsätzlich vorbildlich sei. Gleichwohl müsse der Bund mit Blick auf seine Gesetzgebungskompetenz für weitere Strukturreformen sensibilisiert werden.
Das ist eine Anspielung darauf, dass das aktuelle Krankenhausreformanpassungsgesetz zwar finanzielle Entlastungen für die kommunalen Träger vorsieht, der Bund aber mit dem GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz den Versorgungsauftrag zugleich an standardisierte Leistungsgruppen gekoppelt hat. Diese Transformation bedarf Zeit und Geld. Umso wichtiger sei es, dass das Land Brandenburg hierfür rund 460 Millionen Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz bereitgestellt habe. Geld, das gemeinsam mit den Kommunen für die Transformation der Krankenhausversorgung und die Sicherung der regionalen Gesundheitsversorgung genutzt werden solle. Landrat Gernot Schmidt betonte mit Blick auf die drei Krankenhäuser in Seelow, Strausberg und Wriezen, dass der kommunale Träger sich derzeit damit befassen würde, sich auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen. Das Geld sei wichtig, um die Standorte in der Fläche als Einrichtung zur Erstaufnahme von Verletzten zu erhalten.
Ein weiteres zentrales Thema, welches diskutiert wurde, ist die aktuelle Situation in der Pflege. Sina Schönbrunn sprach sich dafür aus, den Eigenanteil von Angehörigen zu deckeln. Das sei ihr primäres Ziel. Die Kosten würden mittlerweile durch die Decke gehen, gleichzeitig seien alle Einrichtungen im Landkreis ausgelastet und Neuaufnahmen mit langen Wartezeiten verbunden. Kritik übte sie auch am Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) des Bundesministeriums für Gesundheit. Es sei wichtig, dass dieser grundlegend überarbeitet werde, um Auswirkungen auf die Versorgung und finanzielle Situation der Angehörigen abzufedern. Dies sei so nicht hinnehmbar. Die Initiative im Bundesrat sei daher richtig und wichtig.
Stoff für Diskussionen bot auch die Zukunft rund um die Ärzteversorgung im Landkreis. Gerade im ländlichen Raum im Oderbruch gebe es laut den Teilnehmenden einen großen Bedarf an Haus- und Fachärzten. Das Land Brandenburg habe sich hier bereits auf den Weg gemacht, merkte Dr. Jouleen Gruhn an. Mit dem Gesetz zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung sei eine Landarztquote für das Medizinstudium eingeführt worden. Diese gehe mit einer Verpflichtung einher, zehn Jahre nach Abschluss des Studiums auf dem Land tätig zu sein. Sie wies aber auch darauf hin, dass der demografische Wandel auch vor der Ärzteschaft in Brandenburg keinen Halt mache. Angesichts dessen sei es erforderlich, die Universitätslandschaft entsprechend aufzustellen, ausländische Fachkräfte anzuwerben und die ambulante Bedarfsplanung zu reformieren. Sina Schönbrunn pflichtete ihr bei, dass die Landarztquote ein sinnvolles Instrument zur Personalgewinnung und Entspannung der Versorgungssituation auf dem Land sei. Landrat Schmidt ergänzte, dass Aus- und Weiterbildung wichtige Faktoren für die Versorgung im Landkreis seien. Wichtig sei ihm aber auch der Abbau des bürokratischen Aufwands bei der Prüfung und Abrechnung von anerkannten medizinischen beziehungsweise ärztlichen Leistungen. Anerkannte Leistungen würden oftmals erst ein halbes Jahr oder ein Jahr später abgerechnet. In diesem Zeitraum sei es grundsätzlich schwierig, die erforderliche Liquidität sicherzustellen.
Am 2. November wird in der Stadtpfarrkirche in Müncheberg erneut eine Diskussionsrunde zum Thema Gesundheit vor Ort mit verschiedenen Akteuren aus dem Landkreis Märkisch-Oderland und dem Land Brandenburg stattfinden.
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