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E-Auto im Alltag Level 2 - ohne eigene Steckdose
Gedöns oder deutsche Ingenieurskunst? In der Ausgabe 3/26 berichteten wir über die Elektroflotte des STIC. Wie aber sieht die E-Autonutzung konkret im Alltag aus, wenn nur öffentliches Laden möglich ist? In Märkisch-Oderland gibt es mittlerweile 131 öffentliche Ladepunkte. Ladestationen in Wohngebieten mit Mehrfamilienhausbebauung sind bisher überschaubar. Ein Interview mit Flitzi, einem sechs Jahre alten E-Auto ohne persönlichen Ladeplatz.
Von Christian Göritz-Vorhof und Juliane Roschitz
Hallo Flitzi. Du bist ein E-Auto und vorrangig im Landkreis, aber auch außerhalb unterwegs. Du warst auch schon in Hamburg, Dresden, Eisenhüttenstadt, Jüterbog, Potsdam, Fürstenwalde und Berlin. Menschen sind der E-Mobilität gegenüber misstrauisch, zweifeln an, dass man seine Ziele erreicht und einigen ist es zu leise. Autofahren muss Geräusche machen und mit euch kommt man nicht weit. Was sagst du dazu?
Flitzi: Ich höre das oft, dass Menschen anzweifeln, dass man auf dem Weg zum Ziel sicher laden kann. Mir fehlt da die Erfahrung, aber wie ist es bei der Suche nach Tankstellen? Ich schätze es ist ähnlich. Da wo ich oft bin, weiß ich, wo ich gut laden kann. Da wo ich noch nie war, muss ich nach einer Ladesäule suchen.
Wie suchst du die Säulen?
Flitzi: Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Wir nutzen eine App, in der erfolgt die Routenplanung. Sie berücksichtigt auch Anforderungen daran, wie der Akkustand bei Ankunft sein soll. Dann gehts los. Die App zeigt auch, wo es weitere Ladepunkte gibt, zu welchem Preis und in welcher Geschwindigkeit geladen werden kann.
Ist das Laden kompliziert?
Flitzi: Nein. Laden ist sehr einfach. Eigentlich ist es wie bei einem Verbrenner. Nur das Bezahlen ist anders. Also konkret, Tankdeckel auf, Zahlungsmittel an die Ladesäule halten, auf das Go warten, Ladekabel mit dem Auto verbinden, fertig. Und wenn der gewünschte Akkustand erreicht ist, Zahlungsmittel an die Säule halten, oder Ladevorgang beenden wählen, Stecker abziehen, fertig.
Was meinst du mit Zahlungsmittel? Eine Kreditkarte?
Flitzi: Kreditkarte geht mittlerweile auch, ja. Aber wir haben einen Chip von einer Firma, die wiederum verschiedene Anbieter gebündelt anzeigt und abrechnet. Zusätzlichen haben wir noch Karten von unterschiedlichen Anbietern, mit denen es bessere Tarife gibt und bei denen wir oft laden. Auch die Strausberger Stadtwerke sind dabei.
Jedes Auto ist umweltschädlich. Ob fossil oder elektrisch.
Kommen da zusätzliche Kosten auf einen zu?
Flitzi: Der Chip hat zehn Euro gekostet. Ansonsten sind die Nutzung und die Karten, die wir haben ohne weitere Kosten. Es gibt aber auch welche mit monatlicher Grundgebühr, bei denen dann die Tarife günstiger sind. Für Menschen, die viel unterwegs sind, ist das sicher einer gute Sache.
Und Flitzi, Du hast keine eigene Steckdose, keine Wallbox. Geht das gut mit dem „nicht vor der Haustür laden“?
Flitzi: Ja, ich wohne ja in Strausberg und da gehen wir auch einkaufen und da arbeiten wir auch. Mein Eigentümer ist aber auch gut zu Fuß und eh mobil. Er bringt mich dann zu einer Station, geht wieder nach Hause, arbeiten oder einkaufen. Er ist da sehr flexibel und lädt einfach immer da, wo wir grad sind. Bisher war es nie kritisch mit dem Ladestatus. In einer anderen Lebenssituation, wenn man Kinder hat, schlecht laufen kann oder eben keine Ladestation im Bewegungsradius vorhanden ist, ist das sicher schon schwieriger. Aber möglich ist es auf jeden Fall.
Wie ist es bei längeren Strecken. Sagen wir nach Dresden oder Hamburg. Wie läuft das da, wie lange dauert es dich aufzuladen und stimmt es, dass das so ewig lange dauert?
Flitzi: Anfangs war das aufregend. Es gab kaum Hinweise auf der Autobahn, wo laden möglich ist Da mussten wir schon ein bisschen vorausschauender und vorsichtiger Ladepunkte suchen. Konkret sind wir dazu einfach an Raststätten rangefahren und haben geschaut, ob es Ladesäulen gibt. Hilfreich ist natürlich, wenn die App gut gepflegt ist, dann stimmen die Ladepunkte der Karte auch mit der Realität überein. Zur Dauer: Laden an einer Autobahnraststätte ist meistens sehr schnell. Mein Fahrer steckt mich an, geht auf Toilette, holt sich vielleicht noch einen Kaffee oder checkt den nächsten Ladepunkt und dann gehts nach 10-15 Minuten auch schon weiter. Ich bin dann noch nicht ganz voll, aber dass muss ich auch nicht sein. Ich fahre trotzdem. Die Zeiten des Ladens nehmen die Menschen, die bisher bei mir mitfuhren auf jeden Fall als positive entschleunigende kleine Pause war, die sonst nicht möglich scheint. Klingt komisch, ist aber so.
Manchmal halten wir auch bei McDonalds oder fahren von der Autobahn ab und nehmen die nächste Station bei Aral oder Shell. Die haben mittlerweile überall Schnelladesäulen und tolle Kaffeeangebote. Also Lademöglichkeiten gibt es überall und das wird auch jeden Tag besser. Mittlerweile gibt es auch Ladestationen auf den kleinen Raststätten, wo es nur ein Toilettenhäuschen gibt und Piktogramme für E-Ladesäule an den Autobahnschildern.
Ok, kommen wir zum nächsten Kritikpunkt. E-Autos sind nicht umweltfreundlich.
Flitzi: Ja, stimmt. Autos sind ehrlich gesagt generell nicht umweltfreundlich. Unabhängig von der Antriebsart müssen wir mit viel Ressourceneinsatz hergestellt werden, transportiert werden, die Straßen und Parkplätze, die wir benötigen sind ebenfalls schädlich und dann auch noch der Reifenabrieb. Zudem sind wir – egal ob elektrisch oder fossil – gefährlich für Menschen. Es gibt viele Menschen, die aufgrund von Unfällen mit Autos verletzt wurden oder sogar verstorben sind.
Anforderungen an Batterien im E-Auto sind höher,
als an alle anderen Lifestyle-Geräte.
Aber konkret zu den Bedenken zum Thema Batterie und der Herstellung und so weiter?
Flitzi: In der Herstellung brauchen wir – ebenfalls wie alle Autos – viel Energie und viele Ressourcen. Da wir beim Fahren keine fossilen Brennstoffe nutzen sind wir spätestens nach 90.000 Kilometern besser in der Klimabilanz als Verbrenner. Zum Thema Batterie: Die Herstellung aller Batterien ist umweltschädlich. Das betrifft auch die Batterien in allen anderen akkubetriebenen Geräten von Handy bis E-Roller und die Spaßgeräte für den Wassersport, Pumpen, E-Fahrräder. Es ist sehr wichtig, dass hier bei der Herstellung sorgsam, nur durch Erwachsene und entsprechend dem Lieferkettengesetz gearbeitet wird. Und auch ist es sehr wichtig, dass die Batterien auch nach ihrem Einsatz im Auto noch genutzt werden. Ich will es nicht zu laut sagen, aber ehrlicherweise wäre es gut, wenn die Menschen überhaupt weniger Auto fahren würden und wenn sie grundsätzlich weniger verbrauchen und konsumieren und kaufen würden. Aber zurück zur Batterie: Die sind mittlerweile wirklich gut und halten sehr lange. Seht mich an, ich bin sechs Jahre alt und meine Batteriekapazität ist dennoch bei 100 Prozent. Aber ich verstehe, dass Menschen hier gern mehr Sicherheit hätten. Auswechselbare Batterien sind da vielleicht eine Lösung.
Ja, ein E-Auto ist oft noch teuer als ein fossilbetriebenes Fahrzeug. Gebraucht gibt es euch erst seit einigen Jahren und selbst dann ist es für viele eine große Investition. Kommen wir zum nächsten Kritikpunkt: Die Reichweite. Wie sieht es damit aus
Flitzi: Ich persönlich bin als Stadtauto gebaut worden und habe eine Akkukapazität von 42 Kilowattstunden. Im Sommer verbrauche ich 13 Kilowattstunden pro 100 Kilometer im Stadtbetrieb. Das enspricht theoretisch 320 Kilometer Reichweite. Theoretisch deshalb, weil sich – wie bei allen Autos – der Verbrauch erhöht und die Reichweite verringert, wenn man schneller fährt, die Klimaanlage oder die Heizung genutzt werden. Dabei spielt die Fahrweise natürlich eine große Rolle.
Unter optimalen akkuschonenden Ladeständen zwischen 20 und 80 Prozent, liegt die Reichweite bei knapp 200 Kilometer. Im Winter reduziert sich das noch einmal. Im Vergleich zu Dieselautos, die 1000 Kilometer mit einer Tankfüllung schaffen klingt das wenig und ja, eine mögliche Reichweite von 1000 mit 200 Kilometern zu tauschen, stelle ich mir schon schwer vor. Gleichzeitig benötigen die meisten Menschen pro Tag nur 60 Kilometer. Und die sind schon wirklich entspannt drin. Vor allem auch, wenn ich abends zuhause geladen werden kann.
Ok. Haben wir noch was vergessen?
Flitzi: Die fehlenden Geräusche, die Menschen vermeintlich benötigen, um Fahrspaß zu empfinden.
Ach ja. Genau. Was sagst du dazu?
Flitzi: Es ist interessant. Blubbernde Motoren lösen in Menschen – Männern – offenbar etwas aus. Ich kann das nicht gut nachvollziehen, aber ich will es niemandem absprechen, dass es so ist. Allerdings klingen die wenigsten Autos so schön blubberig. Das sind ja eher die Porsche-Autos und die teuren Autos. Und interessanterweise hat gerade Porsche eine elektrische Version. Also, was ich sagen will: Die Mehrheit der Menschen fährt kein Auto mit schönen Geräuschen. Die meisten machen einfach nur Geräusche und Gestank. Die Vorteile eines E-Autos sind schon nicht von der Hand zu weisen und Fahrspaß gibts inklusive.
Hintergrund
Preise und Preisvergleich
Neben der Reichweitefrage sind Ladekosten bei öffentlichen Ladestationen und die Ladedauer weitere Aspekte, die Menschen vom Kauf eines E-Autos abhalten.
Was kosten 100 Kilometer elektrisch fahren ohne den relativ günstigen Stromtarif eines Hausanschlusses?
Mit dem Tarif der Stadtwerke Strausberg liegen meine Kosten pro Kilowattstunde bei 0,49 Euro bei 11 Kilowattstunden Ladeleistung bzw. bei 0,57 Euro beim Schnellladen.
Abseits davon sind sowohl günstigere Tarife (Supermärkte) wie auch höherer Kosten, abhängig ob mit gebuchter Ladekarte geladen wird oder ohne Tarif geladen werden muss, möglich. Bei Flitzi liegen die Fahrtkosten im Jahresmittel bei 8,50 € auf 100 Kilometer, bei hälftiger Strecke Überlandfahrten, davon zehn Prozent Autobahn.
Aktuelle Ladesituation
80 Prozent der in Deutschland zugelassenen E-Autos werden zu Hause geladen. Gleichzeitig befinden sich 70 Prozent der Wohnungen in Deutschland in Mehrfamilienhäusern. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass auf diese 70 Prozent der Wohnungen nur 20 Prozent der Elektroautos entfallen. Der Zusammenhang ist offensichtlich, am Eigenheim ist das Laden mittels Wallbox oder Steckdose einfach möglich, dagegen vor Mehrfamilienhäusern schwierig.
In der Studie >> Laden in Mehrfamilienhäusern << des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI wurden die Rahmenbedingungen und verschiedenen Perspektiven von Wohnungswirtschaft und Bewohner:innen aufgezeigt und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Dabei wurde die Attraktivität verschiedener Ladelösungen für die befragten Bewohner:innen ermittelt. Die private Wallbox wurde am attraktivsten bewertet, die Abhängigkeit von Quartierslösungen oder öffentlichen Ladepunkten als am wenigsten attraktiv. Die Hälfte der Teilnehmer:innen möchte weniger als 100 Meter zwischen Wohnung und Ladestation zurücklegen, 20 Prozent sind bereit auch 500 Meter und mehr zurückzulegen.
Beim Preis wollten die Befragten im Schnitt 7 Euro für das Laden für 100 Kilometer zahlen. Abhängig vom Verbrauch des E-Autos, welcher wesentlich vom Fahrprofil abhängt, entspricht das etwa 0,33 Euro pro kWh (21 Kilowattstunden pro 100 Kilometer) während die Befragten für Kraftstoff im Mittel 11,50 Euro pro 100 Kilometer bezahlen.
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