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Wappen und was sie uns sagen wollen – Teil 6: Neuhardenberg
Viele Gemeinden und Landkreise haben Wappen. Sie sind Wegweiser zu Orten und eröffnen Zugang zu Geschichten. Diesmal geht es um das Wappen von Neuhardenberg. Von Juliane Roschitz
Neuhardenberg hieß mit der ältesten Erwähnung von 1348 mal Quilicz, das bedeutet „Ort, an dem Leute eines Mannes namens Kwila wohnen“. Kwila, kwilić, kvílet, kwilic kann wiederum zweierlei bedeuten: Zum einen den für Vögel typischen Laut von sich geben, wie Zwitschern oder Trillern. Und zum anderen weinen, klagen, verzweifeln.
Der Ort wechselte mehrfach die Besitzer:innen. Darunter waren die Kurfürstin Dorothea von Brandenburg, Friedrich Wilhelm Bernhard von Prittwitt, Friedrich Wilhelm III und der Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg. Letzterer ließ den Ort 1814 in Neu-Hardenberg umbennennen. Und es folgen nochmals zwei Umbenennung.
1921 übernahm Carl-Hans Graf von Hardenberg, ein Nachfahre des Fürsten, den Ort. In der Region engagierte er sich als Kommunalpolitiker im Kreis Lebus. Nach der Machtübernahme des NS-Regimes am 30. Januar 1930 weigerte er sich der NSDAP beizutreten und schied aus allen öffentlichen Ämtern aus. Sein Gut in Neuhardenberg wurde in der Folgezeit zum Treffpunkt der Widerstandstruppe.
Wegen seiner maßgeblichen Beteiligung am Unternehmen Walküre wurde von Hardenberg verfolgt und verhaftet. Zum Gerichtsprozess kam es nicht mehr, da das KZ Sachsenhausen in dem er inhaftiert war, im April 1945 vor dem Prozess befreit wurde.
Nach dem Krieg verlor von Hardenberg sein Gut durch Enteignung. Er selber lebte bis zum Tod in Kronberg im Taunus in Hessen. Nach seinem Tod lehnten die Verantwortlichen der nächsten Staatsmacht die Beisetzung seiner Urne in Neu-Hardenberg ab. Nach der Wiedervereinigung, dann in der Bundesrepublik Deutschland, durfte die Asche von ihm und seiner Frau dort beigesetzt werden.
Zurück zu Neuhardenberg: Kurz vor der Gründung der DDR wurde der Ort – beschlossen durch die Gemeindevertretung – am 1. Mai 1949 zu Marxwalde umbenannt. Aus dem ritterlichen Gut wird ein sozialistisches Musterdorf. 1991 wurde der Ort erneut in Neuhardenberg zurückbenannt. Diesmal aber ohne Bindestrich.
Und das Wappen? Es ist die Kurzfassung dieser Geschichte in drei Feldern und 1997 geschaffen. Die amtliche Beschreibung klingt wie ein Zauberspruch: „Halbgespalten und geteilt; Feld 1: in Silber ein silbern-bewehrter, rot-gezungter schwarzer Keilerkopf, Feld 2: in Rot ein silbernes Johanniterkreuz, Feld 3: in fünf Reihen schwarz-gold geschacht.“
Oben links schaut ein schwarzer Wildschweinkopf mit silbernen Hauern und roter Zunge aus dem Schild. Er stammt aus dem Familienwappen der Hardenbergs. Der Staatskanzler hat dem Dorf also nicht nur seinen Namen hinterlassen, sondern auch sein Wappentier.
Oben rechts leuchtet ein Johanniterkreuz. Quilitz gehörte diesem Orden bis 1763 an. Daneben war Markgraf Karl Friedrich Albrecht von Brandenburg-Schwedt von 1731 bis 1762 Herrenmeister der Ballei Brandenburg des Johanniterordens und damals der Gutsherr. Worin letztlich der Bezug liegt, darin gehen die Erklärungen auseinander.
Unten liegt ein schwarz-goldenes Schachbrett in fünf Reihen. Figuren stehen keine darauf. Es stammt aus dem Wappen der Familie von Prittwitz. 1763 erhielt Rittmeister Joachim Bernhard von Prittwitz das Schloss von König Friedrich II. als Dank für die Rettung in der Schlacht von Kunersdorf 1759.
Für ein Dorf, in dem Könige, Kanzler und Staatsführungen jahrhundertelang ihre Züge gemacht haben, ist das vielleicht die klügste Lösung: Das Brett bleibt, die Spieler wechseln.
Prittwitz, Schinkel, Meil, Martini, Heyfelder und weitere sind für die herrschaftliche Optik des Ortes, der Gebäude, des Parks verantwortlich. Prittwitz ließ 1790 anstelle eines markgräflichen Amtshauses ein Schloss bauen und den Barockgarten in einen englischen Landschaftsparkt umgestalten. Die anderen Herren entwarfen und setzten um.
Falls Sie dazu mehr wissen, schreiben Sie uns: wappen@mol-blick.de
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