Wohnungen im Landkreis sind entweder zu teuer, zu klein oder zu weit weg von den Bedarfen des Alltags. Das Suchen und Finden ist eine Herausforderung, vor allem, wenn die Familien groß sind und der Staat die Miete zahlt. Geflüchteten Familien fällt das aktuell auf die Füße.
Mähroboter, Igel und der gesunde Menschenverstand
Am 16. Juli 2026 diskutierte der Gemeinderat in Petershagen/Eggersdorf über Mähroboter und Igel. Die einen wollen ein Verbot, andere vertrauen auf den gesunden Menschenverstand. Regeln sind vorhanden, Kontrolle kaum möglich. Von Juliane Roschitz & Christian Göritz-Vorhof
In Petershagen/Eggersdorf stand das Thema Igelschutz wieder auf der Agenda, Diesmal forderte die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, dass sich der Landrat für den Schutz von Igeln und anderen kleinen Wirbeltieren einsetzen soll. Die untere Naturschutzbehörde des Landkreises soll auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) kreisweite sinnvolle Regelungen erarbeiten. Es geht zentral um Mähroboter. Diese sind für Igel per se gefährlich und die Wahrscheinlichkeit für Zusammenstöße mit Verletzung und Tötung noch höher, wenn der Einsatz des Roboters auf die Aktivitätszeit des Igels trifft, also in der Dämmerung oder Dunkelheit. Das automatisierte Mähen ausschließlich am Tage könnte ein Beitrag für die Unversehrtheit der Igel sein. Der Landrat setzte beim Einsatz der Roboter bisher auf den gesunden Menschenverstand. Andere wollen alles, aber keine Verbote.
Die Igelnotstation „Stachelkugel“ in Petershagen kann vom Einsatz des gesunden Menschenverstandes nicht viel erkennen. Igel, die bei Ihnen abgegeben werden sind teils schwer verletzt und zwar vom Schneidwerk der Gartenhelfer. Vor einem Jahr wandte sich die Igelnotstation deshalb an Gemeindevertreteter:innen von Die Linke, um ein Nachtmähverbot zu erreichen und damit der steigenden Anzahl von Igeln mit Schnittverletzungen entgegenzuwirken.
Gesunder Menschenverstand
Der Schutz von Wildtieren ist im BNatSchuG geregelt und eindeutig. Demnach ist es verboten, „wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten“. Paragraf 44 konkretisiert diese Regelungen für besonders geschützte Tierarten, wozu der Igel als „heimische Art“ gehört. Laut Tierschutzgesetz (TierSchG) und gesundem Menschenverstand trägt zudem der Mensch die Verantwortung für das Tier als Mitgeschöpf, dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen sei. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Die Gemeinde sei jedoch nicht zuständig, weshalb jetzt die BündnisGrünen einen Appell an den Landrat senden wollen. Landrat Gernot Schmidt sieht jedoch vorrangig andere Gefahren für Igel, zum Beispiel der verdichtete Verkehr, das Siedlungswachstum, Hunde, andere Wildtiere und Unterernährung. Das seien seiner Aussage nach deutlich größere Probleme für die Gesamtpopulation des Igels. Weiter führte er aus, dass eine ordnungsrechtliche Regelung auf Landkreisebene – wegen der Personalkosten und der Bereitstellung der Dienstfahrzeuge – nicht durchsetzbar sei. Auch führte der Landrat aus, dass ein Großteil der Mähroboter vormittags aktiv sei, wenn die Bewohner aus dem Haus sind. Er setzt neben der Sensibilisierung im Biologieunterricht grundsätzlich auf den besagten gesunden Menschenverstand.
Mähroboter im Test - kein Gerät erkannte Igel im Gras
Laut Hersteller der Roboter wird auf den Schutz der Tiere geachtet und ein Umlenken der Geräte eingeleitet, wenn ein Hindernis auftaucht. Testergebnisse für Mähroboter geben an, dass Hindernisse dank Kameras, Sensoren und der hinterlegten Software immer besser erkennen. Laut der Zeitschrift „Test“ der Stiftung Warentest heißt es im April 2022 jedoch, dass fast alle getesteten Modelle durch die Sicherheitsprüfung fielen.
Ein im Gras liegendes Hindernis wurde von nur einem Modell als solches erkannt. Alle anderen überfuhren es und hätten – wäre es ein Tier –„verletzt“.
Eine Studie der Universität Aalborg in Dänemark bestätigt dies im Test mit 18 Mährobotern anhand von Kadavern kurz zuvor gestorbener Igel. „Keines der Geräte erkannte die im Gras liegenden Igel vor dem Aufprall als Hindernis; manche fuhren sogar über sie hinweg und fügten ihnen Verletzungen unterschiedlicher Schwere zu – darunter Schnittwunden, amputierte Gliedmaßen und aufgeschlitzte Bäuche.“
Fast die Hälfte der schnittverletzten, versorgten Igel sterben.
Wer hat nun Recht? Wir fragten Steffi Schwabe von der Igelnotstation und sie nennt als Einlieferungsgründen zuerst Unterernährung und Dehydration – Folgen steriler Gärten ohne Insekten und des Klimawandels. „Die Igel sind die totalen Verlierer.“ Weitere Gründe sind Abszesse von vorherigen Verletzungen von Zäunen, in denen die Tiere hängen blieben oder von gequetschten Körperteilen.
Und dann sin da die Verletzungen von Mährobotern. Diese Verletzungen verursachen die mit Abstand stärksten Verletzungen. „Mähroboter fahren auf die Igel auf, nutzen sie quasi als Rampe und reißen richtige Stücke heraus. Die ‚Standardverletzung‘ ist die Skalpierungen, wo Teile oder das ganze Gesicht weggeschnitten werden. Die meisten Mähroboterverletzten können wir nicht retten.“ macht Steffi Schwabe deutlich und verweist auf Fotos von verstümmelten Tieren.
Am Beispiel eines gerade mit eines Schnittverletzung eingelieferten Tieres macht sie den Zusammenhang deutlich. „Die Igelin ist gut genährt und gesund. Als nachtaktives Tier hatte sie daher keinen Grund tagsüber aktiv gewesen zu sein. Die Schnittverletzung stammt daher von einem Mährrobotor der nachts im Betrieb war“.
Zwischen 2022 und 2024 sammelte das Leipnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Zusammenarbeit mit Igelauffangstationen Daten von Igeln mit Schnittverletzungen. Daran hat sich auch die Station Stachelkugel beteiligt. Die Fälle häuften sich, die Belastung bei der Behandlung und Pflege der verletzen Igel stieg. Zum anderen verstarben fast die Hälfte (47%) der gefundenen und gemeldeten Tiere an den Verletzungen.
Die Verletzungen betreffen nicht nur Igel. Die Mähroboter mit den rotierenden Klingen sind auch für Kröten, Eidechsen, Schleichen, Grashüpfer oder Spinnen eine Gefahr. Tiere, die im Gras leben, werden nicht von den Sensoren und Kameras erkannt und kein Ausweichen eingeleitet. Insbesondere aber für Igel geht eine Begegnung oftmals tödlich aus, da sie bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich im Vertrauen auf ihre Stacheln zusammenrollen.
Wie können heimische Wildtiere geschützt werden?
Laut Landrat und Steffi Schwabe müssen die Lebensräume der Tieren erhalten bleiben und wieder zurückgeben werden. Es hilft den Tieren, wenn seltener gemäht wird, wenn Wiesenteile stehen bleiben, wilde Gärten entstehen, mehr Wasserstellen zur Verfügung stehen. Die Lebensgrundlagen für Kleinstlebewesen sind zu schützen, zu erhalten, zu erweitern.
Es braucht Nistkästen, Wildblumen, naturbelassene entsiegelte Flächen, begrünte Dächer und Fassaden, Schatten, Bäume, Laubhaufen und Winterquartiere, Ruhe für Tiere, ungestörte Winterruhe. Also keine Knaller, angeleinte Hunde, Vorsicht im Straßenverkehr, keine Gifte im Garten, Bewusstsein dafür, dass Menschen mit den Tieren leben und für sie und ihren Lebensraum verantwortlich sind.
Aus Sicht von Steffi Schwabe und den kommunalpolitischen Mitstreiter:innen macht es sich die Verwaltung zu einfach. „Wie die Zahlen belegen, reicht es nicht aus nur zu informieren, reicht es nicht aus aufzuklären. Deshalb braucht es – neben anderen Tierschutzmaßnahmen – ein Nachtfahrverbot für Mähroboter.“ Mehr als ein Dutzend Städte hat ein Nachtfahrverbot für Mähroboter eingeführt. Und wer kein Verbot will setzt auf den gesunden Menschenverstand.
Igelstation Stachelkugel
Die Igelnotstation Stachelkugel/Petershagen in Petershagen kümmert sich seit über fünf Jahren mit ehrenamtlichen Helfer:innen um verletzte oder in Notlagen aufgefundene Igel. Steffi Schwabe und ein Team von 35 Helfer:innen stellen die medizinische Erst- und Folgeversorgung und Pflege der Tiere täglich sicher. Im Team versorgen, pflegen, füttern und dokumentieren sie dabei jedes Tier in einer elektronischen Patientenakte. So konnte auch festgehalten werden, dass seit der Gründung die Anzahl der versorgten Igel stetig anstieg. Von zwei Tieren im Jahr 2020, über 26 im Folgejahr sprang die Zahl der Tiere 2022 auf 138, ein Jahr später auf 307, 2024 auf 449 und auf 635 Tiere im Jahr 2025. Bis Ende Juli 2026 wurden dieses Jahr bereits 245 Igel versorgt. Davon sind 20 stationär aufgenommen, zwölf in Intensivplätzen. Aufgrund der hohen Zahl hat die Station seit Mai einen Aufnahmestopp.
Nach Behandlung und Pflegen kümmert sich ein Netzwerk von insgesamt 120 Päpplern darum, die Igel wieder fit zum auswildern zu machen. Die Behandlung und Versorgung der Igel wird dabei rein durch ehrenamtliches Engagement getragen. Das medizinische Material, Futter sowie Ausstattungen wird aus Spenden finanziert.
Finden Sie ein verletztes Tier ist die Igelnotstation trotz des Aufnahmestopps „dennoch täglich telefonisch ab 16 Uhr erreichbar, um Findern zur Erstversorgung beraten zu können und auf andere Igelstationen verweisen zu können“, macht Steffi Schwabe deutlich.
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