Nach der geplatzten Bürgermeisterwahl im Frühling hat Strausberg erneut die Wahl. Am 20. September gehen eine Kandidatin und drei Kandidaten ins Rennen um das höchste Amt in der Stadt. Wir haben Annette Binder, Stephan Blumenthal, Robert Krause und Knut Steinkopf zu Themen befragt, die Strausberg in den kommenden Jahren beschäftigen werden.
Kandidatencheck: Was wird aus Strausberg nach der Wahl?
Nach der geplatzten Bürgermeisterwahl im Frühling hat Strausberg erneut die Wahl. Am 20. September gehen eine Kandidatin und drei Kandidaten ins Rennen um das höchste Amt in der Stadt. Wir haben Annette Binder, Stephan Blumenthal, Robert Krause und Knut Steinkopf zu Themen befragt, die Strausberg in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Von Steffen Blunk
Themenkreis 1: Klimaanpassung
Welche Klimaanpassungsmaßnahmen planen Sie, um Strausberg resilient gegen zukünftige Hitzewellen zu machen?
Annette Binder:
Der seit 2020 beschlossene Hitzeschutzplan muss endlich erarbeitet und dann vor allem umgesetzt werden. Für mich geht es dabei um ganz konkrete Fragen: Wo entstehen Hitzeinseln? Wo fehlen Schatten und Bäume? Wo können Flächen entsiegelt werden? Wie halten wir Regenwasser länger in der Stadt?
Klimaanpassung darf dabei nicht zwischen verschiedenen Fachbereichen liegen bleiben. Deshalb gehört der bereits von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Klimamanager für mich direkt in die Stabsstelle der Bürgermeisterin. Dort können Hitzeschutz, Wasser, Stadtgrün und Klimaanpassung gebündelt und fachbereichsübergreifend vorangetrieben werden.
Ich möchte keine weiteren Konzepte für die Schublade. Es braucht klare Zuständigkeiten, Maßnahmen, Termine – und jemanden, der nachhält.
Stephan Blumenthal:
Anm. d. Redaktion: Stephan Blumenthal hat seine Antworten zu den einzelnen Themenkreisen zusammengefasst, so dass wir nur eine Anwort zu allen Fragen des jeweiligen Themenkreises haben.
Robert Krause:
Ein Hitzeschutzkonzept darf kein Papier für die Ablage sein. Den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung von 2020 werde ich umsetzen. Im Mittelpunkt stehen für mich dabei drei konkrete Maßnahmen, auf die wir als Stadt Einfluss haben: Erstens ein freiwilliges und datenschutzkonformes kommunales Hitzeregister, damit besonders gefährdete Menschen bei Hitzealarm aktiv kontaktiert werden können; zweitens öffentliche klimatisierte Räume in geeigneten Gebäuden; und drittens Absprachen mit Pflegeeinrichtungen über ausreichend kühle Aufenthaltsbereiche.
Daneben müssen wir die besonders betroffenen Orte der Stadt erfassen und Schulen, Kitas sowie Spielplätze gezielt verschatten. Bei Neubauten und Sanierungen gehören sommerlicher Wärmeschutz, Kühlung und Photovoltaik von Anfang an zusammen – etwa bei der neuen Sporthalle der Anne-Frank-Oberschule. Am Markt brauchen wir ergänzende, mit dem Denkmalschutz vereinbare Verschattung, solange die jungen Bäume diese Funktion noch nicht erfüllen können.
Knut Steinkopf:
Hitzeschutz und Wasserschutz müssen gemeinsam gedacht werden. Schulen, Kitas, Spiel- und Sportplätze brauchen mehr Schatten, Bäume, begrünte Flächen, Trinkwasserstellen und möglichst entsiegelte Schulhöfe. Bei Sanierungen kommunaler Gebäude müssen Verschattung, nächtliche Lüftung und eine hitzeangepasste Bauweise zum Standard werden.
Hitzeschutz ist zugleich eine soziale Aufgabe der Nachbarschaften. Bibliothek, Stadtteiltreffs und andere kommunale Einrichtungen können an besonders heißen Tagen als öffentlich zugängliche, kühl nutzbare Räume dienen. Wo eine aktive Kühlung erforderlich ist, sollte sie möglichst mit Photovoltaik und einer energetischen Sanierung verbunden werden. So schaffen wir Schutzräume, ohne dauerhaft hohe Energie- und Betriebskosten zu produzieren. Hinzukommen angepasste Öffnungszeiten, aufsuchende Informationen und Nachbarschaftsnetzwerke für Menschen, die während einer Hitzewelle Unterstützung benötigen. Diese Verbindung von Trinkwasserstellen, Schatten, kühlen öffentlichen Räumen und sozialer Ansprache ist für mich Bestandteil eines kommunalen Hitzeschutzprogramms.
Ich will den seit Jahren ausstehenden kommunalen Hitzeschutzplan zu einem verbindlichen Arbeitsprogramm machen. Dazu gehören klare Zuständigkeiten in der Verwaltung, ein jährlich fortgeschriebener Maßnahmenplan und eine besondere Vorsorge für Kinder, ältere Menschen, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen sowie Beschäftigte, die im Freien arbeiten.
Wie und mit welchen Maßnahmen wollen Sie der zunehmenden Wasserknappheit begegnen?
Annette Binder:
Wasser ist für Strausberg eine strategische Zukunftsfrage. Und sie endet nicht an unserer Stadtgrenze.
Wir müssen mehr Wasser dort halten, wo es fällt: Versickerungsmöglichkeiten erhalten und schaffen, Regenwasser zurückhalten, unnötige Versiegelung vermeiden und bei neuen Bauvorhaben den zusätzlichen Wasserbedarf von Anfang an berücksichtigen.
Aber wir müssen größer denken. Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung und regionaler Wasserhaushalt gehören zusammen. Dazu gehört für mich auch die Frage, wie gereinigtes Abwasser künftig stärker in unserer Region gehalten werden kann. Deshalb muss die Perspektive einer regionalen Klärwerkslösung Teil dieser Diskussion sein.
Wasser kennt keine Gemeindegrenzen. Unsere Lösungen dürfen sie deshalb auch nicht kennen.
Stephan Blumenthal:
Anm. d. Redaktion: Stephan Blumenthal hat seine Antworten zu den einzelnen Themenkreisen zusammengefasst, so dass wir nur eine Anwort zu allen Fragen des jeweiligen Themenkreises haben.
Robert Krause:
Trinkwasserversorgung und der Wasserstand des Straussees hängen über den regionalen Wasserhaushalt zusammen, sind aber nicht dieselbe Aufgabe. Wassersparen ist notwendig, wird allein jedoch nicht reichen.
Für die Stadtentwicklung muss das Prinzip der Schwammstadt verbindlicher Maßstab werden: Regenwasser soll vor Ort zurückgehalten, gespeichert, genutzt oder versickert werden. Das gilt für neue Quartiere ebenso wie für den Bestand.
Gleichzeitig muss der WSE zusätzliche Bezugsoptionen für Trinkwasser aus benachbarten Versorgungsgebieten erschließen, um die örtlichen Grundwasserfassungen zu entlasten.
Langfristig müssen Berlin und Brandenburg über die heutigen Verbandsgrenzen hinausdenken. Neben Wassersparen, Regenwasserrückhalt, Wiederverwendung und regionalen Verbundlösungen sollte ergebnisoffen geprüft werden, ob entsalztes Ostseewasser künftig eine zusätzliche, vom regionalen Grundwasser unabhängige Versorgungssäule für die Metropolregion bilden kann. Denkbar wären mehrere küstennahe Anlagen, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden und ihre Produktion mithilfe großer Wasserspeicher teilweise in Zeiten hoher Wind- und Solarstromerzeugung verlagern.
Vor einer solchen Entscheidung muss eine länderübergreifende Machbarkeitsstudie den Wasserbedarf, die Energie- und Leitungskosten, mögliche Trassen, ökologische Auswirkungen, den Umgang mit dem Salzkonzentrat, die Finanzierung und die Versorgungssicherheit untersuchen. Das ist keine kurzfristige Lösung für den Straussee und keine Aufgabe, die Strausberg oder der WSE allein bewältigen können. Als Bürgermeister werde ich mich aber dafür einsetzen, dass Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und der Bund diese langfristige Option ernsthaft prüfen. Angesichts des Klimawandels dürfen wir uns nicht allein auf eine immer stärkere Nutzung regionaler Grundwasservorräte verlassen.
Knut Steinkopf:
Das von unserer Fraktion Die Linke angestoßene Zisternenförderprogramm ist ein sinnvoller erster Schritt. Es darf aber nicht bei der Förderung einzelner privater Anlagen bleiben. Ich will eine gemeinsame Wasserstrategie mit dem WSE, den Mitgliedskommunen, dem Landkreis und dem Land auf den Weg bringen. Darin müssen Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Stadtentwicklung, Regenwassernutzung und Klimaanpassung zusammengeführt werden.
Regenwasser soll möglichst dort bleiben, wo es fällt. Deshalb brauchen wir mehr Entsiegelung, wasserdurchlässige Flächen, Mulden und Rigolen, öffentliche Zisternen, Gründächer und begrünte Schulhöfe. Regenwasser sollte zur Bewässerung von Stadtgrün, Sportanlagen und Schulhöfen genutzt werden, statt es möglichst schnell abzuleiten.
Bei Schulen, Kitas, Sportstätten, Vereinsgebäuden sowie in den Beständen von SWG und Genossenschaften möchte ich erste gemeinschaftliche Regenwasser- und Grauwasserprojekte umsetzen. Auch bei Neubauten und größeren Sanierungen müssen Zisternen, Regenwassernutzung und – wo technisch, hygienisch und wirtschaftlich sinnvoll – Grauwasseranlagen von Beginn an geprüft werden.
Jede größere Investition braucht zudem eine Ressourcenfolgenabschätzung: Wie viel Fläche wird versiegelt? Wie viel zusätzliches Trinkwasser und Abwasser entstehen? Wie wird Regenwasser gespeichert oder versickert? Welche Folgekosten entstehen für die Allgemeinheit? Vorhaben, deren Wasserbedarf nicht mit den verfügbaren Ressourcen vereinbar ist, müssen verändert, verkleinert oder verschoben werden.
Welche Rolle sehen Sie für Strausberg und für sich als Bürgermeister in der WSE-Verbandsversammlung?
Annette Binder:
Eine aktive, fachlich fundierte und vor allem gut vorbereitete.
Strausberg sollte seine Position nicht erst in der Verbandsversammlung finden. Wesentliche Themen gehören für mich frühzeitig in den zuständigen Ausschuss für Klima und Umwelt, damit wir unsere Strausberger Position beraten können.
Während meiner kurzen Amtszeit habe ich außerdem der Verwaltung mitgegeben, bereits vor einer Verbandsversammlung mit den umliegenden Mitgliedskommunen ins Gespräch zu gehen: Welche Interessen gibt es? Wo liegen Unterschiede? Wo können wir gemeinsame Positionen entwickeln? Die Verwaltung hat diese Herangehensweise anschließend umgesetzt.
Mit dem Verbandsvorsteher Herrn Bähler habe ich selbst das persönliche Gespräch geführt. Genau das gehört für mich zu guter Interessenvertretung.
Wer erst in der Verbandsversammlung beginnt, Mehrheiten für seine Position zu suchen, beginnt zu spät.
Beim WSE geht es um weit mehr als den aktuellen Wasserpreis: Versorgungssicherheit, Wasserressourcen, Trink- und Abwasserinfrastruktur, Investitionen und deren finanzielle Auswirkungen.
Strausberg muss seine Interessen selbstbewusst vertreten und gleichzeitig ein verlässlicher Partner der anderen Mitgliedskommunen sein. Gute Interessenvertretung beginnt vor der Abstimmung.
Stephan Blumenthal:
Anm. d. Redaktion: Stephan Blumenthal hat seine Antworten zu den einzelnen Themenkreisen zusammengefasst, so dass wir nur eine Anwort zu allen Fragen des jeweiligen Themenkreises haben.
Robert Krause:
Die Vertretung Strausbergs im WSE ist für mich Chefsache. Strausberg hat mit seinen Stimmen das größte Einzelgewicht, aber keine eigene Mehrheit. Unsere Interessen lassen sich deshalb nicht durch öffentliche Konfrontation, sondern nur mit tragfähigen Mehrheiten durchsetzen. In den ersten 100 Tagen werde ich die Beziehungen zu den Bürgermeistern der anderen Verbandskommunen erneuern und für eine gemeinsame langfristige Versorgungsstrategie werben.
Dazu gehören zusätzliche Wasserbezugsquellen, eine ökologisch nachhaltige und politisch nachvollziehbare Verteilung der Entnahmen, die notwendigen Investitionen in Verbund- und Speicherkapazitäten, eine leistungsfähige und wirtschaftliche Abwasserentsorgung, die einem regionalen Wasserkreislauf möglichst nahekommt, sowie ein transparentes Monitoring von Förderung, Verbrauch und Grundwasserständen. Über wesentliche Entscheidungen der Verbandsversammlung werde ich die Stadtverordneten und die Öffentlichkeit regelmäßig informieren. Mein Ziel lautet: Beziehungen erneuern, Transparenz schaffen, Interessen ausgleichen und gemeinsam zusätzliche Bezugsoptionen außerhalb des gestressten Grundwassersystems erschließen.
Knut Steinkopf:
Als Bürgermeister werde ich die Interessen der Strausbergerinnen und Strausberger im WSE selbstbewusst vertreten. Wasser wird angesichts begrenzter Ressourcen zunehmend auch zu einer Verteilungsfrage. Dabei darf weder eine einzelne Kommune ihre Interessen auf Kosten der anderen durchsetzen, noch darf Strausberg aufgrund seiner Größe und seiner besonderen Wasserprobleme zum Verlierer werden.
Strausberg verfügt nach der aktuellen Verbandssatzung über 28 Stimmen und damit über ein erhebliches Gewicht in der Verbandsversammlung. Dieses Gewicht will ich für drei Ziele einsetzen: transparente und öffentlich nachvollziehbare Entscheidungen, eine langfristige Ressourcenplanung und eine gemeinsame Wasserstrategie für das gesamte Verbandsgebiet.
Bevölkerungs- und Gewerbeentwicklung müssen künftig mit der tatsächlich verfügbaren Wassermenge abgeglichen werden. Bei größeren Ansiedlungen und Bauvorhaben braucht der WSE belastbare Wasser- und Abwasserbilanzen. Gleichzeitig müssen Einsparung, Regenwassernutzung, die Wiederverwendung von Wasser, regionale Wasserkreisläufe und alternative Gewinnungs- oder Entnahmestandorte vorangebracht werden.
Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, die berechtigten Interessen anderer Mitgliedskommunen zu ignorieren. Ich will Partner suchen, die ähnliche Herausforderungen haben, und tragfähige Mehrheiten organisieren. Aus meiner Gewerkschaftsarbeit kenne ich solche Verhandlungen: Interessen müssen klar vertreten werden, am Ende braucht es aber eine Lösung, die für die große Mehrheit dauerhaft funktioniert.
Wie und mit welchen Maßnahmen wollen Sie eine Stabilisierung des Pegels des Straussees angehen?
Annette Binder:
Beim Straussee werde ich keine schnelle Patentlösung versprechen. Dafür ist das Thema zu komplex. Aber sich mit dem sinkenden Pegel abzufinden, ist für mich genauso wenig eine Lösung.
Ich möchte die Straussee-Taskforce konsequent nutzen und weiterentwickeln. Und dazu gehört für mich ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative zur Rettung des Straussees. Dort gibt es Wissen, Engagement und jahrelange Erfahrung. Das gehört an einen Tisch.
Wir müssen die verschiedenen Einflussfaktoren gemeinsam betrachten: Grundwasserneubildung, Wasserentnahmen, Versiegelung, Versickerung und Regenwasserrückhaltung – aber auch die Frage, wie wir künftig mehr Wasser in unserer Region halten können.
Deshalb gehören Straussee, Wasserversorgung und Abwasser für mich strategisch zusammen. Auch die Perspektive einer regionalen Klärwerkslösung gehört in diese Betrachtung.
Wissen bündeln. Verantwortliche zusammenbringen. Maßnahmen festlegen. Wirkung überprüfen. Der Straussee braucht keine Symbolpolitik, sondern Ausdauer und konsequentes Handeln.
Stephan Blumenthal:
Der seit 2020 fehlende Hitzeschutzplan zeigt, dass Strausberg weniger ein Erkenntnisproblem als ein Umsetzungsproblem hat. Ich werde ihn mit klaren Zuständigkeiten, Prioritäten und Fristen fertigstellen lassen. Hitzeschutz, Regenwasserrückhalt, Entsiegelung und Stadtentwicklung müssen dabei gemeinsam betrachtet werden. Die Folgen früherer Versiegelung und Entgrünung sind sichtbar. Bei künftigen Vorhaben dürfen Wasserhaushalt und Stadtgrün deshalb nicht länger nachrangig behandelt werden. Als größtes Mitglied des WSE muss Strausberg sein Gewicht in der Verbandsversammlung für eine sichere und bezahlbare Wasserversorgung sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser einsetzen. Mit dem Wasserhaushalt rund um den Straussee befasse ich mich seit Jahren. Frühere Gespräche, Besuche und Beiträge dazu sind auf meiner Webseite dokumentiert. Für den Straussee gebe ich dennoch keine unseriöse Pegelgarantie. Als Bürgermeister werde ich aber dafür sorgen, dass vorhandene Untersuchungen endlich in belastbare Entscheidungen und wirksame Maßnahmen überführt werden.
Robert Krause:
Für den Straussee brauchen wir mehrere Hebel gleichzeitig: langfristig geringere Grundwasserentnahmen aus dem mit dem See verbundenen Grundwassersystem, mehr Rückhalt von Niederschlagswasser im Einzugsgebiet und eine zusätzliche Wasserzufuhr.
Als konkreten nächsten Schritt zur Stabilisierung des Straussees unterstütze ich den Antrag, die chemische Beprobung des Kriensees und des Straussees an mehreren Messstellen, in unterschiedlichen Tiefen und zu mehreren Zeitpunkten zu wiederholen. Die bislang geringe Zahl von Messungen und die stark schwankenden Sulfatwerte reichen für eine abschließende Bewertung nicht aus. Neue, belastbare Daten bedeuten noch keine Genehmigung und nehmen keine Entscheidung vorweg. Sie sind aber die notwendige Grundlage, um seriös zu prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen Wasser aus dem Kriensee künftig zur Stabilisierung des Straussees eingesetzt werden kann.
Waldumbau, Entsiegelung und eine bessere Versickerung können den Wasserhaushalt unterstützen, werden das Defizit aber nicht allein ausgleichen. Entscheidend ist deshalb ein abgestimmtes Maßnahmenpaket mit überprüfbaren Zwischenzielen – nicht die Hoffnung auf eine einzelne Wunderlösung.
Knut Steinkopf:
Eine bestimmte Pegelhöhe kann ein Bürgermeister nicht seriös versprechen. Ich verspreche aber, dass die Stadt alle beeinflussbaren Faktoren systematisch bearbeitet und regelmäßig öffentlich Rechenschaft darüber ablegt.
Das hydrogeologische Gutachten von 2020 kommt zu einem differenzierten Ergebnis: Hauptursache der Verschärfung sind die veränderten klimatischen Bedingungen und die hohe Verdunstung. Gleichzeitig haben die Grundwasserentnahmen der Wasserwerke Strausberg und Spitzmühle Einfluss auf den Straussee. Empfohlen wurden deshalb ein dauerhaftes Monitoring, die Aktualisierung der verfügbaren Wasserdargebote, eine Anpassung der Ressourcennutzung und die Prüfung alternativer Entnahmestandorte.
Diese Empfehlungen müssen konsequent umgesetzt und mit aktuellen Klimadaten fortgeschrieben werden. Ich will deshalb:
• Zu- und Abflüsse, Grundwasserstände, Niederschläge, Verdunstung und Entnahmen dauerhaft gemeinsam auswerten;
• die Fördermengen und Gewinnungsstandorte des WSE insbesondere in Zeiten geringer Grundwasserneubildung überprüfen;
• das Einzugsgebiet des Straussees stärker vor Versiegelung und zusätzlichem Wasserverbrauch schützen;
• Regenwasser in Strausberg und im Einzugsgebiet zurückhalten und versickern;
• Landnutzungs- und Waldumbaumaßnahmen prüfen, die die Grundwasserneubildung verbessern;
• technische Lösungen wie eine Wasserüberleitung oder die Nutzung weitergehend gereinigten Abwassers ergebnisoffen angehen.
Eine Wasserüberleitung darf allerdings nicht als schnelle Patentlösung verkauft werden. Das Gutachten nennt dafür erhebliche ökologische, technische und wasserrechtliche Einschränkungen. Deshalb braucht es eine Abwägung, bei der nicht ein anderes Gewässer geschädigt wird, um den Straussee zu stützen. Ich möchte jährlich einen öffentlichen Straussee- und Wasserbericht vorlegen, der Messwerte, Maßnahmen und erreichte Wirkungen nachvollziehbar darstellt.
Themenkreis 2: Kommunalfinanzen
Welche Wege sehen Sie, um freiwillige kommunale Aufgaben noch zu erfüllen, wenn kommunale Pflichtaufgaben die Stadtkasse strapazieren beziehungsweise leeren?
Annette Binder:
Wirtschaftliche Stabilität ist für mich die Voraussetzung dafür, dass Strausberg nicht nur seine Pflichtaufgaben erfüllt, sondern weiterhin gestalten kann.
Dabei spielt unsere lokale Wirtschaft eine Schlüsselrolle. Ein starker Mittelstand, Unternehmen, die hier investieren, Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen und Gewerbesteuern zahlen, tragen maßgeblich dazu bei, was wir uns als Stadt zukünftig leisten können.
Deshalb möchte ich bestehende Unternehmen in Strausberg halten und weitere für unseren Standort gewinnen. Verwaltung muss dabei Partnerin sein: mit verlässlichen Ansprechpartnern, nachvollziehbaren Verfahren und möglichst zügigen Entscheidungen. Eine Erhöhung der Gewerbesteuer halte ich für den falschen Weg.
Gleichzeitig brauchen wir klare Prioritäten im Haushalt und eine realistische Investitionsplanung. Ein gefördertes Projekt ist nicht automatisch ein günstiges Projekt. Betrieb, Unterhaltung, Personal und spätere Ersatzinvestitionen müssen von Anfang an mitgerechnet werden.
Vorhandene kommunale Gebäude und Flächen sollten wir ebenfalls strategischer betrachten, bevor wir neu bauen.
Und wir sollten neue Einnahmemöglichkeiten ergebnisoffen prüfen. Dazu gehört für mich auch die mögliche Beteiligung von Tagesgästen an den Kosten unserer touristischen Infrastruktur. Entscheidend sind dabei die Zahlen: mögliche Einnahmen, Verwaltungsaufwand und Auswirkungen auf Gastronomie und Handel.
Erst rechnen, Auswirkungen betrachten und dann entscheiden.
Stephan Blumenthal:
Anm. d. Redaktion: Stephan Blumenthal hat seine Antworten zu den einzelnen Themenkreisen zusammengefasst, so dass wir nur eine Anwort zu allen Fragen des jeweiligen Themenkreises haben.
Robert Krause:
Der aktuelle Planungsstand des Haushalts zeigt, wie ernst die Lage ist: Für 2027 und 2028 werden Jahresfehlbeträge von rund 2,7 beziehungsweise 3,3 Millionen Euro im Ergebnishaushalt erwartet. Noch wichtiger ist die Liquidität: Nach der aktuellen Planung wären die Zahlungsmittel der Stadt in den nächsten Jahren aufgebraucht.
Die gute Nachricht ist: Laut Haushaltsentwurf ist die Fortführung der freiwilligen Leistungen auf dem aktuellen Stand vorgesehen. Für die Folgejahre gibt es jedoch keine Garantie.
Der größte kurzfristige Hebel liegt deshalb bei den Investitionen. Begonnene Vorhaben müssen zügig abgeschlossen werden, bevor immer neue Projekte begonnen werden. Neue Investitionen brauchen einen klaren Bedarf, eine Kostenobergrenze, eine gesicherte Finanzierung und eine ehrliche Betrachtung der Folgekosten. Fördermittel sind nur dann ein Gewinn, wenn sich die Stadt auch den Eigenanteil und den späteren Betrieb leisten kann.
Daneben müssen Verwaltungsprozesse vereinfacht und digitalisiert, frei werdende Stellen nicht automatisch unverändert nachbesetzt sowie Beschaffung, Gebäudebewirtschaftung und interkommunale Zusammenarbeit überprüft werden. Auf der Einnahmeseite müssen wir Gewerbeflächen aktivieren, ansässigen Unternehmen Entwicklung ermöglichen und die wirtschaftliche Basis verbreitern.
So können wir einen verlässlichen finanziellen Rahmen für unsere freiwilligen Leistungen schaffen, die entscheidend zur Lebensqualität in Strausberg beitragen. Wenn dennoch priorisiert werden muss, dann nach Reichweite, Wirkung und tatsächlichem Bedarf – bei sozialen Angeboten gestützt auf eine Sozialraumanalyse – und nicht durch pauschale Kürzungen mit der Rasenmähermethode.
Knut Steinkopf:
Ich möchte eine soziale Bestandsgarantie im Haushalt verankern. Schulsozialarbeit, Jugendarbeit, soziale Beratung, Bibliothek, Sport- und Schwimmangebote, Stadtteiltreffs sowie eine grundlegende Vereinsförderung dürfen nicht als Erstes gekürzt werden. Pauschale Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip lehne ich ab.
Stattdessen müssen wir Ausgaben nach ihrem Nutzen und ihren Folgekosten bewerten. Zuerst überprüft werden müssen Doppelstrukturen, wenig wirksame Einzelmaßnahmen, externe Beratungs- und Dienstleistungen, dauerhaft teure Mietverträge sowie Erweiterungs- und Prestigeprojekte, die neue Personal-, Energie- und Unterhaltungskosten erzeugen. Wo die Stadt Leistungen mit eigenem Personal oder gemeinsam mit kommunalen Unternehmen und Nachbarkommunen günstiger und besser erbringen kann, sollten wir diese Kompetenzen aufbauen.
Für Investitionen gilt: Bestand vor Neubau und Lebenszyklus statt bloßer Baupreis. Sanierungen, die Energie, Wasser und laufende Bewirtschaftungskosten einsparen, können finanzielle Spielräume für die Zukunft schaffen. Größere Vorhaben sollten erst freigegeben werden, wenn Betrieb, Personal, Energie, Wasser, Instandhaltung und Finanzierung für mindestens zehn Jahre dargestellt sind.
Zugleich müssen wir unsere Fördermittelquote erhöhen. Dafür braucht die Verwaltung vorbereitete Projekte und ausreichende Kompetenz für Fördermittelanträge. Fördergeld ist jedoch nur sinnvoll, wenn die Stadt den Eigenanteil und die späteren Betriebskosten tragen kann. Bau- und Erweiterungsvorhaben müssen notfalls zeitlich verschoben werden, bevor wir dauerhaft soziale Angebote abbauen. Die vorgeschlagene soziale Bestandsgarantie und der Verzicht auf pauschale Kürzungen bilden dafür den richtigen Rahmen.
Auf Dauer lässt sich die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen nicht allein im Rathaus lösen. Ich will deshalb gemeinsam mit den Nachbarkommunen gegenüber Land und Bund für eine auskömmliche Finanzierung der übertragenen Aufgaben eintreten.
Welche freiwilligen Aufgaben sind für Sie unbedingt weiter zu erfüllen, welche sind verzichtbar?
Annette Binder:
Freiwillige Leistungen sind für mich nicht automatisch verzichtbarer Luxus.
Vereine schaffen Gemeinschaft, kümmern sich um Kinder und Jugendliche, organisieren Sport und Kultur, unterstützen Menschen und bringen Generationen zusammen. Vieles davon könnte eine Kommune weder personell noch finanziell selbst leisten.
Deshalb werde ich Sport, Kultur, Jugendarbeit, Vereine und soziale Angebote nicht pauschal gegeneinander ausspielen.
Aber auch hier müssen wir wissen: Was brauchen wir wirklich – und wo brauchen wir es?
Dafür möchte ich eine Sozialraumanalyse nutzen. Wie entwickeln sich unsere Stadt- und Ortsteile? Wo leben Familien, Kinder oder zunehmend ältere Menschen? Welche Angebote werden tatsächlich genutzt? Wo fehlen sie? Und wo verändern sich Bedarfe?
So können wir öffentliche Mittel gezielter einsetzen und Prioritäten nachvollziehbar begründen.
Eine lebendige Stadt besteht nicht nur aus Pflichtaufgaben. Aber sie braucht eine solide wirtschaftliche Grundlage, damit sie sich mehr als Pflicht leisten kann.
Stephan Blumenthal:
Als Diplom-Finanzwirt, Führungskraft in der Finanzverwaltung und ehemaliger Stadtverordneter weiß ich, wie wichtig der verantwortungsvolle Umgang mit dem Geld der Stadt ist. Freiwillig heißt für mich nicht unwichtig. Vereine, Sport, Kultur, Angebote für Kinder, Jugendliche und Senioren sowie Orte der Begegnung machen Strausberg lebenswert. Sie sollen verlässlich unterstützt werden. Dabei gilt für mich Augenmaß. Wo sich Angebote überschneiden oder gleiche Leistungen mehrfach vorgehalten werden, muss die Stadt genauer hinschauen. Gute Haushaltsführung schützt das Wichtige und sichert es langfristig. Ich sehe konkrete Möglichkeiten, neue Einnahmen zu erzielen, Fördergelder besser zu nutzen und Abläufe einfacher und günstiger zu machen. Einige davon werde ich in den nächsten Tagen auf meinen Kanälen vorstellen.
Robert Krause:
Unbedingt erhalten möchte ich Einrichtungen und Angebote, die vielen Menschen offenstehen und für die Lebensqualität unserer Stadt prägend sind: die Bibliothek und die Schwimmhalle, unsere Sportanlagen und -hallen sowie die Grundförderung der Vereine. Ebenso unverzichtbar sind bedarfsgerechte Kinder-, Jugend- und Sozialarbeit. Dazu kommen etablierte Sport- und Kulturangebote, die den Zusammenhalt stärken und ein breites Publikum erreichen – beispielsweise das Strausseeschwimmen, der Strausseelauf, „Rund um Strausberg“ und das Kindertanztheater.
Verzichtbar oder zumindest aufschiebbar sind neue Projekte ohne gesicherte Folgefinanzierung, parallele Angebote mit gleichem Zweck, dauerhaft kaum genutzte Leistungen mit unverhältnismäßig hohem Zuschuss und reine Repräsentationsausgaben. Auch traditionsreiche Veranstaltungen besitzen keinen unbegrenzten Bestandsschutz: Reichweite, Eigenbeiträge, Drittmittel und öffentlicher Nutzen müssen regelmäßig überprüft werden.
Neue Formate sollen weiterhin eine Chance bekommen – zunächst zeitlich begrenzt und anschließend mit einer ehrlichen Auswertung. Priorisierung bedeutet deshalb nicht, Kultur, Sport und Soziales stillzulegen. Sie bedeutet, die Angebote mit der größten Wirkung verlässlich zu schützen und nicht immer neue finanzielle Verpflichtungen einzugehen, solange deren dauerhafte Finanzierung ungeklärt ist.
Knut Steinkopf:
Der Begriff „freiwillige Aufgaben“ ist ein Begriff des Haushaltsrechts. Er darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich häufig um unverzichtbare soziale Infrastruktur handelt. Kultur, Sport, Jugendarbeit, Seniorenangebote, Bibliotheken, soziale Beratung, Begegnungsorte und die Unterstützung des Ehrenamtes machen aus einer Ansammlung von Häusern erst eine funktionierende Stadtgesellschaft.
Unbedingt zu sichern sind für mich:
• Schulsozialarbeit sowie offene und mobile Kinder- und Jugendarbeit;
• soziale Beratung, Wohnungslosenhilfe und Angebote gegen Einsamkeit;
• Bibliothek und wohnortnahe Kultur- und Begegnungsangebote;
• bezahlbarer Zugang zu Sport, Schwimmhalle und Vereinsangeboten;
• Seniorenarbeit, Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und Unterstützung des Ehrenamtes;
• eine grundlegende Vereins- und Projektförderung in allen Stadtteilen.
Der Strausberger Sozialreport weist für 2024 unter anderem 441 nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte unter 15 Jahren aus. Das ist kein abstrakter Wert, sondern betrifft Kinder, deren gesellschaftliche Teilhabe besonders davon abhängt, dass Jugendclubs, Sportvereine, Bibliothek und Kulturangebote bezahlbar und erreichbar bleiben.
Verzichtbar sind für mich deshalb nicht ganze soziale oder kulturelle Bereiche. Verzichtbar oder aufschiebbar können dagegen Prestigeprojekte ohne gesichertes Betriebskonzept, parallele Angebote ohne zusätzlichen Nutzen, überdimensionierte Neubauten, unwirksame Einzelveranstaltungen und private Förderungen ohne nachvollziehbaren öffentlichen Gegenwert sein. Unsere Priorität muss gesellschaftliche Teilhabe sein. Eine Stadt kann einen formal ausgeglichenen Haushalt haben und dennoch sozial sehr arm sein.
Themenkreis 3: Bildung und frühkindliche Entwicklung
Kitas mit sinkender Kinderzahl schließen oder mit einer besseren Fachkraft-Kind-Relation die frühkindliche Bildungsqualität erhöhen?
Annette Binder:
Für mich ist das kein Entweder-Oder.
Sinkende Kinderzahlen können eine Chance sein, die Betreuungsqualität zu verbessern. Kleinere Gruppen und mehr Zeit für das einzelne Kind sind etwas Gutes. Gleichzeitig können wir auf Dauer keine Strukturen unabhängig vom tatsächlichen Bedarf finanzieren.
Deshalb möchte ich auch hier weg von Einzelentscheidungen und hin zu einer langfristigen Bedarfsplanung auf Grundlage einer Sozialraumanalyse.
Wo werden künftig Familien leben? Wie entwickeln sich die Kinderzahlen in den einzelnen Stadt- und Ortsteilen? Welche neuen Wohngebiete entstehen? Welche Kita- und später Schulkapazitäten brauchen wir dort? Wie ist der Zustand unserer Gebäude und welche vorhandenen Immobilien können wir nutzen?
Eine Kita ist außerdem mehr als eine Auslastungsquote. Sie ist Bildungsort und Teil eines Quartiers.
Deshalb gilt für mich: Qualität verbessern, wo die demografische Entwicklung Spielräume schafft. Strukturen verändern, wo es langfristig notwendig ist. Aber erst Bedarf feststellen – und dann entscheiden.
Wenn Veränderungen notwendig sind, müssen Eltern, Beschäftigte und Träger frühzeitig einbezogen werden.
Stephan Blumenthal:
Eine Stadt, der auf Dauer die Kinder fehlen, verliert ihre Zukunft. Mein erster Ansatz ist deshalb nicht, den Rückgang zu verwalten. Unser Ziel muss sein, Strausberg so attraktiv für junge Familien zu machen, dass die Kita-Plätze wieder gebraucht werden. Eine Stadt kann keine Geburten anordnen. Sie kann aber mit verlässlichen Kitas, bezahlbarem Wohnraum, sicheren Wegen und guten Freizeitangeboten dafür sorgen, dass junge Menschen bleiben und Familien zuziehen. Freie Kita-Plätze sind deshalb zunächst ein Standortvorteil und nicht nur ein Kostenfaktor. Sie ermöglichen kleinere Gruppen und eine verlässlichere Betreuung. Das hilft Eltern, Familie und Beruf zu vereinbaren. Örtlichen Arbeitgebern hilft es, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Schließungen sind für mich die letzte Möglichkeit.
Robert Krause:
Wir müssen dauerhaft stark unterausgelastete Standorte zusammenführen und den dadurch entstehenden Spielraum für bessere Qualität nutzen. Für genau diesen Ansatz habe ich mich Anfang 2026 mit Nachdruck eingesetzt: Betreuungsqualität verbessern, Arbeitsplätze sichern und zugleich den Haushalt entlasten.
Bei rund 450 freien Plätzen in der ganzen Stadt und einer Auslastung der Kita Wirbelwind von nur etwa 35 Prozent Anfang 2026 wäre es nicht nachhaltig gewesen, das Gebäude unverändert weiterzubetreiben. Der beschlossene Weg spart Betriebskosten, verteilt die elf Beschäftigten auf andere Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft, schließt betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2028 aus und schafft ab 2027 eine dringend benötigte Fachkraftstelle in der Verwaltung mit dem Schwerpunkt Qualität und Kindeswohl. Damit bleibt zumindest bis Ende 2028 eine bessere Fachkraft-Kind-Relation oberhalb des gesetzlichen Schlüssels möglich; zugleich soll der Haushalt jährlich um rund 250.000 Euro entlastet werden.
Im Jahr 2028 müssen Geburtenzahlen, neue Wohnungsbauvorhaben, Auslastung, Erreichbarkeit, Gebäudezustand und Personalbedarf erneut gemeinsam bewertet werden. Wegen eines einzelnen schwachen Jahrgangs wird keine Kita schließen. Eine dauerhaft massiv unterausgelastete Einrichtung allein aus Symbolgründen weiterzuführen, bindet jedoch Geld, das bei den Kindern und beim Personal besser eingesetzt ist. Mein Maßstab bleibt: Die ganze Stadt im Blick, kurze Wege sichern und Qualität verbessern.
Knut Steinkopf:
Ich halte diese Gegenüberstellung für zu kurz gegriffen. Sinkende Kinderzahlen dürfen nicht automatisch zur Schließung wohnortnaher Einrichtungen führen. Zunächst sollten frei werdende räumliche und personelle Kapazitäten genutzt werden, um die Betreuungsqualität zu verbessern: kleinere Gruppen, mehr Zeit für Sprachförderung, Inklusion, Elternarbeit und die individuelle Begleitung von Kindern – soweit Personal und Finanzierung dies ermöglichen. Entsprechende Landesförderprogramme wie „Kiez-Kita – Bildungschancen eröffnen“ müssen in Zusammenarbeit mit dem Kreis einbezogen werden.
Gleichzeitig müssen wir die Einrichtungen flexibler nutzen. Kitas und Grundschulen sind öffentliche Orte, die auch Familienberatung, Kultur, Sport, Nachbarschaftsarbeit oder Angebote für Seniorinnen und Senioren aufnehmen können. So lassen sich Standorte erhalten, qualifizierte Beschäftigte binden und lebenswerte Quartiere stärken. Öffentliche Infrastruktur vorschnell abzubauen und wenige Jahre später teuer neu errichten zu müssen, wäre weder sozial noch wirtschaftlich vernünftig.
Dabei ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Die Auslastung der Strausberger Einrichtungen war zum Stichtag Ende 2024 sehr unterschiedlich und reichte bei den aufgeführten Kitas von 46 bis 100 Prozent. Eine pauschale Entscheidung für alle Einrichtungen wäre deshalb falsch.
Vor einer Schließung müssen für jeden Standort die langfristige Bevölkerungsentwicklung im Quartier, die Erreichbarkeit einer Alternative, die Gebäudekosten, der Personalbedarf und mögliche Mehrfachnutzungen transparent geprüft werden. Eine Schließung kann das letzte Ergebnis einer solchen Prüfung sein, darf aber nicht der erste Reflex auf eine vorübergehend geringere Auslastung sein.
Familien entscheiden sich dort für Kinder und für ein dauerhaftes Zuhause, wo sie bezahlbaren Wohnraum, verlässliche Betreuung, gute Schulen, sichere Wege, Arbeit sowie Kultur-, Sport- und Freizeitangebote vorfinden. Eine familienfreundliche Stadtpolitik besteht deshalb nicht aus einer einzelnen Prämie, sondern aus einem verlässlichen sozialen Umfeld.
Themenkreis 4: Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung
Welche Anreize setzen Sie für junge Familien, nach Strausberg zu ziehen bzw. für junge Paare, Familien zu gründen?
Annette Binder:
Eine Bürgermeisterin kann keine Geburtenrate verändern. Aber eine Stadt kann sehr wohl Bedingungen schaffen, unter denen Menschen sagen: Hier möchten wir leben, arbeiten und unsere Zukunft planen.
Dazu gehören bezahlbarer Wohnraum, verlässliche Kinderbetreuung, gute Schulen, attraktive Arbeitsplätze, Freizeit- und Sportangebote, sichere Wege und eine gute medizinische Versorgung.
Gerade deshalb gehören für mich Wirtschaft, Wohnen und soziale Infrastruktur zusammen. Junge Menschen sollten in Strausberg nicht nur gut aufwachsen können. Sie brauchen auch eine Perspektive, hier ihr eigenes Leben aufzubauen.
Und auch hier hilft uns die Sozialraumanalyse: Wir müssen heute wissen, wo morgen Familien leben und welche Infrastruktur sie dort brauchen.
Stephan Blumenthal:
Anm. d. Redaktion: Stephan Blumenthal hat seine Antworten zu den einzelnen Themenkreisen zusammengefasst, so dass wir nur eine Anwort zu allen Fragen des jeweiligen Themenkreises haben.
Robert Krause:
Ob Familien nach Strausberg kommen, hier bleiben und Kinder bekommen, entscheidet sich im Alltag. Entscheidend sind bezahlbare und ausreichend große Wohnungen, unterschiedliche Wohnformen von der familiengerechten Mietwohnung bis zum Haus mit Garten an geeigneten Standorten, verlässliche Betreuung in Kitas und Horten, gute Schulen sowie sichere Wege dorthin.
Familienfreundlichkeit endet nicht am Schultor. Dazu gehören gut erreichbare Spiel-, Sport- und Vereinsangebote, Jugendclubs, der Aktivspielplatz und zusätzliche Angebote für die Altersgruppe zwischen zehn und 16 Jahren. Ebenso wichtig sind Arbeitsplätze, eine verlässliche ÖPNV-Anbindung und eine Verwaltung, die Anträge zügig bearbeitet. Als Vater von drei Kindern und durch meine langjährige Arbeit in Kitaausschüssen und im Kreiskitaelternbeirat kenne ich diese Anforderungen aus dem Alltag der Strausberger Familien.
Knut Steinkopf:
Junge Familien brauchen vor allem Verlässlichkeit: bezahlbare und ausreichend große Wohnungen, erreichbare Kitas und Schulen, sichere Wege, gute Arbeitsmöglichkeiten, einen verlässlichen Nahverkehr sowie Sport-, Kultur- und Freizeitangebote. Ein einmaliger Familien- oder Geburtenbonus kann eine freundliche Geste sein, ersetzt aber keine dauerhaft familienfreundliche Infrastruktur.
Ich will deshalb mit SWG, Genossenschaften und Mietervertretungen einen Strausberger Wohnungspakt auf den Weg bringen. Dazu gehören bezahlbare Neuvermietungen, mehr familiengerechte Wohnungen, funktionierende Wohnungstauschmodelle und eine aktive kommunale Bodenpolitik. Wenn eine ältere Person aus einer großen Wohnung in eine kleinere, barrierearme Wohnung wechseln möchte, kann dadurch gleichzeitig Wohnraum für eine Familie frei werden.
Kitas, Schulen, Spielplätze, Jugendangebote und Begegnungsorte müssen gemeinsam mit der Wohnungsentwicklung geplant werden. Junge Familien sollen nicht erst in ein neues Quartier ziehen und anschließend jahrelang auf die notwendige soziale und verkehrliche Infrastruktur warten. Auch kurze und sichere Fuß- und Radwege, Grünflächen und ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr gehören für mich zur Familienpolitik.
Wie wollen Sie Strausberg für eine alternde Bevölkerung zugänglich und attraktiv halten?
Annette Binder:
Eine älter werdende Stadt braucht Barrierefreiheit, Mobilität, medizinische Versorgung, Pflege- und Unterstützungsangebote, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe.
Barrierefreiheit beginnt dabei nicht erst an der Tür eines öffentlichen Gebäudes. Sie betrifft Wohnungen, Gehwege, Querungen, Haltestellen, öffentliche Räume und auch unsere Verwaltung.
Bei Neubau und Sanierung muss sie deshalb von Anfang an mitgedacht werden. Gleichzeitig müssen wir bestehende Barrieren Schritt für Schritt abbauen.
Auch hier möchte ich quartiersbezogen hinschauen: Wo leben ältere Menschen und was brauchen sie dort? Kurze Wege, medizinische Versorgung, Begegnungsangebote, passende Wohnformen oder bessere Mobilität können je nach Stadtteil ganz unterschiedliche Bedeutung haben.
Und am Ende profitieren alle davon. Eine barrierearme Stadt funktioniert auch besser für Familien mit Kinderwagen oder Menschen mit vorübergehenden Einschränkungen.
Stephan Blumenthal:
Anm. d. Redaktion: Stephan Blumenthal hat seine Antworten zu den einzelnen Themenkreisen zusammengefasst, so dass wir nur eine Anwort zu allen Fragen des jeweiligen Themenkreises haben.
Robert Krause:
Barrierefreiheit muss als durchgehende Wegekette gedacht werden: von der Wohnung über Gehweg und Haltestelle bis zu Einkauf, Arzt, Verwaltung und Freizeitangebot. Dazu gehören abgesenkte Bordsteine, intakte und ausreichend breite Wege, sichere Querungen, Sitzgelegenheiten, Schatten, öffentliche Toiletten und barrierefreie Haltestellen. Bei jeder grundhaften Sanierung muss geprüft werden, welche Hindernisse gleich mit beseitigt werden können.
Die SWG sollte den barrierearmen Umbau ihres Bestands und das Angebot kleinerer, gut erreichbarer Wohnungen dort, wo möglich, fortführen. Wer freiwillig innerhalb des vertrauten Quartiers in eine passende kleinere Wohnung wechseln kann, gewinnt Lebensqualität und macht zugleich größere Wohnungen für Familien frei. Hinzu kommen persönliche und analoge Verwaltungszugänge, ein stärkeres Netzwerk aus Stadt, Pflege, Krankenhaus, MVZ und Ärzten sowie der bereits beschriebene Hitzeschutz für ältere und pflegebedürftige Menschen.
Knut Steinkopf:
Strausberg muss eine Stadt sein, in der Menschen selbstbestimmt alt werden können. Ende 2024 waren bereits 25,6 Prozent der Strausberger Bevölkerung älter als 65 Jahre. Barrierefreiheit ist deshalb keine Aufgabe für eine kleine Minderheit, sondern ein zentraler Maßstab der gesamten Stadtentwicklung.
Dazu gehören barrierearme Wohnungen und Wohnungstauschmodelle ebenso wie abgesenkte Bordsteine, gut begehbare Gehwege, sichere Querungen, barrierefreie Haltestellen, ausreichend Sitzgelegenheiten, öffentliche Toiletten, Schattenplätze und erreichbare Einkaufsmöglichkeiten. Auch die Digitalisierung der Verwaltung darf nicht dazu führen, dass Menschen ohne Smartphone oder digitale Erfahrung ausgeschlossen werden. Persönliche, telefonische und digitale Zugänge müssen nebeneinander bestehen bleiben.
Die medizinische und pflegerische Versorgung gehört ebenfalls in die neue Stadtstrategie. Ich will die Entwicklung Medizinischer Versorgungszentren unterstützen, ambulante Pflegedienste beispielsweise durch geeignete Parkregelungen entlasten und gemeinsam mit dem Landkreis untersuchen, welche stationären, teilstationären, betreuten und ambulanten Angebote in zehn oder zwanzig Jahren benötigt werden.
Attraktivität im Alter bedeutet aber mehr als Pflege. Sport, Kultur, Bibliothek, Vereine und wohnortnahe Begegnungsorte verhindern Einsamkeit und ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb sollen Kitas, Schulen und kommunale Räume außerhalb ihrer Kernzeiten stärker für generationsübergreifende Angebote geöffnet werden.
Welche Ansätze sehen Sie auf kommunaler Ebene, dass Wohnen weiterhin bezahlbar bleibt?
Annette Binder:
Die Stadt kann Baupreise und Zinsen nicht bestimmen. Aber sie kann beeinflussen, was, wo, für wen und unter welchen Bedingungen gebaut und modernisiert wird.
Strausberg braucht Wohnraum für unterschiedliche Lebenssituationen und Einkommen. Bei städtischen Grundstücken können Konzeptvergaben ein Instrument sein, damit nicht allein der höchste Kaufpreis entscheidet, sondern auch der Mehrwert eines Vorhabens für unsere Stadt.
Besonders wichtig ist mir der vorhandene Wohnungsbestand.
In Strausberg gab es beispielsweise Wohnungen für Auszubildende, die günstiger angeboten wurden und von den Mietern selbst renoviert werden konnten. Über solche Modelle sollten wir wieder stärker nachdenken.
Denn nicht jeder braucht oder möchte eine frisch sanierte Wohnung mit höchstmöglichem Standard. Unterschiedliche Modernisierungsstandards können auch unterschiedliche Mietpreise ermöglichen – selbstverständlich immer unter der Voraussetzung, dass Wohnungen sicher und in einem ordentlichen Zustand sind.
Bezahlbarer Wohnraum ist außerdem kein reines Jugendthema. Familien, Alleinerziehende, Rentner, Menschen mit kleineren und gerade auch mittleren Einkommen brauchen ihn.
Ich möchte deshalb Verwaltung, Wohnungsunternehmen, Genossenschaften und private Akteure regelmäßiger zusammenbringen: Wer entwickelt oder modernisiert was, bis wann und für wen?
Mein Ziel ist eine Stadt, in der Menschen mit unterschiedlichen Geldbeuteln und in unterschiedlichen Lebensphasen wohnen können.
Stephan Blumenthal:
Anm. d. Redaktion: Stephan Blumenthal hat seine Antworten zu den einzelnen Themenkreisen zusammengefasst, so dass wir nur eine Anwort zu allen Fragen des jeweiligen Themenkreises haben.
Robert Krause:
Den stärksten direkten Hebel besitzt die Stadt mit ihrer eigenen Wohnungsbaugesellschaft. Die SWG muss ihren Bestand wirtschaftlich erhalten und modernisieren, ohne die Mieter mit vermeidbaren Kosten zu belasten, und an geeigneten Standorten bedarfsgerecht ergänzen. Gerade weil Neubau teuer ist, kommt der Sicherung bezahlbarer Bestandswohnungen besondere Bedeutung zu.
Daneben kann die Stadt durch zügige und verlässliche Planungs- und Beteiligungsverfahren, eine gute Abstimmung mit dem Landkreis und die Nutzung vorhandener Infrastruktur Kosten beeinflussen.
Bezahlbarkeit entsteht durch ein ausreichendes Angebot, einen starken kommunalen Bestand und niedrigere Prozess- und Baukosten – nicht durch Versprechen, die die Stadt bei privaten Mieten gar nicht einlösen kann.
Knut Steinkopf:
Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die Strausberger Wohnungsbaugesellschaft dauerhaft in kommunaler Hand bleibt. Sie darf nicht als kurzfristige Haushaltsreserve behandelt werden, sondern braucht klare öffentliche Ziele: bezahlbare Mieten, Erhalt und energetische Verbesserung des Bestandes, barrierearmer Umbau, Wohnungstausch und ein bedarfsgerechter Neubau.
Bei Neubauprojekten müssen Förderprogramme konsequent genutzt und langfristige Miet- und Belegungsbindungen vereinbart werden.
Kommunale Flächen sollen grundsätzlich nicht verkauft werden, um z.B. laufende Haushaltslöcher zu schließen. Erbbaurechte und Konzeptvergaben erhalten der Stadt langfristige Einflussmöglichkeiten. Bei privaten Vorhaben können städtebauliche Verträge genutzt werden, um bezahlbare Wohnungen, soziale Infrastruktur, Grünflächen und eine Beteiligung an den Infrastrukturkosten zu sichern. Wo die Stadt Grundstücke vergibt, sollten nicht allein der höchste Kaufpreis, sondern das Wohnkonzept, die Miethöhe, die Dauer der Bindungen, Barrierefreiheit, ökologische Qualität und der öffentliche Nutzen entscheiden.
Bezahlbares Wohnen entsteht außerdem nicht nur durch Neubau. Der vorhandene Bestand muss erhalten, modernisiert und besser genutzt werden. Wohnungstausch, altersgerechter Umbau und die Aktivierung leerstehender oder untergenutzter Räume können zusätzlichen Wohnraum schaffen, ohne neue Flächen zu versiegeln. Eine ehrliche Wohnungspolitik darf zugleich nicht versprechen, dass jeder frei finanzierte Neubau automatisch günstig sein wird. Umso wichtiger sind kommunale und genossenschaftliche Bestände.
Wie wollen Sie den Zielkonflikt zwischen Wohnraumschaffung, Umwelt- und Klimaschutz sowie steigendem Wasserbedarf angehen?
Annette Binder:
Strausberg soll sich weiterentwickeln. Gleichzeitig müssen wir zunehmend darüber sprechen, wo und wie diese Entwicklung überhaupt noch stattfinden kann.
Wir können nicht dauerhaft in der Logik denken: Wachstum bedeutet immer neue Bauflächen.
Deshalb haben die Nutzung vorhandener Flächen und Gebäude sowie Nachverdichtung mit Augenmaß für mich Vorrang. Bei neuen Vorhaben müssen Versiegelung, Versickerungsmöglichkeiten, Grünflächen, Wasserbedarf, Verkehr und soziale Infrastruktur von Beginn an berücksichtigt werden.
Wenn mehrere hundert Wohnungen entstehen, dürfen wir nicht nur Wohnungen zählen. Wir müssen gleichzeitig fragen: Reichen Kita- und Schulkapazitäten? Wie entwickelt sich der Verkehr? Wo bleibt Regenwasser? Was bedeutet das für unseren Wasserhaushalt?
Perspektivisch möchte ich Stadtentwicklung außerdem stärker mit unseren Nachbarkommunen betrachten. Menschen leben vielleicht außerhalb Strausbergs, arbeiten aber hier, kaufen hier ein oder nutzen unsere Schulen, medizinische Versorgung, Kultur und Verkehrsinfrastruktur.
Die Lebenswirklichkeit der Menschen endet nicht an einer Gemeindegrenze. Gute Stadtentwicklung sollte es deshalb auch nicht.
Stephan Blumenthal:
Neue Wohnungen allein machen Strausberg noch nicht besser. Kitas, sichere Wege und die medizinische Versorgung müssen mitwachsen. Wohnen muss dabei bezahlbar bleiben. Neue Vorhaben dürfen unseren Wasserhaushalt nicht überfordern und die Parkplatzsituation nicht weiter verschärfen. Das Konzept einer Gesundheitsstadt der Generationen verbindet Wohnen mit Medizin, Pflege, Vorsorge, Bewegung und Barrierefreiheit. Damit lassen sich zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen. So bleibt Strausberg für junge Familien ebenso attraktiv wie für ältere Menschen. Bei den Mieten hat Strausberg einen großen Vorteil. Viele Wohnungen gehören der SWG und den Genossenschaften oder werden von ihren Eigentümern selbst bewohnt. Einzelne teure Neubauten bestimmen deshalb nicht allein die Mieten der ganzen Stadt. Gleichzeitig brauchen wir moderne Wohnungen für unterschiedliche Ansprüche. Ein begrünter Innenhof, in dem Regenwasser versickern kann, muss dabei nicht teurer sein als eine vollständig gepflasterte Fläche.
Robert Krause:
Ich will weder Wachstum um jeden Preis noch einen pauschalen Baustopp. Vorrang in der Entwicklung haben integrierte, bereits erschlossene Standorte und die Nutzung von Brachen. Nachverdichtung ist sinnvoll, darf aber nicht jeden alten Baum, jede Versickerungsfläche oder jede für das Stadtklima wichtige Freifläche verdrängen. Bei Nachverdichtungen und neuen Quartieren muss vor der Entscheidung belastbar nachgewiesen werden, dass die Verkehrs-, Energie-, Wasser- und Abwasserinfrastruktur leistungsfähig ist und ein tragfähiges Regenwasserkonzept vorliegt. Niederschlag soll auf dem Grundstück zurückgehalten, genutzt oder versickert, unnötige Versiegelung begrenzt und Stadtgrün von Beginn an mitgeplant werden. Über städtebauliche Verträge sind Vorhabenträger im rechtlich möglichen Umfang an den verursachten Infrastrukturkosten zu beteiligen. So wird nicht weniger gebaut, sondern an den richtigen Orten.
Knut Steinkopf:
Ich will diesen Zielkonflikt nicht leugnen. Jede neue Wohnung bedeutet zunächst zusätzlichen Flächen-, Wasser-, Energie- und Infrastrukturbedarf. Deshalb darf Strausberg nicht allein nach der Zahl neu gebauter Wohnungen bewertet werden. Entscheidend ist, welche Wohnungen benötigt werden, wo sie entstehen und welche sozialen und ökologischen Folgen sie haben.
Innenentwicklung und die Nutzung vorhandener Gebäude müssen Vorrang vor einer weiteren Ausdehnung in Landschafts- und Einzugsgebiete haben. Auch Innenentwicklung darf jedoch nicht bedeuten, jede Grünfläche zu bebauen. Stadtgrün, Frischluftkorridore, Versickerungsflächen und schattenspendende Bäume sind notwendige Infrastruktur.
Für größere Vorhaben soll eine verbindliche Wasser-, Klima-, Flächen- und Folgekostenbilanz erstellt werden. Sie muss zeigen:
• wie viel Fläche zusätzlich versiegelt wird;
• wie viel Trinkwasser und Abwasser entstehen;
• wie Regenwasser zurückgehalten, genutzt und versickert wird;
• welche Grün- und Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen sind;
• welche kommunalen Kosten für Straßen, Kitas, Schulen, Verkehr und technische Infrastruktur folgen.
Zisternen, Gründächer, wasserdurchlässige Oberflächen und wassersparende beziehungsweise grauwasserfähige Gebäudetechnik sollten bei Neubauten und größeren Sanierungen frühzeitig eingeplant werden. Auch die Bundeswehr als großer Flächen- und Infrastrukturnutzer muss in eine gesamtstädtische Wasserstrategie einbezogen werden.
Wo der WSE keine dauerhaft tragfähige Versorgung nachweisen kann oder die Wasser- und Flächenbilanz nicht vertretbar ist, muss ein Projekt verkleinert, verändert oder verschoben werden. Das ist kein grundsätzlicher Baustopp, sondern verantwortliche Stadtentwicklung nach dem Prinzip Qualität statt Quantität.
Themenkreis 5: Verkehr und Mobilität
Angenommen Sie werden Bürgermeisterin oder Bürgermeister – wo sehen Sie Strausberg nach acht Jahren beim Thema Mobilitätswende?
Annette Binder:
Ich wünsche mir keine Stadt, in der wir acht Jahre lang darüber diskutiert haben, ob Auto, Fahrrad oder ÖPNV das bessere Verkehrsmittel ist.
Ich möchte eine Stadt, in der Mobilität funktioniert.
Kinder sollen sicher zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule kommen. Ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen brauchen barrierearme Wege und Haltestellen. Pendler brauchen vernünftige Verknüpfungen zwischen Fahrrad, Strausberger Eisenbahn, Bus, S-Bahn und Auto.
Und wir müssen anerkennen, dass die Anforderungen nicht überall gleich sind. Wer in Hegermühle oder Nord lebt, hat möglicherweise andere Mobilitätsbedürfnisse als jemand in Hohenstein oder Gladowshöhe.
Mobilitätswende bedeutet für mich nicht Auto gegen Fahrrad. Sie bedeutet echte Wahlmöglichkeiten.
Stephan Blumenthal:
Anm. d. Redaktion: Stephan Blumenthal hat seine Antworten zu den einzelnen Themenkreisen zusammengefasst, so dass wir nur eine Anwort zu allen Fragen des jeweiligen Themenkreises haben.
Robert Krause:
Mobilitätswende ist für mich keine Kampfansage an das Auto. In acht Jahren sollen die Strausberger für möglichst viele Wege tatsächlich frei wählen können: Kinder kommen sicher zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule, ältere Menschen barrierefrei zur nächsten Haltestelle und Pendler können verlässlich zwischen S-Bahn, Strausberger Eisenbahn, Bus, Fahrrad und Auto wechseln. Die Bahnhofsumfelder sind einladende Mobilitätsorte, die Lust machen, von dort die Stadt zu entdecken. Parkraum ist geordnet, Ladeinfrastruktur bedarfsgerecht vorhanden und mehr Straßen und Plätze bieten Schatten und Aufenthaltsqualität.
Knut Steinkopf:
Strausberg soll nach acht Jahren nicht autofrei, aber deutlich weniger autoabhängig sein. Menschen sollen im Alltag eine echte Wahl haben, ob sie zu Fuß, mit dem Fahrrad, der Straßenbahn, S-Bahn, Regionalbahn, dem Bus oder dem Auto unterwegs sind. Das schafft auch Platz auf der Straße für diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind. Gleichzeitig sollen möglichst viele kurze und mittlere Wege sicher ohne Auto zurückgelegt werden können.
Die Straßenbahnlinie 89, die S-Bahn und die Buslinien bilden das Rückgrat. Haltestellen und Umsteigepunkte sollen barrierefrei, sicher und gut erreichbar sein. Fuß- und Radwege müssen ein zusammenhängendes Netz bilden und dürfen nicht an gefährlichen Kreuzungen oder fehlenden Abschnitten enden. Mobilität muss flächensparend organisiert werden: Bestehende Stellplätze besser nutzen, Parken im Quartier ordnen und neue versiegelte Parkflächen nur als letzte Möglichkeit schaffen.
Das Fahrrad ist dabei eine zentrale Säule, aber nicht die alleinige Lösung. Ziel ist ein abgestimmter Umweltverbund, der im Alltag eine verlässliche Alternative zu vermeidbaren Pkw-Fahrten bietet. Gerade für eine langgestreckte Stadt mit unterschiedlichen Wohnquartieren müssen Fahrrad, Straßenbahn, Bus und Bahn gut miteinander verknüpft werden.
Mein Maßstab wäre nicht ein einzelnes großes Prestigeprojekt, sondern spürbare Verbesserungen im Alltag: sichere Schulwege, verlässliche Anschlüsse, barrierefreie Haltestellen, instand gehaltene Geh- und Radwege und weniger Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsarten.
Welche Maßnahmen werden Sie gezielt anstoßen oder weiterverfolgen?
Annette Binder:
Ich möchte Mobilität stärker als Gesamtsystem betrachten.
Dazu gehören sichere und möglichst durchgängige Fuß- und Radwege, barrierefreie Haltestellen, gute Verknüpfungen mit S-Bahn und Strausberger Eisenbahn, sichere Fahrradabstellmöglichkeiten, bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur und Parkraum.
Begonnene Projekte müssen wir konsequent weiterführen. Dazu gehört beispielsweise die Fahrradstraße auf der Alten Gleistrasse. Einen besonderen Blick möchte ich außerdem auf sichere Wege zu Schulen und Kitas richten.
Bei der Ladeinfrastruktur gilt für mich das gleiche Prinzip wie bei anderen Investitionen: Nicht möglichst viele Ladesäulen als Symbol aufstellen. Bedarf feststellen, Partner zusammenbringen und dann umsetzen.
Und gerade in gewachsenen Wohnquartieren müssen wir gemeinsam mit den Wohnungsunternehmen quartiersbezogen betrachten, wo Parkraum neu geordnet, zusätzliche Kapazitäten geschaffen oder andere Mobilitätsangebote verbessert werden können. Nicht jede Grünfläche darf automatisch zum Parkplatz werden – aber die tatsächlichen Parkplatzprobleme der Menschen dürfen wir genauso wenig ignorieren.
Mein Ziel ist deshalb keine Mobilitätspolitik für ein bestimmtes Verkehrsmittel.
Mein Ziel ist, dass die Menschen in Strausberg im Alltag besser von A nach B kommen.
Stephan Blumenthal:
Für mich ist Mobilität keine einmalige Wende, sondern ein ständiger Anpassungsprozess. Vom Pferdefuhrwerk bis zur Straßenbahn hat sich die Mobilität in Strausberg schon immer weiterentwickelt. Auch heute geht es im Grunde um nichts anderes. Straßen und Wege müssen schlichtweg an das Leben der Menschen angepasst werden. Dabei ist mir wichtig, dass die Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ich plane für Fußgänger, Rollator, Kinderwagen, Scooter- und Radfahrer ebenso wie für Pendler, ältere Menschen und alle, die beruflich, familiär oder gesundheitlich auf das Auto angewiesen sind. Konkret heißt das, die vorhandenen Straßen und Wege auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen, Lücken in den Fuß- und Radverbindungen zu schließen und nach Möglichkeit den Parkraum passend zu den einzelnen Stadtteilen weiterzuentwickeln. Natürlich gehören dazu auch Bäume und Grünflächen entlang von Straßen, Wegen und Parkflächen. Die bereits begonnene Ladeinfrastruktur wird weiter ausgebaut. Mobilität wird nie fertig sein, auch in acht Jahren nicht. Aber jedes Jahr muss sichtbar werden, was verbessert wurde.
Robert Krause:
Beim Radverkehr will ich das vorhandene Radverkehrskonzept in eine priorisierte Maßnahmenliste mit Zeitplan und Finanzierung übersetzen. Dazu gehören sichere Schulwege und Querungen, das Schließen von Netzlücken, gute Abstellanlagen an Schulen und Bahnhöfen sowie die geplante Verlängerung der Fahrradstraße auf der Alten Gleistrasse entlang der Goethestraße bis zur Ernst-Thälmann-/Berliner Straße. Für Fußgänger müssen Barrieren systematisch erfasst und bei jeder Straßen- oder Gehwegsanierung schrittweise abgebaut werden.
Beim öffentlichen Nahverkehr werde ich mich angesichts knapper Kassen bei Stadt, Landkreis und Land dafür einsetzen, das aktuelle Niveau zu halten. Für darüber hinausgehende Verbesserungen sehe ich derzeit nur geringe finanzielle Spielräume und werde deshalb nur Zusagen machen, die dauerhaft finanziert werden können.
Auch das Auto bleibt Teil der Strausberger Mobilität. Bei der Sanierung in Hegermühle ist der Parkplatzbedarf von Anfang an mitzudenken; ein zweites Parkdeck am Kulturpark muss ernsthaft geprüft werden, statt weitere Flächen ebenerdig zu versiegeln. Bei der Ladeinfrastruktur habe ich den Antrag unterstützt, den Einsatz von Ladebordsteinen zu prüfen, damit das Laden auch bei Mehrfamilienhäusern im Bestand möglich wird. Ergänzend brauchen wir einen klugen Mix aus Schnellladesäulen an Standorten mit hoher Frequenz und kostengünstigen Normalladepunkten mit intelligentem Lastmanagement auf Pendlerparkplätzen. Entscheidend ist ein abgestimmtes Gesamtprogramm statt vieler unverbundener Einzelmaßnahmen.
Knut Steinkopf:
Wir müssen nicht wieder bei null anfangen. Das Radnutzungskonzept von 2021 weist 98 konkrete Punkte mit Handlungsbedarf aus. Das gilt es sinnvoll zu priorisieren und an der Umsetzung dran zu bleiben.
Besondere Priorität haben für mich:
Sichere Schulwege: Bekannte Schwachstellen, etwa in der oberen Hegermühlenstraße und im Dichterviertel, müssen aus der Perspektive von Kindern bearbeitet werden. Dazu gehören sichere Querungen, nachvollziehbare Verkehrsführungen, Tempoanpassungen, gute Beleuchtung und ausreichende Fahrradabstellanlagen. Elternbringverkehre müssen so organisiert werden, dass sie nicht selbst zur Gefahr werden.
Vervollständigung der Nord-Süd-Radverbindung: Die Fahrradstraße auf der alten Gleistrasse ist ein guter Anfang, bleibt ohne Fortsetzung aber eine halbe Lösung. Richtung Süden sollte die Verbindung hinter dem Handelscentrum bis zum Straßenbahnhof Schlagmühle weiterentwickelt werden. Richtung Norden bleibt das Ziel, die S-Bahnhöfe und die Wohnquartiere besser miteinander zu verbinden.
Pflege vor immer neuen Konzepten: Geh- und Radwege sind reguläre Verkehrsinfrastruktur. Mängel müssen systematisch erfasst, öffentlich nachvollziehbar priorisiert und zeitnah beseitigt werden. Das Wissen des ADFC und ortskundiger Bürgerinnen und Bürger sollte die Verwaltung dabei als Unterstützung nutzen. Mit einem verbindlichen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung haben wir einen guten Schritt getan.
ÖPNV und Umstieg verbessern: Straßenbahn, S-Bahn, Regionalbahn und Bus müssen besser aufeinander abgestimmt werden. Für Strausberg Nord und weiter außen liegende Wohnplätze sind ergänzende Rufbus- oder bedarfsgesteuerte Angebote zu prüfen. Wenn der Nahverkehrsplan für 2029 neu aufgelegt und mit Kreis, Land und Bahn abgestimmt wird, müssen wir konkrete Vorschläge erarbeitet haben. Bahnhöfe und Haltestellen sollen sichere Fahrradabstellmöglichkeiten, barrierefreie Zugänge und dort, wo es sinnvoll ist, gemeinschaftliche Ladepunkte erhalten.
Parken im Quartier ordnen: Gemeinsam mit SWG und Genossenschaften will ich Quartierskonzepte entwickeln, die Stellplätze, Grün, Feuerwehrzufahrten, Barrierefreiheit sowie Fuß- und Radverkehr zusammen betrachten. Die Mehrfachnutzung vorhandener Stellplätze ist grundsätzlich besser als zusätzliche Versiegelung.
Elektromobilität sozial gestalten: In den großen Mietquartieren brauchen wir gemeinsam mit den Stadtwerken ein Modell für wohnortnahes und bezahlbares Laden. Den kommunalen Fuhrpark möchte ich dort schrittweise elektrifizieren, wo dies technisch sinnvoll und über die gesamte Nutzungsdauer wirtschaftlich ist.
Fortschritte sollen in einem Mobilitätsbericht sichtbar gemacht werden. Zusätzlich halte ich gemeinsame Vor-Ort-Termine und Bürgermeisterradtouren mit dem ADFC und interessierten Bürgerinnen und Bürgern für sinnvoll.
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