"Voller Erfolg" – Fazit zum 3. Parlament der Dörfer

Die Dorfbewegung Brandenburg – Netzwerk Lebendiger Dörfer e.V. – führte dieses Jahr zum dritten Mal das „Parlament der Dörfer“ durch. Bei diesem wurden Forderungen der Dörfer zusammengetragen und an die Landespolitik übergeben. Ein Gespräch mit Dietrich Arndt. Von Christian Göritz-Vorhof

Gute Stimmung und positive Resonanz: Rund 130 Teilnehmende kamen zum 3. Parlament der Dörfer. Foto: DA

Herr Arndt, Sie engagieren sich in der Dorfbewegung Brandenburg – Netzwerk Lebendige Dörfer e.V. und haben am 3. Parlament der Dörfer teilgenommen sowie bei der Durchführung mitgewirkt. Wie lief diese Zusammenkunft der Dorfbewegung ab?
Dietrich Arndt: Die Dorfbewegung traf sich zum dritten Mal zum Parlament. Dabei wurde wie in den vorherigen Malen über zuvor ausgewählte Themen in Arbeitsgruppen diskutiert und sich ausgetauscht. Anders jedoch als vor zwei Jahren war der Deklarationstext diese Mal nicht bereits im Vorfeld fertig und wurde noch final bearbeitet, um dann im Plenum abgestimmt, beschlossen zu werden. Die finale Deklaration wurde daran im Anschluss an die Landespolitik übergeben.
Wie lief die Erarbeitung und Einigung auf die finale Formulierungen der Deklaration ab?
Dietrich Arndt: Der zuvor erarbeitete Entwurf der Deklaration wurde thematisch in den AGs besprochen und einzelne Änderungen eingearbeitet. Anschließend wurden die jeweiligen thematischen Abschnitte durch die AGs im Plenum vorgestellt und diskutiert. Die finale Fassung wurde gedruckt allen Teilnehmern ausgehändigt. Anschließend erfolgte die Abstimmung der Deklaration durch alle Teilnehmer im Plenum durch Handzeichen. Die Themenbearbeitung wurde durch die jeweiligen „Chefs“ der AGs moderiert, die Gesamtmoderation im Plenum hatten Dr. Sabina Bauer und Grit Körmer. Neben den Dörfern waren Verbände und Partnerorganisationen sowie auch die Landespolitik mit in den AGs vertreten.

Die Wahrnehmung durch die Landespolitik

Welche Themen wurden noch besonders diskutiert?
Dietrich Arndt:
Die zuvor ausgewählten fünf Themen des Deklarationstexts (Anm. d. Red.: Demokratie, Begegnungsorte, Erneuerbare Energien, Dorfjugend, Gesund altern) bestimmten die Diskussionen in den AGs. Am Rande wurde darüber hinaus natürlich alles diskutiert, was in den Dörfern auf den Nägeln brennt.
Wie viele nahmen an der Veranstaltung teil? Wie viele davon kamen aus Märkisch-Oderland?
Dietrich Arndt: Es nahmen circa 130 Personen aus ganz Brandenburg teil. Darunter waren nach meinem Kenntnisstand mindestens zwölf Personen aus Märkisch-Oderland, inklusive Akteuren zur Organisation. Vertreten waren die Ortschaften: Ortwig (Gemeinde Letschin), Rehfelde, Hohenstein (Stadt Strausberg) und die Gemeinden Neuhardenberg und Buckow.
Wie war die Wahrnehmung durch die Landespolitik / Landesregierung?
Dietrich Arndt: Erst sah es so aus, als würde sich die Landespolitik rar machen. Nach einer „Nachfrage“ im Vorfeld bei einem Bürgerdialog in Rathenow wurde die Landesregierung dann aber aktiv und die Teilnahme mit Vertretern aus der Landespolitik war letztlich recht zahlreich. Vor Ort waren Frau Ministerin Mittelstädt (Anm. d. Red.: Ministerin für Land– und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MLEUV), ein Staatsekretär aus dem Innenministerium sowie Frau Dr. Gruhn als Vizepräsidentin des Landtages und mehrere Landtagsabgeordnete. Minister Wilke (Anm. d. Red.: Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt MASGZ) hatte sich wegen seiner eigenen Hochzeit am Vortag entschuldigt, aber von selbst angeboten, nach dem Parlament eine Abordnung der Dorfbewegung bei ihm zum Gespräch einzuladen. Dies soll demnächst erfolgen.

Die Übergabe

Gab es neben der formellen Übergabe der Deklaration die Möglichkeit für den direkten Austausch und Gespräche zwischen den Vertreter:innen der Dorfbewegung und der Landespolitik?
Dietrich Arndt: Ja und es wurden bereitwillig viele Gespräche sowohl mit Vertretern der Dorfbewegung, wie anderen Teilnehmern geführt. Insgesamt waren die Vertreter der Landespolitik an dem Tag sehr aufgeschlossen dem Parlament der Dörfer gegenüber und teilweise echt verwundert oder überrascht, was Ehrenamt alles leisten kann und leistet, insbesondere, dass die Vorbereitungen auf das Parlament der Dörfer intensiv über ein Jahr liefen.
Wie wurden die Forderungen der Deklaration von Seiten der Landespolitik aufgenommen?
Dietrich Arndt: Vor Ort wurden diese sehr offen aufgenommen.
Gab es Zusagen oder Ankündigungen, wie damit weiter umgegangen wird?
Dietrich Arndt: Man nimmt es als Arbeitsauftrag mit nach Potsdam und verteilt es in die Fraktionen, Ausschüsse, Ministerien sich damit auseinanderzusetzen und als Arbeitsgrundlage, so die Reaktion vor Ort. Von unserer Seite wurde die Deklaration im Anschluss auch auf dem Postweg nochmals an den Ministerpräsidenten und alle beteiligten Ministerien und alle Fraktionen im Landtag verschickt.
Wie bewerten Sie die Bilanz des Tages aus Sicht der Dorfbewegung?
Dietrich Arndt: Als voller Erfolg. Eine Handvoll aus dem Ehrenamt haben dieses einmalige Format in Deutschland vorbereitet und durchgeführt und das bereits zum dritten Mal. Und das „Parlament der Dörfer“ ist dabei tatsächlich die „Stimme der Dörfer“. Auch gab es durchweg am Tag und im Nachgang eine positive Resonanz – innerhalb der Dorfbewegung und auch von draußen. Jetzt heißt es dranbleiben.

Die Rolle

Welche Rolle sehen Sie in der Dorfbewegung in der aktuellen Zeit, in der zumindest „gefühlt“ die Gräben zwischen den Menschen unüberbrückbarer zu werden scheinen?
Dietrich Arndt: Eine sehr, sehr wichtige. Dies da die Dorfbewegung als Stimme der Dörfer viele Themen, die für die Dörfer und den ländlichen Raum wichtig sind, behandelt und bearbeitet. Damit kann zumindest in Teilen und punktuell etwas Druck aus dem Kessel genommen werden, da lösungsorientiertes Arbeiten stattfindet und wahrgenommen wird sowie gleichzeitig klar wird, es geht zwar nicht alles, aber doch vieles. 
Die Dorfbewegung steht dabei nicht nur als Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung, sondern liefert auch die Möglichkeit für die Dörfer zu erkennen, dass diese nicht allein mit ihren Problemen sind, wenn sie sehen andere haben die gleichen Probleme. Dazu gibt es bereits verschiedene Dialogformate auf Landesebene in den Regionen und die regionalen Dörfernetzwerke.

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