Nur Positives

Nächtlicher
Kreuzweg
durch das Oderbruch

Mitten in der Nacht finden sich Menschen an der Rundkirche Kunersdorf ein, um von hier aus eine ganz besondere Wanderung zu beginnen. Von Hendrik Martens

Foto: Hendrik Martens

Das Oderbruch ist für vieles bekannt: für seine weiten Horizonte, den märkischen Eigensinn – und für eine Landschaft, die selbst ein historisches Kunstwerk ist. Erst im 18. Jahrhundert wurde sie unter Friedrich dem Großen trockengelegt und besiedelt. Wo einst Sumpf und Überschwemmung das Bild bestimmten, entstand ein Raum aus Deichen, Kanälen und geraden Wegen. Dass hier heute eine Tradition Menschen mitten in der Nacht durch die Dunkelheit führt, fügt dieser Geschichte eine neue, leise Dimension hinzu. Seit zwölf Jahren schlägt ein „sächsisches Mitbringsel“ des Neutrebbiner Pfarrers Arno Leye hier Wurzeln und verbindet Gegenwart mit Vergangenheit.

Es ist eine besondere Atmosphäre, wenn sich die Gruppe in der Rundkirche Kunersdorf sammelt. Der Bau selbst ist ein Zeugnis des Neuanfangs: In den 1950er Jahren an einem geschichtsträchtigen Ort errichtet, bildet er heute den idealen Auftakt für den Weg. Während die Welt zur Ruhe kommt, beginnt hier eine Reise, die sieben Orte des Bruchs in der Nacht verbindet – ein Weg von über 20 Kilometern.

Was zu Beginn noch leicht wirkt, bekommt mit jedem Kilometer mehr Gewicht. Am Anfang wird noch gesprochen, gelacht, erzählt. Doch je weiter der Weg in die Nacht führt, desto mehr übernimmt die Stille das Kommando. Es ist eine Dunkelheit, die die Sinne schärft. Die Gespräche versiegen, die Schritte werden gleichmäßiger. In der Weite des Oderbruchs bleibt schließlich nur noch das Knirschen unter den Füßen und der eigene Atem. Die Stille wird gelegentlich unterbrochen vom fernen Rollen einer Eisenbahn oder dem vereinzelten Bellen eines Hundes, das weit über das flache Land trägt. Diese Geräusche machen die Größe des Raumes erst spürbar.

Der Weg führt durch Dörfer, die ihre Existenz oft den Kolonisationsplänen des 18. Jahrhunderts verdanken. In Orten wie Bliesdorf, Altbarnim oder Sietzing spiegeln sich diese Ursprünge noch heute in den schlichten Gotteshäusern wider. Besonders die erhaltenen Fachwerkkirchen wirken wie Zeugen einer anderen Zeit; ihre Bauweise erinnert an die pragmatischen Lösungen der ersten Siedler, die mit den Mitteln der Region dauerhafte Orte des Glaubens schufen. Dass diese Kirchen heute in einem so guten Zustand sind und ihre Türen öffnen können, ist dem beständigen Engagement der Kirchengemeinden zu verdanken, die diese Orte über Jahrzehnte bewahrt haben.

Statt grellem Licht empfängt die Wandernden überall das sanfte Flackern von Kerzen. Überall stehen die Türen offen, und fast überall wartet ein heißer Tee. Diese Gastfreundschaft greift eine lange Tradition auf, die in ländlichen Regionen über Generationen weitergegeben wurde.

Einer der intensivsten Momente ist das Erreichen von Neubarnim. Auch dieser Ort entstand auf dem Land, das dem Fluss abgerungen wurde. Wenn hier um Mitternacht Licht brennt, ist der Weg bereits in den Beinen zu spüren. Die Müdigkeit setzt ein – und gerade dadurch gewinnt die Pause an Bedeutung. Menschen kommen zusammen, teilen Brot und Suppe, wie es im Oderbruch über Jahrhunderte hinweg üblich war. In Neubarnim trifft zudem eine zweite Pilgergruppe aus Neulewin ein, um den Weg von hier an gemeinsam mit den anderen fortzusetzen.

Der Weg führt weiter durch Wuschewier. Das dortige Schul- und Bethaus verweist auf eine Epoche, in der Bildung und Glaube unter einem Dach stattfanden – typisch für kleine preußische Landgemeinden. Begleitet wird die Nacht von Liedern wie „Bleibet hier und wachet mit mir“ oder „Laudate Dominum“. In der zunehmenden Stille tragen diese Melodien durch die Nacht.

Wenn die Pilger schließlich Neutrebbin erreichen, endet eine Reise von über 20 Kilometern durch die Dunkelheit. Der Ort selbst ist tief in der Historie der Trockenlegung verwurzelt und steht bis heute für die Verbindung von Landschaft, Glaube und Gemeinschaft. Wenn sich die Türen der Neutrebbiner Kirche hinter den Wanderern schließen und das erste Morgenlicht die Felder des Bruchs streift, ist die Erschöpfung einer tiefen Zufriedenheit gewichen. Wer diese Nacht durchschritten hat, nimmt das Wissen um die eigene Beständigkeit und die Kraft der Gemeinschaft mit nach Hause. Der Kreuzweg endet hier, doch die Ruhe dieser Nacht hallt nach.

Die Welt ist voller schlechter Nachrichten. In unserer Rubrik „Nur Positives“ wollen wir zeigen, dass vieles besser ist, als wir es im Alltag empfinden. Was hat Sie heute erfreut? Welche Entwicklung nehmen Sie als positiv wahr und warum? Schreiben Sie uns Ihre positiven Nachrichten und erfreuliche Themen, denen wir nachgehen sollten: nur-positives@mol-blick.de.

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Mitten in der Nacht finden sich Menschen an der Rundkirche Kunersdorf ein, um von hier aus eine Wanderung zu beginnen. Es ist eine besondere Atmosphäre, wenn sich die Gruppe in der Rundkirche Kunersdorf sammelt.

Seit Januar hat Rüdersdorf einen neuen Bürgermeister. Nico Nolte trat an, um Prozesse zu verbessern, praktikable Lösungen zu entwickeln und Gemeindethemen transparent zu kommunizieren. Die ersten Schritte sind bereits gemacht.

Von wegen langsam! Die Wriezener Verwaltung zeigt sich freundlich, kompetent und schnell​. Und schnell musste es gehen: Für eine Auslandsreise, die sich recht kurzfristig ergeben hat, ist ein Reisepass nötig, den jedoch hatte ich nicht.