Infrastrukturminister Robert Crumbach erteilt der Reaktivierung der Wriezener Bahn eine klare Absage – und rudert dann doch ein Stück zurück. Anders bei der Ostbahn, der RB 26, die er nach eigener Aussage gern ausgebaut wüsste: „Würden wir Mittel aus dem Militärhaushalt bekommen, würde ich nicht ‚Nein‘ sagen“, verkündete er bei einem Termin in Müncheberg.
„Wir retten die Radrennbahn in Fredersdorf!“
Am 16. Oktober gab es auf der Radrennbahn Fredersdorf eine nicht alltägliche Veranstaltung: Kinder und Jugendliche verschiedener Altersgruppen in Radsporttrikots von etlichen Radsportvereinen aus Berlin und Brandenburg, viele mit Rennrädern. Begleitet von ihren Trainer:innen und oft auch den Eltern. Dann eine Gruppe Lokalpolitiker:innen und zentrales Element: Der Robur-Bus („Unterwegs mit dem Robur“). Ein Gastbeitrag von Carl Gremse
Worum ging es: Die Radrennbahn Fredersdorf, unscheinbar und versteckt gelegen zwischen Einfamilienhäusern, ist sanierungsbedürftig und von Schließung bedroht. Was für Außenstehende völlig unspektakulär wirkt, ist für Radsportler:innen in Berlin und Brandenburg etwas Einzigartiges und damit auch Unverzichtbares: In Fredersdorf befindet sich seit 1956 eine in Berlin und Brandenburg einzigartige Radsportanlage – eine 333 Meter lange Ovalbahn mit einem Bitumenbelag und 21 Grad Neigung.
Ab dem Grundschulalter erhalten jungen Radportler:innen aus mehreren Landkreisen auf dieser Bahn ihre ersten Trainingseinheiten. Das Fahren auf der Bahn ist für Radsporler:innen fast so wichtig wie die Trainingseinheiten auf der Landstraße. Ihre ersten Bahn-Wettkämpfe absolvieren die Kinder in Fredersdorf ab ca. 10 Jahren.
Warum ist die Bahn so einzigartig und unverzichtbar? Die Profi-Bahnen, in Cottbus und Frankfurt (Oder) auf welchen die internationalen Profis um Medaillen kämpfen, haben eine Neigung zwischen 35 und 45 Grad. Dieser steile Winkel ist für Kinder und unerfahrene Fahrer:innen kaum zu bewältigen und birgt auch echte Verletzungsgefahren. Ohne auf der flacheren Bahn in Fredersdorf an Wettkampfsituation herangeführt worden zu sein, ist es für Kinder und Jugendliche fast unmöglich und auch gefährlich, auf den Profi-Bahnen zu starten. Wer in Frankfurt (Oder), im Velodrom Berlin und Cottbus später bei nationalen und internationalen Wettkämpfen Medaillen holt, nicht selten als Kind in Fredersdorf gestartet. Eine Bahn wie Fredersdorf ist in Berlin und Brandenburg einzigartig.
Die Bahn wird betrieben vom RSC „Sprinter“ Fredersdorf. Der Verein veranstaltet hier mehrmals im Jahr mit viel ehrenamtlichen Engagement Radsportwettkämpfe und unterhält die Bahn, unterstützt von anderen Vereinen der Region, wie bspw. der RSC „Sprinter“ Fredersdorf, der 1. RSC Strausberg, Pneumant Fürstenwalde, der RC 90 Frankfurt (Oder) und viele mehr.
Beim Besuch des Robur-Buses am 16. Oktober 2026 ging es um nichts Geringeres als den Erhalt der Bahn. Diese ist einerseits trotz liebevoller Pflege in die Jahre gekommen. So braucht es den grundhaften Ausbau des Belages und der Bande. Auch die Zuschauerränge und das Kampfrichterhäuschen könnten Sanierungsmaßnahmn gebrauchen. Andererseits hört man Stimmen, die das Gelände der Bahn begehrlich in eine andere Nutzung z. B. für Einfamilienhäuser nutzen möchten. Längst ist das Thema im Gemeinderat von Fredersdorf – Vogelsdorf angekommen. Bürgermeister Krieger schätzt die Gesamtkosten für die Sanierung auf rund 4 Millionen Euro. Allein für die ersten Planungsphasen bis zur Entwurfsplanung werden etwa 225.000 Euro veranschlagt. Bisherige Förderanträge (etwa über den „Goldenen Plan“ beim Land Brandenburg im Herbst 2025) blieben erfolglos.
Es ist unklar, ob Gemeinde, Land oder Bund die Kosten tragen. Jetzt wurde das Thema im Rahmen der rbb24-Reihe „Unterwegs mit dem Robur“ (Marode Rennbahn in Fredersdorf) im rbb-Fernsehen und in der ARD-Mediathek beleuchtet, um auf die Notlage des Radsportnachwuchses aufmerksam zu machen.
Der Bürgermeister von Fredersdorf, Herr Krieger und die anwesenden Gemeindevertreter haben recht, wenn sie sagen, dass die überregionale Bedeutung nicht von einer kleinen Gemeinde allein gestemmt werden kann. Es sind Kinder und Jugendliche aus vielen, vielen weiteren Gemeinden, die hier ihr Laufbahn als Radsportler:innen begonnen. Hier muss weiter nach gemeinsamen Lösungen gesucht. Es kamen auch am 16. Oktober 2026 entsprechende Signale aus der Landespolitik.
Gleichzeitig erinnern sich hoffentlich die Entscheiderinnen und Entscheider in Fredersdorf an eben diese, eigenen Worte: die Radrennbahn in Fredersdorf hat überregional nur als Radrennbahn Bedeutung. Ein Neubaugebiet hat jeder Ort.
Transparenzhinweis:
Carl Gremse ist über seine Kinder seit mehreren Jahren betreuend im Radsport engagiert. Daher sind ihm die Hintergründe und Bedeutung der Radrennbahn in Fredersdorf für den Nachwuchssport bekannt. Sein Beitrag gibt die Perspektive aus und auf den Radsport wieder.
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Am 16. Oktober gab es auf der Radrennbahn Fredersdorf eine nicht alltägliche Veranstaltung: Kinder und Jugendliche verschiedener Altersgruppen in Radsporttrikots von etlichen Radsportvereinen aus Berlin und Brandenburg, viele mit Rennrädern. Begleitet von ihren Trainer:innen und oft auch den Eltern. Dann eine Gruppe Lokalpolitiker:innen und zentrales Element: Der Robur-Bus.
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