„Motzbude“ bringt Menschen ins Gespräch

Mit der „Motzbude“ hat das Gutshaus der Zukunft Altfriedland beim Festival „Erichs Erben“ in Neuhardenberg ein neues Dialogformat erprobt. Im Mittelpunkt stand eine einfache Frage: Was bewegt die Menschen vor Ort und wie gelingt es, auch bei sehr unterschiedlichen politischen Ansichten miteinander im Gespräch zu bleiben?

Dialog im Mittelpunkt: 25 Menschen ließen sich in einem ganztägigen Workshop zu Dialogbotschafter:innen ausbilden, dann testeten sie ihr neu erworbenes Können in der „Motz-Bude“. Foto: Amelie von Oppen

„Bei uns wird gespart und das Geld stattdessen in die Ukraine gepumpt.“ Sätze wie diesen hörten die Dialogbotschafterinnen und Dialogbotschafter am vergangenen Samstag immer wieder. Anstatt unmittelbar darauf einzugehen, fragten sie nach: Was steckt hinter dieser Aussage? Welche Erfahrungen, Sorgen und Enttäuschungen führen zu dieser Sichtweise?
Genau darum ging es bei der „Motzbude“, mit der die Gutshaus der Zukunft Altfriedland gGmbH beim öffentlichen Festival „Erichs Erben“ in Neuhardenberg vertreten war. Besucherinnen und Besucher waren ausdrücklich eingeladen zu sagen, was sie ärgert, was ihnen Sorgen macht und was sich aus ihrer Sicht verändern müsste.
Zuvor hatte das Gutshaus der Zukunft Altfriedland gemeinsam mit Mo Asumang und Frank Labitzke vom Verein Mo-Lab e.V. einen ganztägigen Workshop veranstaltet. 25 Menschen wurden darin zu Dialogbotschafterinnen und Dialogbotschaftern ausgebildet. Sie lernten, wie sie bei Provokationen, Wut oder verhärteten Positionen im Gespräch bleiben, zuhören, nachfragen und Reflexion ermöglichen können.
Bei der Motzbude wurde dieses Wissen unmittelbar in die Praxis umgesetzt. Dabei entstanden Gespräche, die im Alltag nicht stattfinden. Auch Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft und aus den umliegenden Orten kamen miteinander in tiefe Gespräch, teilweise über Themen, die zuvor nie gemeinsam besprochen worden waren.
Für das Gutshaus der Zukunft Altfriedland bedeutet Dialog dabei nicht, jede Aussage unwidersprochen stehen zu lassen. Die Initiative versteht sich als Ort für eine offene und pluralistische Demokratie, für Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und die Gleichwertigkeit aller Menschen. Gleichzeitig setzt sie darauf, gesellschaftliche Konflikte nicht allein durch Abgrenzung zu beantworten.
„Die Erfahrung an diesem Tag war: Wenn wir zunächst zuhören und ernsthaft nachfragen, kann aus einer zugespitzten Aussage ein echtes Gespräch entstehen“, so die Bilanz von Christian von Oppen, Geschäftsführer des gemeinnützigen Gutshauses der Zukunft Altfriedland. „Das heißt nicht, dass wir einer Meinung sein müssen. Aber wir schaffen einen Raum, in dem Widerspruch möglich ist, ohne dass das Gespräch sofort abbricht.“
Die Motzbude soll deshalb kein einmaliges Experiment bleiben. Die Gutshaus der Zukunft Altfriedland gGmbH möchte das Format weiterentwickeln und an unterschiedlichen Orten in Märkisch-Oderland einsetzen. Das Ziel ist, dass Menschen wieder miteinander reden, einander zuhören, Positionen hinterfragen und demokratischen Streit aushalten.
Das Dialogformat wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung.
Quelle: Pressemitteilung der Gutshaus der Zukunft Altfriedland gGmbH. Redaktionelle Bearbeitung: Steffen Blunk

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