Allresist - Hidden Champion in Strausberg baut an.

Seit 34 Jahren produziert Allresist  hochspezialisierte Prozesschemikalien. Seit 1999 ist das Familienunternehmen in Strausberg angesiedelt. Das Unternehmen ist auf Wachstumskurs und wurde für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. Kann Nachhaltigkeit ein Erfolgsrezept sein? Von Christian Göritz-Vorhof

Dicht-Fest statt Richtfest: Der Neubau soll den Weg zu weiterem Wachstum ebnen. Foto: cgv

Die Firma Allresist GmbH hatte anlässlich der Fertigstellung eines Erweiterungsbaus am 15. September zum „Dicht-Fest“ zum gemeinsamen Anstoßen eingeladen. Vertreter:innen aus Lokalpolitik, Wirtschaftsförderung, Mitarbeitende und Geschäftspartner fanden sich dazu zahlreich auf dem Firmengelände am Biotop 14 in Strausberg ein. Geladen hatte die Eigentümerfamilie mit dem Gründerpaar Brigitte und Matthias Schirmer.
Zu feiern gab es zum einen den Bau und Abdichtung des Neubaus, mit dem der Schritt für weiteres Wachstum geebnet wurde. Zum anderen kann auf eine 34 Jahre erfolgreiche Firmengeschichte und zuletzt starke Wachstumszahlen zurückgeblickt werden. Matthias Schirmer gab dazu Einblicke in die jüngste Entwicklung. Allresist hat 2025 einen Jahresumsatz von 4,3 Millionen Euro erwirtschaftet und blickt auf weiteres Wachstum mit fünf Millionen Euro Umsatz für das laufende Jahr 2026. Getragen wird das Unternehmen von 25 Mitarbeitenden an den Standorten Strausberg und Teltow sowie der Familie Schirmer mit insgesamt fünf Familienmitgliedern aus zwei Generationen in der Unternehmensführung. 
In ihrer Begrüßung gab das Gründerpaar einen Exkurs über die wichtigsten Stationen des im Oktober 1992 gegründeten Familienunternehmens, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von Fotolacken und Prozesschemikalien spezialisiert hat. Der Weg begann in den Fotochemischen Werken in Berlin-Köpenick in der Nachwendezeit mit den Umbrüchen der Privatisierung staatlicher Betriebe der ehemaligen DDR.
Der treibende Gedanke hinter der Firmengründung, so Brigitte Schirmer, war es, „dass das in den Fotochemiewerken bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorhandene technische chemisch-technologische Wissen nicht verloren ging. Als angekündigt wurde, dass das Werk 1992 geschlossen werden sollte, galt es ‚Jetzt oder nie!‘. Denn uns war bewusst, dass das Wissen darüber, welche Produkte gebraucht werden und wie diese hergestellt werden, in wenigen Jahren nicht mehr relevant sein würde“, beschrieb sie die Lage. Ein Neustart wenige Jahre später sei somit keine Option gewesen.
Sie starteten mit einem kleinen Team von Mitarbeitenden in den Fotochemischen Werken. Sich selbst teilten sie auf: Matthias Schirmer in der Forschung einerseits und Brigitte Schirmer in Produktion und Logistik andererseits. Als erste Kunden belieferten sie ein Druckplattenwerk in Berlin sowie Unternehmen der Mikroelektronik wie das CiS in Erfurt und das MZD in Dresden. Dass sie das „als Familie mit drei Kindern gewuppt bekommen haben“, wurde Ihnen nicht zugetraut, erinnert sich Brigitte Schirmer.

Uns war von Anfang an wichtig,
ein Unternehmen aufzubauen, das Verantwortung übernimmt.

Verglichen mit den heutigen Räumlichkeiten, starteten sie damals „mit überschaubaren Mitteln, einer Handvoll Mitarbeitern und einer großen Portion Mut“, so Brigitte Schirmer über den Start 1992: „Wir saßen in winzigen Räumen mit einem einjährigen Mietvertrag in den Fotochemischen Werken in Berlin und entwickelten unsere ersten Rezepturen.“
Am 16. Oktober 1992 gründeten die Schirmers die Allresist GmbH, finanziert mit eigenen Ersparnissen und „ohne Erfahrung in der Führung eines Unternehmens oder wie mit Mitarbeitenden umzugehen ist“, blickt Brigitte Schirmer auf diese Zeit zurück. Hinter der Wahl des Firmennamens – „All-resist“ – steckt einerseits die damalige Vision, Resists für alle vormaligen Kunden und andererseits für (nahezu) alle Anwendungen herstellen zu können. Eine Vision, die damals viele für gewagt hielten, erinnern sich die Schirmers. Ihre Vision gründete sich auf der Tatsache, dass sich die DDR im Rahmen der Arbeitsteilung mit unterschiedlicher Spezialisierung im damaligen Ostblock unter anderem auf Mikroelektronik spezialisiert hatte. Damit war die entsprechende Expertise für derartige Produkte in Osteuropa an nur wenigen Stellen wie in den Fotochemischen Werken in Berlin vorhanden.
Einige Jahre nach dem Start in Berlin erfolgte 1999 der Umzug nach Strausberg, an einen Standort an der S-5, „um alle Mitarbeitenden mitnehmen zu können“, machte Brigitte Schirmer deutlich. Auch sei es Ihnen von Anfang an wichtig gewesen, ein Unternehmen aufzubauen, dass Verantwortung trägt und etwas Bleibendes schafft. Man sei „von humanistischen Idealen geleitet“ und lebe eine Unternehmenskultur auf Augenhöhe. „Dies betrifft den Umgang mit unseren Mitarbeitenden sowie unseren Kunden. Dazu gehört auch, dass statt Gewinnmaximierung der größte Teil der Erträge im Unternehmen belassen wird. So blieben immer genug Mittel für faire Gehälter und zukunftsfähige Projekte sowie Spenden für Umweltschutz wie soziale Programme in der Region.“
In der Unternehmensführung verfolge man neben den sozialen Aspekten den Exzellenzgedanken, mit Spezialisierung und eigener Forschung. Das habe dazu geführt, dass sich die Umsätze in den letzten 20 Jahren verzehnfacht haben und das Unternehmen über „ziemlich zufriedene Mitarbeiter sowie verlässliche Kunden und Partner verfügt“, ergänzt Matthias Schirmer: „Wir sind ein kleines Unternehmen und maßgeschneiderte, auf individuelle Kundenbedürfnisse zugeschnittene Lösungen sind unser Alleinstellungsmerkmal, zusammen mit einem ausgeprägtem Produktportfolio.
In der eigenen Firmenphilosophie wird nachhaltiger Erfolg dabei wie folgt definiert: „In unserem Bemühen um zufriedene Kunden und Mitarbeiter schaffen und pflegen wir dauerhafte und persönliche Partnerschaften für den nachhaltigen – und dabei ökonomischen, ökologischen und sozialen Erfolg.“

Hintergund

Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) wurde 1949 als sozialistisches Gegenmodell zu westeuropäischen wirtschaftlichen Zusammenschlüssen gegründet. Darin wurde die Arbeitsteilung der osteuropäischen Staaten unter Führung der damaligen UdSSR koordiniert. 

Die Bedeutung der Rechentechnik und Datenverarbeitung wurde seitens der SED Führung der DDR bereites in den 1960 erkannt und zunächst stark gefördert. 1961 wurde mit der „Arbeitsstelle für Molekularelektronik“ in Dresden eine Einrichtung geschaffen, die bis in die achtziger Jahre hinein als Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der Mikroelektronik fungierte. Die DDR war zu der Zeit eine der weltweit wenigen Staaten, die hochintegrierte Schaltkreise entwickeln konnten. Die Produkte dieses Industriezweiges hinkten dennoch jenen der führenden Hersteller der Welt um Jahre hinterher.

Link: Hochtechnologie in der DDR

„Die Mikrochips im Inneren von Handys
werden mit unseren Produkten hergestellt.“

Heute gehören über 200 hochwertige Standardprodukte, wie maßgeschneiderte Resists zum Portfolio. Weltweit beliefert das Unternehmen damit mehr als 500 Kunden in der Halbleiterindustrie. Die benötigt die Produkte zur Herstellung von Mikrochips, „die im Inneren von Handys, Computern und Autos verbaut sind“, so Brigitte Schirmer.
Mit dem aktuellen Ausbau sollen die Voraussetzung für den weiteren Wachstumskurs geschaffen werden. Der Neubau ermöglicht, das Produktionskapazitäten modernisiert werden können und mehr Lagekapazität vorhanden sind. Damit wird Vorsorge hinsichtlich der Abhängigkeiten von Lieferketten getroffen und den zuletzt unsichereren weltpolitischen Entwicklungen Rechnung getragen.
Unter dem Stichwort „Grüne Chemie“ schafft Allresist gezielt Produkte, die die Gesundheit der Anwender im „Reinraum“ schützen (Anm. d. Red.: Raum mit geringer Konzentration luftgetragener Teilchen, notwendig, um Beschädigungen in der Halbleiterproduktion zu verhindern). “Gleichzeitig schonen sie die Umwelt“, erklärt Matthias Schirmer jüngste Innovationen. Konkret benennt er die Entwicklung des „Resists Medusa 84 SiH“, der gegenüber gängigen Lacken in der Halbleiterherstellung vollständig ohne gefährliche Giftstoffe auskommt.
Für die Entwicklung dieses Öko-Resists ist das Unternehmen im September für das Finale des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für Produkte 2027 nominiert worden. Seitens der Jury wurde die Grüne Chemie als Leuchtturm der Transformation in Deutschland eingestuft.
Ab Ende des Jahres wird sich das Gründerpaar aus dem Unternehmen zurückziehen und das Erbe an die nächste Generation übergeben. Tochter Ulrike Schirmer, die bereits seit 2015 Jahren in der Geschäftsführung tätig ist und seit 2024 als Co-Geschäftsführerin aktiv mitgestaltet, wird ab 2027 die Nachfolge antreten.

Mehr aus dem Ressort Wirtschaft

Seit 34 Jahren produziert Allresist  hochspezialisierte Prozesschemikalien. Seit 1999 ist das Familienunternehmen in Strausberg angesiedelt. Das Unternehmen ist auf Wachstumskurs und wurde für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert. Kann Nachhaltigkeit ein Erfolgsrezept sein?

Seit Mai 2022 gibt es in der Strausberger Altstadt den ERNAS Unverpackt-Laden. Ursprünglich als Wirtschaftsunternehmen gegründet, wird er seit vergangenem Jahr durch ERNAS UNVERPACKT e.V. fortgeführt. Am 9. September 2026 fand die erste Jahreshauptversammlung statt. Wie sieht es ein Jahr nach der Gründung des Vereins aus? 

Erstmalig haben der Landkreis Märkisch-Oderland und die Wirtschaftsförderung Marzahn-Hellersdorf einen gemeinsamen Preis für vorbildliche Ausbildung übergeben. Vier von fünf ausgezeichneten Unternehmen sitzen in Märkisch-Oderland. 

Freigesetztes CO2 führt zu höheren Temperaturen. Um sie zu senken braucht es CO2-Speicher, wie zum Beispiel Torf in intakten nassen Mooren. Wiedervernässungsmaßnahmen treffen auf menschliche Lebensrealitäten.

Hitze schafft Versteppung. Wenn nicht gegensteuert wird, absehbar auch in Märkisch-Oderland. Mehr Wasser in der Landschaft zu halten, ist deshalb eine wesentliche Forderung, der unter anderem auch Moore dienen. Wir sprachen mit Prof. Dr. Vera Luthardt darüber, wie Moore zur Stabilisierung des Wasserhaushalts beitragen.

Die Stadt Strausberg hat ein Interessenbekundungsverfahren zur zukünftigen Nutzung des Stadthauses am Markt 10 gestartet. Ideen gibt es bereits, Einwohnerinnen und Einwohner konnten ihre Vorstellungen einer zukünftigen Nutzung in den vergangenen Monaten einbringen. Nun werden Konzepte gesucht.


Entdecke mehr von Der Blick auf Märkisch-Oderland

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.