Kita-Schließung in Strausberg: Ein Wegweiser auch für andere?

In ganz Märkisch-Oderland sinkt die Anzahl der Kinder und damit die Auslastung von Kindertageseinrichtungen. Kita-Schließungen sind somit an vielen Orten unvermeidlich. Strausberg geht im Fall der Kita Wirbelwind einen Weg, der beispielhaft sein kann.

Kita Wirbelwind in Strausberg

Die Kita „Wirbelwind“ ist nur noch zu 35 Prozent ausgelastet. Insgesamt gibt es momentan in Strausberg rund 450 Kita-Plätze, die nicht belegt werden können.

Bereits seit Ende 2024 werden sinkende Kinderzahlen und damit zunehmende Überkapazitäten von Kindertageseinrichtungen in Strausberg in den Ausschüssen der Stadtverordnetenversammlung debattiert. Im Sommer 2025 wurde die Schließung der Kita „Zauberwald“ beschlossen, nun stand das Thema am 26. März 2026 erneut auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung (SVV). Dieses Mal ging es um die Kita „Wirbelwind“ in Strausberg Vorstadt. Die Schließung stellte dabei nur eine Maßnahme in der Beschlussvorlage der Verwaltung dar, welche mehrere Ziele umfasst. Die Vorlage wurde mit 20 zu vier Stimmen beschlossen.

Am 6. Juni 2025 wurde der Beschluss zur Abwicklung der Kita Zauberwald gefasst, um Überkapazitäten bei Strausberger Kitas zu verringern. Aufgrund des anhaltenden Trends sinkender Geburten- und Kinderzahlen wurde damit nur eine teilweise Reduzierung von Überkapazitäten erreicht. Das Thema Auslastung war seitdem wiederholt Thema im zuständigen Ausschuss für Bildung, Jugend, Kultur, Sport und Soziales (ABJKSS) sowie der Stadtverordnetenversammlung. Während Verwaltung und Politik die Zahlen und mögliche Folgerungen erörterten, wuchsen auf Seiten der Mitarbeiterinnen die Sorgen, weil es keine öffentliche Positionierung zum Erhalt der Kitas und Horte gab.

Ihre Angst vor betriebsbedingten Kündigungen und damit bevorstehenden Entlassungen mittels Sozialauswahl formulierten einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber Stadtverordneten in Gesprächen.

Der Fall in der Nachbargemeinde Rehfelde, in der Ende November der Beschluss zur Schließung und damit Kündigung von Mitarbeiterinnen zum Jahresende 2025 erfolgte, führte letztlich zur Initiative aus dem politischen Raum.

Ziel: Arbeitsplätze sichern, Betreuungsqualität erhöhen
- und dennoch Kosten sparen

Mit dem Ziel eine Wiederholung dessen in Strausberg zu verhindern,  brachte die Fraktion Zusammen für Strausberg Anfang dieses Jahres eine Beschlussvorlage ein, die die Stadtverwaltung mit der Erarbeitung eines Konzeptes beauftragte. Eingebracht durch Robert Krause, der auch Vorsitzender der ist, sollte das Konzept ein Gleichgewicht aus folgenden drei Zielen sicherstellen: Die Betreuungsqualität soll erhalten und sogar verbessert werden. Die Arbeitsplätze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kindertagesbetreuung sollten gesichert werden. Und drittens sollte der städtische Haushalt im Zeitraum 2026 bis 2028 entlastet werden.

Der Antrag wurde in der ersten SVV diesen Jahres am 12. Februar  einstimmig beschlossen.

Das Konzept wurde zügig erstellt und bereits am 4. März  im Bildungsausschuss durch die Verwaltung vorgestellt. Die Kita „Wirbelwind“ soll demnach zum 31. Juli 2026 geschlossen werden. Mit der Schließung werden Betriebskosten reduziert, um damit den finanziellen Spielraum für eine bessere  Betreuungsqualität in allen Kitas zu schaffen. Konkret soll damit eine Stelle – Fachkraft mit Schwerpunkt Qualität und Kindeswohl – ab 2027 in der Verwaltung eingerichtet werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2028 ausgeschlossen. Die elf Mitarbeiterinnen der Kita „Wirbelwind“ werden auf die anderen städtischen Kitas verteilt, die derzeit unterbesetzt sind, beziehungsweise  bilden sie ein Springer-Team, das bei Personalengpässen in Einrichtungen die Betreuung weiter sicherstellt. Zur Erreichung des dritten Ziels werden zwei Beschlüsse aufgehoben, die zum einen den Betreuungsschlüssel oberhalb der gesetzlichen Vorgaben gesetzt hatten, sowie einen Stellenschlüssel zur Ermöglichung von zwei Stunden Vorbereitungszeit vorsahen.

Mit der Umverteilung der elf Mitarbeiterinnen und einem insgesamten Personalüberhang, sind diese Vorgaben für die städtischen Kitas zumindest für die nächsten zwei Jahre ohnehin erreicht. Diese freiwillige Leistung wurde auch den Kitas in freier Trägerschaft finanziert. Dies entfällt mit Aufhebung der zwei Beschlüsse, womit Einsparungen im städtischen Haushalt von etwa 250.000 Euro pro Jahr erreicht werden.

Sorge vor Umgewöhnung, erheblichem
Aufwand, anderen Öffnungszeiten

Am 26. Februar informierte der zuständige Fachbereichsleiter Sven Salomon die Kita-Leitung über die geplante Schließung. Gleichzeitig wurde damit die Information an die Elternschaft gegeben. Daraufhin haben betroffene Eltern eine Petition gegen die Schließung der Kita gestartet. Sie wandten mit ihren Anliegen und Vorschlägen zu einer alternativen Lösung, inklusive eines Konzepts zur Verkleinerung der Kita, kurz vor der SVV am 19. März beziehungsweise 20. März per Email an die Stadtverordneten.

In der Stadtverordnetenversammlung am 26. März stellten betroffene Eltern in der Einwohnerfragestunde umfangreiche Fragen zu den Planungen und alternativen Möglichkeiten, zu denen die Bürgermeisterin Elke Stadeler  Stellung nahm. Beim Tagesordnungspunkt zur Beschlussvorlage wurde zwei Elternvertretern Rederecht eingeräumt, die nochmals ihre Sorgen darlegten und für einen Fortbestand der Kita „Wirbelwind“ warben. Die erneute Umgewöhnung und damit der verbundene Aufwand wie Urlaubsbedarf sowie mögliche geänderte Öffnungszeiten wurden als die wesentlichen Herausforderungen dargelegt.

Nun brachte die Fraktion Die Linke dazu einen Änderungsantrag ein, mit dem die Schließung der Kita als separate Entscheidung aus dem Gesamtpaket herausgelöst werden sollte, um diese als Einzelentscheidung aufzuschieben. Auch der fraktionslose Bürgermeisterkandidat Patrick Hübner sprach sich gegen die Vorlage der Stadt aus.

Die Verwaltung legte in der Debatte folgende Zahlen vor: Die sinkenden Kinderzahlen haben demnach mit Stand Februar 2026 bereits eine Überkapazität von 450 Plätzen zur Folge. Die Kita „Wirbelwind“ weist mit nur 35 Prozent dabei die geringste Auslastung auf. Selbst nach der Schließung bestehen laut Verwaltung weiterhin über 200 freie Plätze zu viel.

Florian Grube von der BürgerUnion sagte, ihm sei bewusst, dass er keinen Applaus ernten werde, sich für die Schließung auszusprechen. Er verwies auf die nur wenige hundert Meter entfernte Kita „Juri Gagarin“ und appellierte, mögliche Vorbehalte gegen einen Wechsel in diese Einrichtung aufzugeben.

Abschließend in der Diskussion fasste Robert Krause (Zusammen für Strausberg 2.0 / FDP) nochmals alle Aspekte zusammen. Dabei drückte er zum einen sein Verständnis für das Engagement und die Position der betroffenen Eltern aus, stellte aber auch dar, dass er die Aufgabe der Stadtverordneten darin sehe, „die ganze Stadt im Blick“ zu haben. Die Schließung einer nur zu 35 Prozent ausgelasteten Kita sei folgerichtig, der Betrieb vieler kaum ausgelasteter Kitas nicht leistbar. Eine Prüfung des Konzepts und Aufschieben der Entscheidung werde die Reaktionszeit für Eltern um weitere zwei Monate verringern.  In seinen Ausführungen hob er hervor, dass mit dem Beschluss den Mitarbeitern eine Arbeitsplatzsicherheit von 33 Monaten gegeben werde: „Das muss man sich leisten können und leisten wollen.“ Er kenne auch sonst keinen Träger, der eine derartige Arbeitsplatzsicherheit anböte.

Mit 20 Stimmen dafür und vier Stimmen dagegen wurde die Vorlage der Verwaltung beschlossen.

Kommentar

Arbeitsplatzsicherung war ausschlaggebend

Die Schließung einer Kita betrifft vordergründig Eltern und Kinder, die in der Einrichtung betreut werden. Für diese bedeutet dies erneute Eingewöhnung, andere und vielleicht längere Wege zur Einrichtung oder sogar geänderte Betreuungszeiten und die Aufgabe einer bekannten Umgebung. Das Kita-Personal  ist durch eine Schließung in der der eigenen Existenz bei möglichen Schließungen bedroht und dadurch mindestens genauso betroffen wie die Kinder und Familien, wenn nicht gravierender. Der politische Raum muss unangenehme Entscheidungen treffen, die Verwaltung muss diese umsetzen. Meist spielen die Finanzen eine entscheidende Rolle.

Der Verwaltung fällt die Aufgabe zu, den gesetzlich vorgegeben Betreuungsanspruch, die Betreuungsqualität, die Auslastungszahlen und deren Entwicklung sowie Angebot in der gesamten Stadt im Blick zu haben. Zudem muss die Verwaltung als Kämmerin den Haushalt der Stadt und deren nachhaltige Ausrichtung verantworten. Dabei müssen Einnahmen und Ausgaben und deren Entwicklung möglichst in Waage gehalten werden.

Der politische Raum gestaltet im Rahmen der freiwilligen Leistungen einer Kommune bei der Verwendung der verfügbaren Haushaltsmittel die Richtung mit, beziehungsweise gibt sie vor. All das spielt ist bei einer Entscheidung im Hintergrund mit.

Kämmerin, Bürgermeisterin und die Fraktionen treibt in ihrem Handlungs- und Gestaltungsspielraum dabei zunehmend die Finanzierungsfrage um. Eine reduzierte Schlüsselzuweisung durch das Land (-3,7 Millionen Euro) sowie eine erhöhte Kreisumlage (Abführung an den Landkreis von 41,5 Prozent auf 43 Prozent) sprechen für sich und fordern Einsparungen..

Für mich war der ausschlaggebende Punkt der Vorlage zuzustimmen, dass wir die Arbeitsplätze der elf Kitamitarbeiterinnen bis 2028 sichern können.

Quellen und Links